Und Frieden – nicht nur den Christen!

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Ich meinte, Weihnachten verstanden zu haben: Das Fest der Liebe. Freude, Geschenke, Harmonie, Gefühle. Gott wurde Mensch und schafft Erlösung. Ein Freudenfest – für alle?

So freudig waren nicht alle meine bisherigen Weihnachtserlebnisse. Einmal hatte ich als Kind nur ein Hemd bekommen. Kein Spielzeug, keine Schokolade. Ein weisses Hemd für den Sonntag. Natürlich mussten wir zuhause eng durch. Neun Kinder mit einer kleinen Landwirtschaft durchzubringen war nicht einfach für meine Eltern. Trotzdem, an jenem Weihnachtsabend weinte ich, unbemerkt natürlich in meinem Bett. An das Kind in der Krippe dachte ich nicht mehr. Nur ein Hemd! Ein schlimmer Weihnachtstag.

Vor zwei Jahren brach ich mir bei einer eigentlich harmlosen Rauferei mit einem meiner Söhne einen Finger. Wohlverstanden am 24. Dezember, anlässlich unserer Familienweihnachtsfeier. Das war für mich kein Fest des Friedens, der Freude und Besinnung mehr. Die Schmerzen waren zu arg.

Den schlimmsten Weihnachtsabend aber habe ich wohl vergangenes Jahr erlebt. Ich schickte Frau und Kinder zu unserem (Gross-) Familienweihnachtsfest in die Deutschschweiz. Sie sollten wieder einmal daran teilnehmen können. Der Gästebetrieb liess es die letzten Jahre nicht zu. Aber diesmal sollte ich es mit meinen Mitarbeitern alleine schaffen...

Nicht bedacht hatte ich, dass an den Weihnachtstagen meine Gefühlswelt plötzlich anders tickt als sonst. An Weihnachten kann man(n) sich wirklich sehr einsam fühlen. Und dies, obwohl ich viele Gäste und auch Mitarbeiter um mich hatte. Aber dies war nicht das Schlimmste.

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Im Hotel hatte es neben den Gästen, die sich für unsere besinnlichen Weihnachtstage angemeldet hatten, ein gutes Dutzend junger Menschen aus Ex-Jugoslavien. Aufgestellte Leute, angenehm, auch korrekt, wenn man von der gelegentlichen Zigarette in unserm rauchfreien Haus absah. Keine Christen, ihre Religion ist der Islam. Sie hatten über die Festtage ihre Pizzerias in der Region Zürich geschlossen und ausgerechnet unser Hotel ausgewählt, um ein paar Tage Wintersport zu geniessen. Super!, fand ich. Bis zu dem Moment, als einige von uns überstürzt abreisten mit der Bemerkung, dass sie die Festtage nicht mit „Ungläubigen“ unter einem Dach verbringen möchten...

Das tat weh. Nicht wegen dem finanziellen Verlust. Aber ich war schockiert, fühlte mich echt schlecht. Haben wir denn Weihnachten nicht begriffen? Die unendliche Liebe Gottes zu allen Menschen! Beanspruchen einige die Vergebung in Jesus nur für sich persönlich? Die einfachen Hirten, die sicher nicht alles begriffen hatten, was in jener Nacht abging, erzählten in ihrem Umfeld allen mit Begeisterung vom Kind in der Krippe.

Ich wünsche mir für die kommenden Weihnachtstage auch dieses Gepacktsein von Gottes Liebe. Da kann man(n) auch mit Enttäuschungen (nur ein Hemd) und Verletzungen richtig umgehen. Und dass andere – und erst recht "Ungläubige" – in diesen Tagen etwas von dieser Liebe erfahren dürfen.


Autor: Christoph Gysel
Quelle: Chrischona Magazin

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