«Prismaplus» in Rapperswil

Als beschenkte Kirche das Gemeindebau-Knowhow weiterschenken

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Prismaplus in Rapperswil (Bild: zVg)
Am vergangenen Wochenende tauchten 30 Gemeindebauer ins Leben und Wirken der Kirche im Prisma Rapperswil ein. Sie konnten während vier Tagen von den Erfahrungen einer stabilen, vitalen Freikirche lernen, dabei auftanken und ihre Berufung schärfen.

Der langjährige Prisma-Pastor Reto Pelli stellte gleich zu Beginn der viertägigen Tour den Mut der Leiterinnen und Leiter in den Mittelpunkt, die immer wieder in den Ring steigen und sich für Gottes Reich einsetzen. Und er weckte nach der ermüdenden Coronazeit Hoffnung, dass die Energie in der Gemeinde zurückkommen kann.

Dazu zitierte er den Gemeindebau-Pionier Rick Warren aus den USA, der kürzlich nach über 40 Jahren als Pastor in Rente ging. Warren sagte einmal: «Nichts wird einer entmutigten Gemeinde schneller neue Energie geben, als wenn sie den Auftrag wieder neu entdeckt.» Was es heisst, eine Kultur als auftragsorientierte Gemeinde zu leben und zu pflegen, erfuhren die Gäste aus zwölf verschiedenen Gemeindeverbänden an den vier Tagen in Rapperswil. Livenet-Chefredaktor Florian Wüthrich war beim Auftakt der diesjährigen Tour dabei und stellte Reto Pelli nach dem Wochenende einige Fragen zur «Prismaplus»-Tour.

Seit zehn Jahren gibt's «Prismaplus», ein Angebot für Leiterinnen und Leiter, die den Groove der Prisma Gemeinde spüren und vom Gemeindebau-Knowhow lernen wollen. Warum führt ihr diese viertägige Tour bei euch in der Prisma Kirche durch?
Reto Pelli: Vor über zehn Jahren hatten wir als Leitungsteam den starken Eindruck, dass wir all das Gute, das wir im Prisma in den letzten Jahren gelernt und bekommen haben, anderen Leitern und Gemeinden weitergeben sollten. Das Motto unserer Kirche ist «beschenkt, um zu beschenken» und so haben wir das erweitert in «beschenkt, um weiter zu schenken». So ist die Multiplikationsarbeit «Prismaplus» entstanden. Wir haben nicht den Anspruch, als Prisma alles richtig und vorbildlich zu machen. Was wir möchten ist, andere Leiterinnen und Leiter ermutigen und ihnen von dem weitergeben, was wir auf dem langen Weg des Gemeindebaus gelernt haben. Unser Ziel ist es, «unsere Tassen auszuleeren». Die Teilnehmer sollen das mitnehmen, was ihnen in ihrer Situation vor Ort hilft.

Aus welchen Gemeindeverbänden und welchen Regionen/Ländern kommen jeweils die Teilnehmer der «Prismaplus»-Tour?
Dieses Jahr waren Leiterinnen und Leiter aus zwölf verschiedenen Gemeindeverbänden dabei. Sie kommen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und jemand sogar aus den USA.

Wie geht es nach deiner Einschätzung – vielleicht gerade auch nach den Beobachtungen vom letzten Wochenende – den Pastorinnen und Pastoren nach der herausfordernden Coronazeit?
Viele sind müde. Die letzten (Corona-)Jahre haben enorm viel Kraft und Substanz gefordert. Leiter waren auf verschiedensten Ebenen stark gefordert, manchmal auch überfordert. Bezeichnenderweise ist die Begeisterung und Vision für Evangelisation und auftragsorientierten Gemeindebau durch die Krise der letzten Jahre in einen Strudel gerissen worden und oft auch auf der Strecke geblieben. Man konzentrierte die Kräfte auf das Innen der Gemeinde. Nun gilt es, den biblischen Auftrag  für die Gemeinde wieder neu zu entdecken und die Kirche entsprechend wieder (neu) aufzustellen.

Eine Umfrage, die du an der «Prismaplus»-Tour präsentiert hast, besagt, dass 50 Prozent der Pastoren im letzten Monat mit dem Gedanken gespielt haben, den Dienst als Pastor zu beenden. Was macht den «Job» so hart?
Die Anforderungen an Leitende sind enorm gewachsen. Neben biblisch-theologischem und seelsorgerlichem Knowhow kommen auch die Management- und Leadership-Aufgaben dazu. Zudem verändert sich die Gesellschaft in einem rasanten Tempo. In den letzten Jahren waren die meisten Leitenden auch als «Krisenmanager» gefordert.

In deinem Einstiegsreferat hast du den bekannten Saddleback-Pastor Rick Warren mit folgender Aussage zitiert: «Nichts wird einer entmutigten Gemeinde schneller neue Energie geben, als wenn sie den Auftrag wieder neu entdeckt.» Was ist damit gemeint, den Auftrag wieder neu zu entdecken?
Gemeint ist, dass wir auf Feld eins zurückgehen und uns konsequent fragen: Was ist der biblische Auftrag für die Gemeinde? Warum gibt es die Gemeinde? Es gilt, die fünf biblischen Kernaufträge Jüngerschaft, Gemeinschaft, Anbetung, Diakonie und Evangelisation ganz neu zu entdecken und uns die Fragen zu stellen: «Sind wir als Kirche an diesen fünf Aufträgen dran? Drehen wir uns möglicherweise nur um uns selbst? Wie können wir diese fünf Aufträge mit der Hilfe des Heiligen Geistes im 'Hier und Jetzt' umsetzen?» Und dann ganz neu wieder aufzubrechen und mit Jesus seine Gemeinde zu bauen. In den Sprüchen heisst es, «dass ein Volk ohne Vision verwildert». Konkret heisst das, dass wir den Auftrag von Jesus neu entdecken und umsetzten und uns durch nichts davon abbringen lassen. Wenn eine Gemeinde sich da auf den Weg macht, wird das neue Energie und Freude generieren. Lass es mich ganz deutlich sagen: Ich beobachte schon seit längerem, dass wir als Kirchen ständig abgelenkt werden, uns um uns selbst drehen und nebensächliche Themen ins Zentrum drängen. Dabei wird der eigentliche Auftrag von Jesus «zu suchen und zu retten» (Lukas Kapitel 19, Vers 10) oft preisgegeben.  

Welche «first steps» auf dem Weg zur auftragsorientierten Gemeinde würdest du den Kirchen empfehlen?
Als ganze Gemeinde die Bibel in die Hand zu nehmen und Gott neu zu fragen: «Herr, was ist der Auftrag für unsere Kirche? Was ist dein Wille für die Kirche? Warum gibt es sie?» Und dann all die Ergebnisse zusammentragen und konsequent sich wieder neu dem Auftrag stellen. Ich glaube auch, dass wir uns an der Erlösung von Jesus ganz neu erfreuen sollen. All das «geniessen», was wir in Jesus haben und uns von ihm beschenken lassen und dann das weiterschenken, was wir bekommen haben, frei nach dem Motto «beschenkt, um zu beschenken».

Was für Feedbacks habt ihr in diesem Jahr von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erhalten?
Die Feedbacks der Teilnehmer sind sehr ermutigend. Hier einige davon:

«Die 'Prismaplus'-Tour war eine grosse Ermutigung, wichtige Erfrischung, 'den Marathon' weiterzulaufen. Zielorientiert, voller Begeisterung und berechtigter Erwartung und dabei viele mitzunehmen, anzustecken und anzufeuern.» Regina Gassmann, Mülheimer Verband, Hamburg

«Das hätte ich nicht erwartet: Soviel Know-how in kürzester Zeit, solche Transparenz der Leiter und konkrete Schritte, wie ich heute Gemeinde für Kirchenferne gestalten kann – einfach wow!» Beni Theis, SPM, Glattal Church

«Ich fahre ermutigt und equipt für meine Arbeit als Pastor nach Hause. Die Tage beim Prisma haben sich absolut gelohnt.» Klaus Engelmohr, Projekt X, FEG Augsburg

«Ein Augenöffner, wie viel bewusste, langjährige Arbeit hinter einer wunderbaren Kirche steckt.» Josua Haller, Freie Christengemeinde, Buttikon

«Ich wusste, dass die 'Prismaplus'-Tour eine Bereicherung sein wird, aber es war noch besser als erwartet.» Christian Jungo, FEG Düdingen-Freiburg

«Die 'Prismaplus'-Tour hat mich positiv überrascht, mich inspiriert und ermutigt. Nie zuvor habe ich erlebt, dass ein Motto bis ins Detail gelebt wird. 'Beschenkt, um zu beschenken.' Ich fühle mich über die Massen beschenkt.» Lukas Schröder, AB-Verband, Karlsruhe

«Das war allerbeste Gemeindebau-Weiterbildung; persönlich aufbauend, sehr echt, authentisch und hochgradig inspirierend und motivierend. Es hat mein bisheriges Gemeindebauverständnis teilweise komplett verändert.» Markus Salzmann, GVC, Winterthur

Die nächste Prismaplus-Tour findet am 16. bis 23.6.2023 statt. Weitere Infos finden sich hier.

Zur Website:
Prisma Rapperswil

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Datum: 24.06.2022
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Livenet

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