Den Fängen einer Sekte entkommen

«Jesus hat meine Seele geheilt»

Als junger Mensch gerät Jasper Nozza in eine Sekte. Er wird gehirngewaschen und erlebt körperlichen und seelischen Missbrauch. Erst als ihm nach Jahren der Ausstieg gelingt, realisiert er, wie viel in ihm kaputt gegangen ist. Dann lernt er Jesus kennen und erfährt Heilung.

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Jasper Nozza
Nach dem Abi reiste ich nach Australien und lernte dort einen Mann kennen, der sagte, er treibe böse Geister aus. Ich war total fasziniert. Er schien ein unglaubliches Wissen zu haben und kannte auf jede Frage eine Antwort. Er meinte, er habe auf mich gewartet. Die Geisterwelt habe mich angekündigt und ich solle ihn unterstützen. Mit meinen 19 Jahren war ich total naiv und schloss mich seiner Bewegung an.

Im Dienst des Gurus

In Trance empfing der Guru Nachrichten und Aufträge aus der Geisterwelt, die ich aufschrieb und an die anderen weitergab. Anfangs schien das alles sehr sozial zu sein, zum Beispiel sollte ich für Obdachlose kochen. Aber die Aufträge wurden immer extremer. Es wurde zu einem regelrechten Machtspiel aus Angst und Drohungen.

Trotzdem lag mir sehr viel an dem Guru, er war für mich wie eine Vaterfigur. Er hatte eine Vision für mein Leben, deswegen machte ich alles mit und vertraute ihm blind. Ohne dass ich es merkte, gewann er immer mehr Macht über mich und trennte mich von meiner Familie und meinen Freunden. Ich realisierte nicht, dass ich einer Gehirnwäsche unterzogen wurde.

Hörig und missbraucht

Dann ging es los, dass ich für ganz banale Fehler bestraft wurde. Wenn ich etwas sagte, das nicht seiner Meinung entsprach oder emotional anders reagierte als gewünscht, hatte das Konsequenzen. Bei kleineren Strafen musste ich bestimmte Regeln tausendmal penibel ordentlich aufschreiben. Härtere Strafen sahen vor, im Winter zwei Stunden nackt draussen zu stehen oder zwei Stunden lang kalt zu duschen. Und dann gab es Bestrafung durch sexuelle Gefälligkeiten. Es ekelte mich an, aber ich steckte zu tief drin, als dass ich realisiert hätte, was hier geschah.

Desillusioniert und gebrochen

Erst nach neun Jahren gelang mir der Ausstieg. Obwohl der Guru so perfektionistisch war und wir alles taten, was die Geister uns befahlen, kamen wir unseren Zielen keinen Schritt näher. Irgendwann konnte ich nicht mehr an die ganze Sache glauben und löste mich von der Sekte. Erst nach und nach dämmerte mir, wo ich da überhaupt reingeraten war und was alles falsch gelaufen ist. Ich merkte auch, dass die Jahre nicht spurlos an mir vorbei gegangen waren. Ich trank zu viel Alkohol, war süchtig nach Pornographie und ging respektlos mit Frauen um. Damals realisierte ich, dass ich Hilfe brauche.

Begegnung mit Jesus

Zu dieser Zeit lud mich ein Freund zu einem christlichen Konzert und in den Gottesdienst ein. Die Veranstaltungen berührten mich zutiefst und ich ging nun regelmässig in die Kirche. Ich rang mich auch durch, auf ein Seelsorge-Seminar zu gehen und mich dort meiner Vergangenheit zu stellen. Mit einem Pastor ging ich verschiedene Situationen durch und überlegte im Gebet, was Gott dazu sagt. Es war so heilsam, zum ersten Mal zu erleben, dass Gott mich liebt. Ich durfte selbst erfahren, dass er ein guter Vater ist, der gerne für seine Kinder sorgt. Ganz ohne Druck, Angst oder Manipulation. In diesen Tagen begann Gott, meine Beziehung zu ihm wiederherzustellen und ich sagte Ja zu einem Leben mit Jesus. Ich war total überrascht, dass ich von da an keinen Alkohol mehr brauchte und frei wurde von Pornosucht.

Seitdem ich Gott kenne, erlebe ich immer wieder, wie gut er ist. Bei ihm gibt es keinen Zwang, keine Lieblosigkeit oder Unterdrückung. Sein Charakter ist Liebe, Freude, Frieden und Freiheit. Gott hat mir gezeigt, dass er immer da war, auch als ich missbraucht wurde. Niemand kann nachvollziehen, was ich erlebt habe, aber Gott weiss es. Er versteht mich. Durch Jesus bin ich auch innerlich frei geworden. Dass er mich geheilt hat und ich heute sogar glücklich verheiratet bin, grenzt an ein Wunder.

Hier erzählt Jasper Nozza seine Geschichte, ein Beitrag von ERF-Medien:

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Datum: 11.12.2018
Autor: Miriam Hinrichs
Quelle: Jesus.ch / ERF.de

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