Von Gott überrascht (4)

Stadtgespräch in Jerusalem

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Die Herren Jerusalems reiben sich ungläubig die Augen. Seit gestern behaupten Tausende, Jesus lebe, sei bei Gott und habe sie mit seinem Heiligen Geist beschenkt. Was soll das?

Damit haben sie, die in Jerusalem das Sagen haben, nicht gerechnet. Sie sind doch mit dem Wanderprediger aus Galiläa fertig geworden, der ihr Tempelmanagement kritisierte. Er hat teuer dafür bezahlt, dass er von den Reichen unverblümt Demut und Barmherzigkeit forderte: Pilatus hat ihn vor bald zwei Monaten ans Kreuz schlagen lassen. Das gestrige Ereignis erwischt sie auf dem falschen Fuss.

Eine Predigt wie ein Sturm

Was beim Haus geschah, in dem die Anhänger des Hingerichteten sich trafen, ist bereits Stadtgespräch: Windstösse und ein lautes Brausen im Quartier, angeblich Flämmchen auf den Köpfen der Jesus-Leute, eine übersprudelnde Freude – und dann lobten sie Gott in zahllosen Sprachen, wie die Juden aus verschiedenen Ländern, die hinzu kamen, feststellten.
Die Oberen der Stadt lassen sich das Geschehene genau berichten: Der Anführer, ein einfacher Galiläer, erklärte die Phänomene damit, dass Jesus die Gruppe (etwa hundert Personen) mit dem Heiligen Geist Gottes erfüllt habe. Er forderte die Leute auf, ihr Leben zu ändern. Jesus sei von Gott bevollmächtigt worden; er wolle ihre Schuld vergeben und sie vor dem drohenden Verderben retten. Und der Mann wurde nicht ausgelacht! Tausende liessen sich auf diese exotische Botschaft ein – als ob Jesus der Messias, der von Gott gesandte Retter wäre!

Zu viele Zeugen

Zu viele Jerusalemer sind Zeugen dieses Ereignisses geworden; die Berichte kann man nicht unter den Tisch kehren. In den herrschenden Familien lösen sie unwirsches Kopfschütteln aus: Sie haben das Übel doch an der Wurzel gepackt und den Unruhestifter, diesen Jesus von Nazareth, hinrichten lassen. Pilatus, der Statthalter der Römer, hat das Urteil gesprochen und ihnen dafür öffentlich das unpatriotische Eingeständnis abgezwackt, für sie sei der Kaiser in Rom der einzige Herrscher. Doch Jesus im Grab war es ihnen wert: So wollten sie die Ruhe in der Stadt wiederherstellen, um das einträgliche Geschäft mit den Pilgern weiterzuführen.

Jesus auferweckt? im Himmel?

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Nun sieht alles anders aus: Auf den Plätzen der Stadt wird diskutiert, ob Jesus wirklich von Gott von den Toten auferweckt und in den Himmel erhoben worden sei. Auf einen Schlag geben sich mehrere tausend Frauen und Männer, alteingesessene Jerusalemer und zugezogene Juden, als Jesus-Gläubige aus. Wenige Jahre nachdem die halbe Stadt zu Johannes dem Täufer an den Jordan hinunter gepilgert ist, haben sie sich nun auf den Namen Jesus taufen lassen!

Neuer Lebensstil

Ihr Leben ändert sich sichtbar: Sie treffen sich jeden Tag im Tempel und verteilen sich dann in die Häuser, um in Gruppen zu essen. Die Wohlhabenden stellen Nahrung bereit, so dass auch die Armen genug bekommen. Den Kern der Bewegung bilden Männer und Frauen aus Galiläa, unter denen scheinbar ungebildete Fischer das Wort führen. Sie werden Apostel genannt, mit dem Hinweis darauf, dass Jesus sie bevollmächtigt habe. Angeblich kommt es zu wundersamen Heilungen – und doch fällt es schwer zu glauben, dass Tausende, auch Hochgebildete und Priester, sich zu ihnen halten und ihre Lehre schlucken!

Populäre Bewegung

Die Jesus-Leute sind populär – wegen Wundertaten der Apostel, wegen der Wohltätigkeit, die keinen ausschliesst, noch mehr aber, weil die ganze Bewegung vor Freude pulsiert. Die Freude kommt im Tempel zum Ausdruck, wenn die Jesus-Leute Gott loben. Doch auch sonst spürt man eine Kraft, die den schweren Alltag unter der römischen Besatzungsmacht bewältigt. Kein Wunder, dass fortwährend weitere Juden zu dieser Gemeinschaft gehören wollen, sich einführen und taufen lassen.

Der Bericht vom Pfingsttag in Jerusalem findet sich in der Bibel, Apostelgeschichte 2,1-41. Die Gemeinschaft der ersten Christen ist 2,42-47 beschrieben.

Lesen Sie am Mittwoch die Fortsetzung: Ein Gelähmter springt durch den Tempel
Pfingstserie „Von Gott überrascht“ (1): Jesus auf der Wolke
Pfingstserie „Von Gott überrascht“ (2): Ein komplettes Team
Pfingstserie „Von Gott überrascht“ (3): Windsturm von oben


Autor: Peter Schmid
Quelle: Jesus.ch

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