Bio, Glaube und Domino

Der Alltag von Bäuerin Susanne Haldemann

Es gibt in unserem Land immer weniger Bäuerinnen. Auch das Berufsbild hat sich geändert und der Alltag. Aber Susanne Haldemann vertraut auf ihren Gott. Ohne ihn möchte sie nicht mehr leben. Er hat ihrem Leben Sinn und Halt gegeben als sie mit sechzeh

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Der Hof
Uerzlikon. Ein kleines Dorf im südwestlichen Zipfel des Kantons Zürich. Ich bin auf dem Weg zum Weidhof. Er liegt etwas ausserhalb des Dorfes. Hinter dem Wald. Ich biege in die kleine Zufahrtsstrasse ein. Vor mir liegt ein schmuckes Gehöft. Idyllisch gelegen. Im Hintergrund die flachhügelige Landschaft und freier Blick in die Nachbarkantone Zug und Aargau. Der Weg führt schnurgerade auf das Bauernhaus zu. Links Garagen und Remisen, alt aber gepflegt. Rechts Scheune und Stall. Vor dem Tor steht der neue Traktor. Eine heimelig ruhige Atmosphäre ohne Strassenlärm.

Die Familie Haldemann sitzt noch am Frühstückstisch. Die Kinder haben Ferien. Die Kühe sind gemolken und weiden friedlich hinter dem Haus. Im lichtdurchfluteten Wohnzimmer erkennt man den früheren Beruf der Bäuerin. Dekorateurin. Modern und liebevoll hat sie den grossen Raum eingerichtet. Dieser Teil des Hauses ist neu. Das alte Bauernhaus war zu klein für die sechsköpfige Familie und die Grosseltern. Ich bekomme eine Tasse Kaffee. Die Kinder sind gespannt. Was der wohl von ihrer Mutter wissen will? Aber schon bald ziehen sie sich in ihre Zimmer zurück und wir sitzen allein am grossen Familientisch. Im Hintergrund Kinderstimmen und Lieder von einer Kassette.

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Familie Haldimann
Susanne Haldemann frühstückt mehr als einmal. Sie nimmt sich zuerst für die beiden grösseren Kinder (Nadia 10, Oliver 12) Zeit. Wenn diese mit ihren Fahrrädern auf dem Schulweg sind, bleiben meist einige Minuten, um in der Bibel zu lesen und zu beten. Das ist Susanne wichtig. Sie engagiert sich auch in der kirchlichen Kinderarbeit. "Wir haben mit der Domino-Klasse eine gute Möglichkeit, die Kinder mit der Bibel und dem Glauben bekannt zu machen." Dann kommt Walter aus dem Stall zum Frühstück und auch die beiden Kleinen (Eliane 4, Tina 2) werden wach. Die Mutter setzt sich zum 2. Mal an den Frühstückstisch. Es folgen Windelnwechseln, Haushalt, Tiere, Garten, Einkaufen, Essen vorbereiten, Kochen für acht Personen...

Bio ist das Label auf eurem Hof. Wann habt ihr umgestellt?

Vor sechs Jahren haben wir entschieden, den Hof biologisch zu bewirtschaften. Wir hatten bereits einen Laufstall und beobachteten die Entwicklung auf dem Markt. Walter sah in der Umstellung eine gute Herausforderung. Bis jetzt hat es sich bewährt. Wir können so auch mit der Schöpfung Gottes noch sorgfältiger umgehen. Bioprodukte sind gefragt und erzielen einen besseren Preis.

Bist du oft draussen auf dem Hof tätig?

Vorwiegend in Arbeitsspitzen. Dann helfe ich mit, wo ich kann. Im 'normalen' Alltag bin ich mehr für Haus und Garten zuständig. Botendienste gehören auch oft zu meinem Alltag: ein Ersatzteil für eine Maschine holen, Samen besorgen, wenn er nicht für die ganze Fläche gereicht hat, usw. Im Stall erledigen mein Mann, der Grossvater und unser behinderter Mitarbeiter die Arbeiten. Ich helfe nur gelegentlich mit, wenn die Männer viel Feldarbeit haben.


Der Glaube an Gott ist für dich ein Teil des täglichen Lebens. Welche Bedeutung hat er für deine Aufgaben als Bäuerin?

Ich rechne mit Gottes Führung und Hilfe bei meinen Aufgaben. Ohne ihn kann ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen. Ich will den Glauben an einen lebendigen Gott aber auch anderen Menschen weitergeben. Zuerst meinen Kindern. Glaube darf nicht nur aus Worten bestehen. Die Kinder sollen ihn mit uns zusammen erleben. Dann bin ich auch in der Sonntagsschule "DOMINO" im Dorf tätig. Wir treffen uns am Freitag mit den Kindern und vermitteln ihnen den Glauben mit Geschichten, Spielen und Liedern. Nun wollen wir auch noch eine Jungschar für grössere Kinder starten. Wir haben bereits ein Leiterteam zusammengestellt.

Was ist für dich das Zentrum deines Glaubens?

Die Erlösung. Wenn ein Mensch weiss, dass er gerettet ist, gibt ihm dies eine innere Ruhe und Gelassenheit. Alltagssituationen und Stress können aus dieser Ruhe heraus besser bewältigt werden. Ich kann mir ein Leben ohne die Gewissheit, dass Gott mir meine Schuld vergeben hat, nicht vorstellen.

Was bedeutet dir Jesus Christus?

Er ist mein Erlöser. Ich muss meine Schulden vor Gott nicht selber abtragen. Er hat sie stellvertretend auf sich genommen. Durch meine Umkehr zu Gott, habe ich mich entschieden, täglich aus seiner Vergebung zu leben. Mein Leben hat einen anderen Blickwinkel bekommen. Ich sehe alles Leben im Zusammenhang mit Gott und Jesus dem Retter. Jesus ist mir aber auch Vorbild für den Alltag.

Ganz konkret. Welchen Einfluss hat Jesus auf die Bäuerin Susanne Haldemann?

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Familie Haldemann
Durch den Glauben bin ich einfach dankbar über all das, was Gott geschaffen hat. Nahrung, Gras, Milch -- unsere ganze Existenz ist von Gott abhängig. Jesus hat die Menschen um ihn herum immer wieder herausgefordert, über ihr Leben nachzudenken. Kürzlich musste ich mir überlegen, ob ich eine Martha oder eine Maria bin. Martha machte viel für Jesus. Maria hörte ihm zu. Ihr war die Person Jesus wichtiger als alles andere. Durch das Bibellesen beeinflusst Jesus mein tägliches Leben als Bäuerin.


Was denkt eine Bäuerin, wenn es wochenlang regnet?

Dann hadere ich schon mal mit Gott. Aber im Nachhinein haben wir immer wieder erlebt, wie das Wetter gar nicht so negativ war, wie wir lange dachten. Gott weiss, was er macht.

Dein Leben war nicht immer vom Vertauen auf Gott geprägt. Wie hast du Gott kennen gelernt?

Als ich sechzehn war, liessen sich meine Eltern scheiden. Das hat mich veranlasst, zu suchen. Ich suchte Freunde, Sicherheit und Lebenssinn. Ich sah keine Zukunft. Warum sollte ich z.B. heiraten? Um zu scheiden? Durch Freunde, die an Jesus glaubten, fand ich selber einen Sinn fürs Leben. Ich glaubte wieder an ein Leben das Zukunft hat. Durch Jesus entwickelte sich eine neue Lebensdimension in mir.

Ist der Glaube eine Notbrücke für haltlose Menschen?

Ohne Krisen sind wir Menschen meist gleichgültig. Wir suchen nicht. Wir fragen nicht nach Gott. Ich suchte tiefer. Ich suchte Halt und fand ihn im Leben mit Jesus. Er gab mir neue Perspektiven.

Nun hast du die Krise längst überwunden. Was hält dich weiterhin bei Gott?

Krisen kommen schneller als uns lieb ist. Das Leben hat viele Herausforderungen: Kinder, Arbeit, Gesundheit... Der Partner kann nicht alle Bedürfnisse stillen. Ich bin froh, Gott an meiner Seite zu haben -- auch ohne aktuelle Lebenskrise. Mein Glaube ist Lebensbestandteil geworden.

Du bist katholisch aufgewachsen und lebst heute einen evangelisch, pietistisch geprägten Glauben. Wie siehst du die konfessionellen Unterschiede?

Als Kind erlebte ich eine altmodische, steife Kirche. Mein Glaube entwickelte sich erst durch die Kontakte zu einer Bibelgruppe und in der freikirchlichen Jugendgruppe. Ich habe gute katholische und evangelische Freunde, die ihren Glauben leben. Die Kirche, zu der wir gehören, formt unseren Glauben. So hat jede Kirchgemeinde ihre eigene geistliche Prägung. Gute Kontakte fördern das gegenseitige Verständnis.

Welchen Stellenwert hat das Gebet für dich als Bäuerin?

Wenn ein Hagelwetter kommt oder wenn es wochenlang regnet, treibt es uns Bauern ins Gebet. Dann wird der Glaube praktisch. Im vergangenen Jahr hatten wir einen Praktikanten auf dem Hof, der nach einem Sturz mit dem Fahrrad beinahe gestorben wäre. Nur durch 'Zufall' fand ihn mein Mann und konnte den Arzt holen. Wir beteten für ihn, bis er wieder gesund war. Schon oft war die Ernte trotz schlechtem Wetter oder Hagel gegen alle Logik gut. In solchen Erlebnissen sehe ich Gottes Handeln.

Kennst du Zweifel?

Zweifel eigentlich nicht. Manchmal bin ich lau und gleichgültig. Aber Gott gehört zu meinem Leben. Ich sehe die kleinen Dinge des täglichen Lebens als Geschenke von ihm.

Was gibt dir in den Veränderungen der Landwirschaft den Mut vorwärts zu schauen?

Wir leben in der Gegenwart. Manchmal diskutieren wir schon über die Zukunft. Aber vieles verändert sich so schnell, was sollen wir uns da Sorgen machen? Wir wissen, dass im Leben nichts allein von unserer Leistung abhängt. Gottes Schutz und Führung entscheidet oft mehr über unsere Zukunft als alle unsere Pläne. Wir tun, was wir können und vertauen auf Gott.

Datum: 27.03.2002
Quelle: Bordzeitung - Texte zum Leben

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