Zwischen Brauchtum und Volksglaube

Nikolaus und die Räuber von Bari

«Niklaus ist ein guter Mann», heisst es in einem Kinderlied. Nicht nur, weil er Geschenke bringt. Die Legende berichtet von einem Bischof voller Mut und Zivilcourage, der sogar in die Nähe des «Retters der Welt» gerückt wurde.

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Nikolaus und seine von den Kindern früher gefürchteten Helfer
«Wenn Gott jemals sterben sollte, dann würden wir Nikolaus zum Gott machen», heisst es in einem slawischen Sprichwort.
Dass Nikolaus einmal als der grösste Heilige überhaupt galt und in der griechischen Kirche gleich nach Maria genannt wurde, wissen nur wenige. Man verehrte ihn als Schutzpatron der Schiffer und Fischer, der Getreidehändler und Apotheker, ja sogar der Diebe.
 
Mit einer solchen Verehrung uferte die Volksfrömmigkeit aus. Inzwischen verliert jedoch Nikolaus an Status. Seine Person unterliegt auch dem Zeitgeist: Holländer brachten einst eine säkularisierte Variante des «Sinterklaas» nach Amerika. Zum «Santa Claus» mutiert und vollends entwurzelt, exportiert Coca Cola diesen veränderten «Weihnachtsmann» seit 1931 zurück in alle Welt.

Bewegte Geschichte

Nikolaus von Myra lebte Ende des 3., Anfang des 4. Jahrhunderts im Süden der heutigen Türkei. Er soll im Jahr 325 als Bischof am Konzil von Nizäa teilgenommen haben. In den zahlreichen Legenden, die ihn als warmherzigen Bischof zeichnen, soll er viel für die Armen seiner Stadt und insbesondere für die Kinder, getan haben.
 
1087 werden seine Überreste von der Türkei nach Italien in die Stadt Bari verschleppt. Da es Kaufleute waren, die diese Reliquien über das Meer entführt hatten, entstanden in den freien Handelsstädten entlang von Wasserwegen überall «Nikolai»-Bürgerkirchen, wie etwa die heutige Kathedrale in Freiburg i. Ü. Um 1500 zählen die Historiker bereits mehr als 2000 Nikolauskirchen, -Kapellen, -Hospitäler und -Klöster in Europa. Vor allem in Frankreich wird Nikolaus zum Familiennamen (Nicot, Collot, Colson).
 
Bari wurde ein Wallfahrtszentrum, das mit Rom und Santiago de Compostela konkurrieren konnte. «Heiliger Nikolaus, bitte für uns!», so rufen und singen Zehntausende auch heute noch, wenn sein Fest in Bari gefeiert wird. Damit wird er – noch stärker als andere Heilige – zum Konkurrenten für Jesus, der sagte: «Niemand kommt zu Gott-Vater, ausser über mich».

Nikolaus in der Schweiz

Die vielen lokalen Samichlaus-Bräuche in der Schweiz um den 6. Dezember herum erleben ihre Ausprägungen erst im 20. Jahrhundert. Alpine Lärmbräuche wie «Geislechlöpfe», die wohl der Vertreibung der Kälte(-geister) galten, sind durch den Samichlaus domestiziert und gezähmt worden. Als wohl populärster Brauch überhaupt hat er sich auch in der Schweiz etabliert: Als Bischof Nikolaus verkleidet, besucht er die Kinder, ermahnt sie und bringt Geschenke.
 
Nikolaus wurde vermehrt zum Symbol für die Güte Gottes. Die strenge Schreckgestalten wie die schwarzen «Schmutzlis», die den Nikolaus traditionell begleiteten, verlieren an Bedeutung. Der moderne Nikolaus ist inzwischen wieder ein Freund der Kinder, der ihre Partei ergreift, sie annimmt, Angst abbaut und Selbstbewusstsein vermittelt.
 
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Quelle: epd / Kipa

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