Jesus - Schwindler, Wahnsinniger oder der Herr?

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Die eindeutigen Gottheitsansprüche Jesu widerlegen die populären skeptischen Einwände, die Jesus als moralisch hochstehende Grösse oder als Propheten betrachten, der bedeutende philosophische Aussagen machte. Sehr oft wird diese Schlussfolgerung, die schon die Vernunft dem Menschen gebiete, als die einzige wissenschaftlich haltbare bezeichnet. Leider stimmen dem sehr viele einfach zu, ohne die Unhaltbarkeit einer solchen Überlegung zu sehen.

Für Jesus selbst war es äusserst wichtig, dass er wusste, wer er in den Augen der Menschen war. Von seinen Aussagen und Selbst-Bezeichnungen kann man daher nirgendwo ableiten, dass er lediglich ein moralisch hochstehender, vorbildlicher Mensch oder ein Prophet war. Jesus hat uns hier nie eine Alternative offengelassen.

C. S. Lewis, ehemaliger Professor an der Universität Cambridge und einst Agnostiker, bringt das ganz klar zum Ausdruck. Er schreibt: "Ich möchte jeden davor bewahren, sich jener weitverbreiteten, äusserst beschränkten Aussage über ihn anzuschliessen: ›Ich kann Jesus als grossen ethisch-moralischen Lehrer akzeptieren, aber nicht seine Ansprüche auf Gottheit.‹ Diese Behauptung ist unhaltbar. Wer als gewöhnlicher Sterblicher solche Dinge sagt, wie Jesus es getan hat, der kann gar kein grosser ethischer Lehrer sein. Er wäre entweder ein Wahnsinniger - wie einer, der behauptet, er sei ein Huhn - oder er wäre der Teufel persönlich. Vor dieser Wahl stehen wir. Entweder war und ist dieser Mann Gottes Sohn - oder er war ein Verrückter oder Schlimmeres."

Lewis fügt hinzu: "Man kann ihn als Verrückten einsperren, ihn anspeien und als Teufel umbringen oder aber zu seinen Füssen niederfallen und ihn Herr und Gott nennen. Doch den groben Unsinn, ihn als grossen humanistischen Lehrer hinzustellen, sollten wir bleibenlassen. Diese Möglichkeit hat er selbst uns nicht gelassen. Es lag auch nicht in seiner Absicht." 1

F. J. A. Hort, der sich achtundzwanzig Jahre lang mit textkritischen Studien des Neuen Testamentes befasste, schreibt: "Seine Worte sind so ausnahmslos Teil und Ausdruck seiner Persönlichkeit, dass sie als abstrakte Aussagen über Wahrheit, die von ihm als göttlichem Orakel oder Propheten stammen, völlig bedeutungslos wären. Wenn wir ihn als primäres (wenn auch nicht ausschliessliches) Subjekt von seinen Aussagen abtrennen, so lösen sie sich alle in ein Nichts auf." 2

Kenneth Scott Latourette, Professor für Kirchengeschichte an der Yale-Universität drückt es so aus: "Nicht seine Lehre macht Jesus so einzigartig, obwohl sie allein schon genügen würde, ihn auszuzeichnen. Es ist die innere Verknüpfung seiner Lehre mit seiner Person. Diese beiden Faktoren können nicht voneinander getrennt werden." "Für jeden, der das Neue Testament gründlich liest", folgert Latourette, "sollte es daher klar auf der Hand liegen, dass Jesus sich selbst und seine Botschaft für untrennbar hielt. Er war ein grosser Lehrer, aber er war mehr als das. Seine Lehren über das Reich Gottes, über das menschliche Verhalten und über Gott sind wichtig; aber man kann sie nicht von seiner Person scheiden, ohne Gefahr zu laufen, sie falsch zu interpretieren." 3

Jesus beanspruchte Gott zu sein. Eine andere Möglichkeit liess er nicht offen. Daher muss seine Behauptung entweder richtig oder falsch sein - auf jeden Fall sollte man sich ernsthaft mit ihr auseinander setzen. Jesu Frage an seine Jünger: "Wer sagt denn ihr, dass ich sei?" (Mt 16,15) lässt daher eine Reihe mehr oder weniger richtiger Antworten zu.Zunächst einmal ist die These zu prüfen, sein Anspruch Gott zu sein sei völlig vermessen und falsch. Unter diesen Umständen gäbe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder wusste er, dass sein Anspruch falsch war, oder er wusste es nicht. Wir wer-den beide Möglichkeiten untersuchen.

War er ein Betrüger?

Wenn Jesus bei der Formulierung seiner Aussagen gewusst hätte, dass er nicht Gott war, so würde es sich um Lüge und vorsätzlichen Betrug gegenüber seinen Anhängern handeln. Als Schwindler und Betrüger wäre er dann zugleich ein äusserst gerissener Heuchler gewesen, denn er verlangte von anderen, unter allen Umständen ehrlich zu sein, während er selbst eine ungeheuerliche Lüge gelebt hätte. Er müsste der reinste Dämon gewesen sein, denn er wies andere an, ihm ihr ewiges Schicksal anzuvertrauen. Wenn er also gewusst hätte, dass er seine Ansprüche und Versprechungen nicht erfüllen konnte, so gäbe es keine Worte, um seine Niedertracht zu beschreiben. Ausserdem wäre er ein ganz grosser Narr gewesen, denn es war schliesslich gerade sein Anspruch auf Gottheit, der zu seiner Kreuzigung führte.

Viele werden sagen, Jesus sei ein bemerkenswerter ethischer Lehrer gewesen. Doch wir wollen realistisch sein. Wie konnte er moralisches Vorbild sein und zugleich Menschen am wichtigsten Punkt seiner Lehre irreführen - in der Frage seiner eigenen Identität!

Zwangsläufig müssten wir dann zu dem logischen Schluss kommen, dass er ein vorsätzlicher Betrüger und Hochstapler war. Diese Meinung über Jesus stimmt jedoch nicht mit dem Gesamteindruck überein, den wir von seiner Person, von dem, was er tat und lehrte, vermittelt bekommen. Denn überall, wo Jesus verkündigt wurde, sind Menschenleben zum Besseren hin verändert worden, hatte seine Lehre positiven Einfluss auf ein Volk, wurden Diebe auf einmal ehrlich, erlebten Alkoholiker Heilung, konnten von Hass und Bitterkeit geprägte Menschen auf einmal lieben, wurden Ungerechte gerecht.

Die Worte des britischen Historikers William Lecky, einem scharfen Gegner des institutionellen Christentums, wurden schon oft zitiert: "Jesu Charakter vereinigt in sich nicht nur das höchste Vorbild menschlicher Tugenden, sondern spornt zugleich an zu deren praktischer Ausübung. Er hat einen so nachhaltigen Einfluss ausgeübt, dass man in Wahrheit sagen kann, der einfache Bericht über drei kurze Jahre seines aktiven Lebens habe mehr für die Erneuerung und den Frieden der Menschheit bewirkt als alle Abhandlungen der Philosophen und alle Ermahnungen der Moralisten." 4

Der Historiker Philipp Schaff kommentiert: "Wenn dieses Zeugnis nicht der Wahrheit entspricht, dann handelt es sich um offene Gotteslästerung oder um Wahnsinn. Doch eine solche Hypothese kann nicht einen Moment lang aufrecht erhalten werden angesichts der moralischen Reinheit und Würde Jesu, die sich in allen seinen Worten und Taten sichtbar bekundet und die durch allgemeine Übereinkunft bestätigt wird. Selbstbetrug ist in solch einer gewaltigen Sache und auf einer solchen Intelligenzstufe und der Fähigkeit zu nüchterner Überlegung ebenso auszuschliessen. Wie kann er ein Enthusiast oder Verrückter sein, wenn er nie die Nerven oder seine Beherrschung verlor und seine Schwierigkeiten und Anfeindungen erhaben meisterte, kritischen Fragen mit weisen Antworten begegnete und schliesslich wohlbeabsichtigt und voll innerer Ruhe seinen Tod, seine Auferstehung am dritten Tag, die Ausgiessung des Heiligen Geistes, die Gründung seiner Gemeinde und die Zerstörung Jerusalems vor-aussagte - prophetische Ankündigungen, die sich wirklich erfüllten? Eine solche einzigartige Persönlichkeit, so integer und ausgeglichen, so vollkommen, so menschlich und zugleich über alle menschliche Grösse erhaben, kann weder der Wahnsinn noch die Einbildung hervorbringen. Der Dichter wäre dann, wie es heisst, grösser als seine Erfindung. Sicher bedürfte es mehr als eines Jesus, um überhaupt einen Jesus zu erfinden." 5

An anderer Stelle führt Schaff ein überzeugendes. Argument gegen die Anschuldigung an, Jesus sei ein Betrüger oder Hochstapler gewesen: "Es ist weder logisch, noch entspricht es dem gesunden Menschenverstand oder der Erfahrung, dass ein Hochstapler - ein egozentrischer, betrügerischer, geistesgestörter Mensch - den reinsten und edelsten Charakter erfunden und von Anfang bis Ende aufrecht erhalten hätte, den die Geschichte kennt, zudem mit dem vollkommenen Anschein von Wahrheit und Realität! Wie konnte er angesichts grosser Skepsis von seiten seiner Volks- und Zeitgenossen erfolgreich ein Konzept so unvergleichlicher Humanität, moralischer Grösse und Erhabenheit erfinden und vertreten, und schliesslich sogar sein Leben dafür opfern?" 6

Wenn Jesus darauf abzielte, dass die Menschen ihm nachfolgten und an ihn als Gott glaubten, warum ging er dann zum jüdischen Volk? Warum entschloss er sich, als Tischler aus Nazareth in einem so kleinen Land aufzutreten, das so unbeirrt an der unteilbaren, unanfechtbaren Einheit Gottes festhielt? Warum ging er nicht nach Ägypten oder sogar nach Griechenland, wo man an verschiedene Götter und ihre verschiedenartigen Manifestationen ohnehin schon glaubte?

Jemand, der so wie Jesus lebte und lehrte und einen solchen Tod starb wie er, kann einfach kein Betrüger und Hochstapler gewesen sein. Doch welche anderen Möglichkeiten gibt es noch?

War er ein Wahnsinniger?

Wenn völlig ausser Frage steht, dass es sich bei Jesus um einen Schwindler und Betrüger handelte, wäre es dann nicht möglich, dass er zwar persönlich davon überzeugt war, Gott zu sein, aber sich eben geirrt hat? Es ist ja durchaus möglich, dass man eine Sache ernsthaft vertritt, von der sich später herausstellt, dass sie falsch war. Wenn jedoch jemand in einer so streng monotheistischen Gesellschaft den Anspruch erhebt, Gott zu sein und verkündet, das ewige Schicksal der Zuhörer hänge vom Glauben an ihn ab, dann handelt es sich nicht nur um einen Anflug von Phantasie, sondern im wahrsten Sinne des Wortes um die Reden eines Wahn-sinnigen. War Jesus Christus ein Wahnsinniger?

Jemand glaubt, er sei Gott, das hört sich mindestens so an, als propagierte heute jemand, er sei Napoleon. Ganz sicher hielte man eine solche Einbildung für Geistesstörung in Reinkultur und würde den Betreffenden in eine Klinik einweisen, damit er nicht sich selbst und anderen Schaden zufügen kann. Doch bei Jesus finden wir keinerlei Hinweise auf abnormes oder exzentrisches Verhalten, das gewöhnlich für Geisteskranke symptomatisch ist. Seine innere Stabilität und Ausgeglichenheit wäre für einen Geistesgestörten sicher erstaunlich.

Noyes und Kolb beschreiben in ihrem Handbuch der Psychiatrie den Schizophrenen als eine Person, die eher autistisch in sich befangen ist, als dass sie Kontakt zur Wirklichkeit pflegt. Der Schizophrene möchte vor dieser Welt der Realität fliehen. Die Behauptung, Gott zu sein, wäre in diesem Fall sicher unbestritten ein Rückzugsmanöver aus der Realität.

Im Licht aller anderen Dinge, die wir über Jesus wissen, kann man sich jedoch nur schwer vorstellen, dass er geistig gestört war. Seine Worte gehören zu den bedeutendsten, die jemals aufgezeichnet wurden. Seine Anweisungen und seine Hilfe haben viele Menschen aus Gebundenheit befreit. Clark H. Pinnock fragt daher: "War er grössenwahnsinnig, ein Umnachteter, ein unbewusster Betrüger, ein Schizophrener? Wiederum, die Genialität und die Tiefe seiner Lehre sprechen für seine völlige geistige Gesundheit. Wären wir doch so normal und nüchtern wie er!" 7 Ein kalifornischer Student sagte mir neulich, sein Psychologieprofessor habe in der Vorlesung bemerkt, "er müsse nur zur Bibel greifen und seinen Patienten Abschnitte der Lehre Jesu vorlesen. Das sei manchmal alles, was sie an Therapie nötig hätten".

Der Psychiater J. T. Fisher behauptet: "Wenn wir alle wichtigen Artikel sammeln, die jemals von hochqualifizierten Psychologen und Psychiatern in Sachen geistiger Gesundheit geschrieben wurden, wenn wir diese zusammenfassend kürzen und jeweils den Extrakt herausziehen - wenn es uns also nur um die Kernaussage, nicht aber um das Drumherum geht - und wir anschliessend diese unverfälschten Teile rein wissenschaftlicher Erkenntnis präzise von den fähigsten Schriftstellern unserer Zeit ausdrücken liessen, so käme dabei nur eine eigenartige und unvollständige Zusammenfassung der Bergpredigt heraus, die bei einem Vergleich mit dem biblischen Text auch noch ziemlich stark verlieren würde. Fast zweitausend Jahre hält die christliche Welt nun also schon die Antwort auf ihre ruhe- und fruchtlosen Bemühungen in den Händen. Hier ruht der Prototyp eines erfolgreichen menschlichen Lebens, das Optimismus, geistige Gesundheit und Zufriedenheit beinhaltet." 8

C. S. Lewis schreibt: "Die Historiker stehen vor einem grossen Problem, wenn sie für das Leben, die Aussagen und den Einfluss Jesu eine Erklärung finden sollen, die nicht schwieriger ist als die christliche. Die Diskrepanz zwischen der Tiefe, der Vernünftigkeit und dem Scharfsinn seiner Morallehre einerseits und dem zügellosen Grössenwahn andererseits, der seiner Theologie zugrunde liegen müsste, wenn er nicht wirklich Gott wäre, ist niemals zufriedenstellend geklärt worden. Deshalb folgt eine nichtchristliche Hypothese der anderen, und alle bringen nur Verwirrung zustande." 9

Philipp Schaff meint: "Kann ein solcher Verstand - so klar wie der Himmel und durchdringend wie frische Bergluft, scharf und treffend wie ein Schwert, durch und durch gesund und kräftig, immer geistesgegenwärtig und selbstbeherrscht - bezüglich des eigenen Charakters und Auftrags solch einer totalen, äusserst schwerwiegenden Verwirrung zum Opfer gefallen sein? Welch ein widersinniger Gedanke wäre das."

War er der Herr?

Ich persönlich kann nicht zu der Schlussfolgerung kommen, dass Jesus ein Schwindler, Betrüger oder Wahnsinniger war. Es bleibt daher nur die Möglichkeit, dass er wirklich der Christus, der Sohn Gottes war, wie er behauptet hat.

Wenn ich darüber mit Juden spreche, reagieren die meisten auf höchst interessante Weise. Gewöhnlich erklärt man mir, Jesus sei ein beachtlicher Lehrer der Moral und Ethik gewesen - ein guter Mensch, irgend so etwas wie ein Prophet. Meistens gehe ich dann auf die Ansprüche Jesu ein und auf das eben behandelte Trilemma (Schwindler, Wahnsinniger oder Herr). Wenn ich dann meine jüdischen Freunde frage, ob sie der Meinung sind, Jesus sei ein Betrüger gewesen, entgegnen sie mir mit einem scharfen Nein. Auch auf die Frage, ob es sich bei ihm um einen Geistesgestörten handelte, lautet die Antwort: "Natürlich nicht." Wenn ich dann frage: "Glauben Sie, dass er Gott war?" kommt wie aus der Pistole geschossen-die Antwort: "Auf gar keinen Fall."

Es geht hier nicht darum, welche von diesen drei Alternativen möglich ist; entscheidend ist vielmehr: "Welche ist wahrscheinlich?" Die persönliche Entscheidung, wer Jesus Christus ist, bedarf sorgfältiger geistiger Überlegung. Man kann Jesus nicht unter die Rubrik grosser moralischer Lehrer einordnen. Er ist entweder Betrüger, Wahnsinniger oder Herr und Gott. Wir müssen uns entscheiden. "Diese aber sind geschrieben", sagt Johannes, "damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen" (Joh 20,31).

Die Beweise sprechen klar zugunsten Jesu als dem Herrn. Einige jedoch ziehen es vor, diesen klaren Beweis aufgrund der moralischen Folgen, die diese Entscheidung nach sich zöge, abzulehnen. Sie wollen die Verantwortung nicht tragen, die aus dem Bekenntnis "Jesus ist der Herr" folgt.

Fortsetzung: Was sagt die Wissenschaft?

1 C. S. Lewis, Pardon, ich bin Christ, Giessen, 200216
2 F. J. A. Hort, Way, Truth, and the Life, New York 1894, S.207
3 Kenneth Scott Latourette, A History of Christianity, New York 1953, S. 44/48
4 W. Lecky, zit. in: Sittengeschichte Europas von Augustin bis Karl d. Grossen, 1873
5 Philipp Schaff, History of the Christian Church, Grand Rapids 1962 (Nachdruck v. 1910), S. 109
6 Philipp Schaff, The Person of Christ, New York 1913, S.94/95/97
7 Clark Pinnock, Set Forth your Case, New Jersey 1967, S. 62
8 J. T. Fisher, A Few Buttons Missing, Philadelphia 1951, S.273
9 C. S. Lewis, Wunder - möglich, wahrscheinlich, undenkbar, Basel 1980


Autor: Josh McDowell
Quelle: Wer ist dieser Mensch

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