Ich soll Christ werden? Einer von diesen Heuchlern?

Zoom
Was ist massgebender, das Bodenpersonal oder Gott?
Über Kirchen und ihre Mitglieder lässt sich viel Schlechtes sagen. Aber Gott hält sie irgendwie trotzdem. Toleriert er Heuchelei? Wohl kaum. Sondern er hält eine Tür offen.

Man verweist gerne auf frühere Untaten, die im Namen Christi geschehen sind, wie die spanische Inquisition, die Hexenprozesse und andere Verbrechen. Hinzu kommen dann diverse Skandale aus der Gegenwart: „Priester missbrauchte jahrelang seine Schützlinge“ und so weiter ... Vielen Kirchenleuten konnten tatsächlich Alkoholismus, ehebrecherische Beziehungen, Betrug und anderes nachgewiesen werden. «Wenn das Christentum sein soll, dann will ich lieber nichts davon wissen.»

Originale trotz schlechter Kopien

Was ist ein Heuchler? Ein Schauspieler mit einer Maske. Er sagt das eine, aber tut das andere. Wer kennt nicht solche Menschen aus eigener Erfahrung? – Und wer hat umgekehrt nicht selber schon vor anderen lieber eine Maske getragen als dass er sich eine Blösse gegeben hätte? Das ist die andere Seite dieses Themas. Doch wir müssen zugeben, Heuchelei in der Kirche ist besonders schmerzlich. Nur bedeutet das nicht, dass alle Christen Heuchler sind. Für jedes negative Beispiel gibt es andere von Menschen, die wirklich in Übereinstimmung mit Jesus Christus leben.

Es käme ja auch niemand auf die Idee, wegen einiger schlechter Rembrandtkopien gleich die ganze Kunst des Meisters zu leugnen.

Mit Herz und Mund

Doch wir müssen zugeben, Heuchelei hat es zu allen Zeiten in der Kirche gegeben. Der „berühmteste“ im Neuen Testament ist wohl Judas, einer der engsten Freunde von Jesus. Ausgerechnet er verriet seinen Meister an die Römer und leitete dessen Kreuzigung ein.[1] Er mag jahrelang nahe bei Jesus gelebt haben, aber sein Herz war meilenweit von ihm entfernt. Dasselbe wirft im Alten Testament der Prophet Jesaja dem Volk Israel vor. In Gottes Namen spricht er: «Weil sich dieses Volk mit seinem Mund mir naht und mich mit seinen Lippen ehrt, während es doch sein Herz fern vo mir hält und ihre Furcht vor mir nur angelerntes Menschengebot ist, …»[2]

Im konkreten Fall konnte Jesus äusserst hart mit diesen Menschen verfahren. Den religiösen Führern seiner Zeit hielt er ihr Fehlverhalten schonungslos vor Augen: «Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr zieht über Land und Meer, um einen einzigen Menschen für euren Glauben zu gewinnen; und wenn er gewonnen ist, dann macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, der doppelt so schlimm ist wie ihr selbst.»[3] Gleichzeitig wusste er aber, dass dieses Übel an sich bleiben wird. Ja, er bremste sogar seine Jünger, als die einen Übereifer an den Tag legen wollten. Denn er sei «nicht gekommen, um ... zu verderben, sondern zu erretten»[4]

Unkraut im Weizen

Gott hasst die Heuchelei, aber er lässt sie zu. Er ruft mit drastischen Worten zur Besinnung, aber er gewährt dem Heuchler eine zweite und eine dritte Chance. Das gilt auch innerhalb der Kirche. Jesus vergleicht die christliche Gemeinde mit einem Ackerfeld, in das ein Feind Unkraut gesät hat; und dieses Unkraut ist dem Weizen so ähnlich, dass man es nicht einfach ausreissen kann, ohne dass auch der Weizen Schaden nimmt.[5] Die Zeit für eine derartige Scheidung ist einfach noch nicht reif, so schmerzlich es auch sein mag, wenn man erkennt, was verkehrt läuft.

Splitter und Balken

Es gibt noch keine vollkommene Gemeinschaft der Gläubigen. Und auch das hat seinen Sinn. An der Geduld, die Gott mit dem Heuchler hat, wächst der Christ. Er wird selber barmherziger und hat Gelegenheit, auch den «Splitter im eigenen Auge» zu entdecken statt nur den «Balken» in dem des andern.[6]

Man kann sich zu Recht an Heuchelei innerhalb der Kirche stossen und sie energisch brandmarken. Aber sie darf nicht zu einer willkommenen Ausrede werden, um sich ja nicht mit Gott auseinanderzusetzen. So geduldig wie er mit jenen offenkundigen Heuchlern ist, mindestens so viel Zeit gesteht er einem selber zu, um ihn zu finden. Er wäre zu einfach, dieser Wahrheit mit dem Verweis auf schlechte Beispiele aus dem Weg gehen zu wollen.

Bearbeitung Jesus.ch: Jens Kaldewey, Lothar Mack


[1] Lukas 22,47.48
[2] Jesaja 29,13
[3] Matthäus 23,15
[4] Jesus war in einem Dorf abgewiesen worden, und die Jünger hätten es zur Strafe am liebsten vernichtet. Aber er «ermahnte sie ernstlich und sprach: Wißt ihr nicht, welches Geistes Kind ihr seid? ...» Lukas 9,51-56
[5] Matthäus 13,24-30
[6] Matthäus 7,3.4
Datum: 21.04.2005
Autor: Josh McDowell
Quelle: Das kann ich nicht glauben

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Information

Anzeige