Der weltbeste Schiedsrichter: Ein Mensch mit Gottvertrauen

Markus Merk ist zum weltbesten Fussball-Schiedsrichter gewählt worden. Dabei hat der 42-Jährige den Italiener Pierluigi Collina hinter sich gelassen, der die Wahl in den vergangenen sechs Jahren für sich entscheiden konnte.

An der Wahl nahmen ausgewählte Fachredaktionen und Experten aus 81 Ländern aller Kontinente teil. Merk und Collina lieferten sich bis zuletzt ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen, das der Deutsche schliesslich knapp für sich entscheiden konnte. Merk hat zuletzt grosse Aufmerksamkeit erlangt als er in Lissabon das Endspiel der Fussball-Europameisterschaft pfiff.

Internationale Erfahrungen sammelte er bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona, der Europameisterschaft 2000 in den Niederlanden und Belgien sowie der Fussballweltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea. Im vergangenen Jahr wurde er zum fünften Mal vom Schiedsrichterausschuss des Deutschen Fussball-Bundes zum "Schiedsrichter der Saison" gewählt.

Innere Ruhe

Innere Ruhe schöpft Merk nach eigenen Worten aus „einem grossen Gottvertrauen und dem Einsatz als praktizierender Christ“. Als „praktizierender Christ“, wie sich der Katholik selbst beschreibt, liebt Markus Merk Gerechtigkeit – auf dem Fussballplatz und im Leben.

Neben seinem Beruf als Zahnarzt und seinem Engagement als Schiedsrichter kümmert er sich als Mitbegründer der „Indienhilfe Kaiserslautern“ um bedürftige Menschen in Sogospatty (Südindien). Dort entstanden ein Kinderdorf mit einer Schule für 170 Schüler und ein Waisenhaus, in dem 30 Kinder untergebracht sind. An weiteren Orten im Umkreis befinden sich zudem Kindergärten und Altenheime. Ein- bis zweimal im Jahr ist Merk vor Ort und übernimmt dann die zahnärztliche Betreuung der Kinder.

Oft fällt es ihm schwer, den Kopf von den Eindrücken aus Indien frei zu bekommen, wenn er – wenige Tage nachdem er die Armut erlebt hat – wieder im Stadion steht und die Spiele von Fussballprofis leitet, die Millionen verdienen. „Du bist noch donnerstags in Indien, freitags kommst du zurück, und samstags stehst du wieder im Fussballstadion, wo es um Eitelkeiten geht. Wo es um den Einwurf an der Mittellinie geht“, denkt er laut.

Markus Merk versucht dennoch, zum Ich-bin-wichtig-Getue der Branche Distanz zu halten. Gelassenheit strahlt er aus und Skepsis gegenüber der Glitzerwelt. „Was auf dem Fussballplatz geschieht, darf in unserem Leben nicht das Entscheidende sein“, grundiert er den Eindruck. „Wir reden zwar oft von Schicksalsspielen, aber um Schicksale geht es an ganz anderen Orten unserer Erde.“

Beschimpfungen ertragen

Dass Fussballspieler nach einem Torerfolg ihre Trikots hochreissen und auf ihren Unterhemden auf Jesus verweisen, findet Markus Merk toll. Vorausgesetzt, „Jesus liebt dich“ wird nicht an Werbeverträge gekoppelt.

Merk ist auf dem Platz eher für sein Lächeln bekannt – und für seine konsequenten Entscheidungen. „Schliesslich muss ich die Gesundheit der Spieler schützen.“ Wie alle Schiedsrichter muss er auch ertragen, dass Spieler oder Fans ihn für seine Entscheidungen beleidigen. Beschimpfungen auf dem Platz erlebte er ebenso wie Morddrohungen per Telefon. Und wie alle Schiris darf er sich während der Begegnung nicht anmerken lassen, wenn er an der eigenen Entscheidung zweifelt. Ein souveränes Lächeln, selbst wenn er noch im Kopf verschiedene Szenarien durchspielt, gehört zum Geschäft in seiner Spielklasse.

Die Stärke, die er braucht, um als Schiedsrichter Autorität auszustrahlen, sucht er bei Gott. Wenn Merk auf dem Platz steht, bekreuzigt er sich vor jedem Spiel: „Das ist mein persönlicher Anpfiff. Der Glaube an Gott gibt mir Kraft für das Leben.“ Um eine göttliche Eingabe bei zweifelhaften Entscheidungen würde er jedoch nicht beten.

Quellen: pte online/David Kabel/Fussball-Bibel/Livenet

Datum: 19.01.2005

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