Jott von „Allee der Kosmonauten“

"Gott ist kein Kaffeeautomat, er ist ein Freund"

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Jott: \"Mein Leben war wild, spannend und gleichzeitig leer.\"
Er hat eine klare Botschaft und gibt diese in einer Band mit originellem Namen zum Besten, zusammen mit seinem Kollegen Mischa Marin. Jürgen Fürwitt, alias Jott, ist der Kopf und Gründer der „Allee der Kosmonauten“. Sie wollen von ihrem Glauben erzählen – und das europaweit.

Jott, du hast die Band mitgegründet und ganz entscheidend mitbestimmt. Was steckt hinter dem Namen „Allee der Kosmonauten“?
Ursprünglich ist das ein Berliner Strassenname. Es geht jetzt allerdings das von mir in die Welt gesetzte Gerücht um, dass die Strasse nach uns benannt wurde, was natürlich nicht stimmt. Wenn wir unterwegs sind, schauen wir uns gerne die Städte an, auch im Osten, den ich sehr mag. In Berlin kamen wir mal nach einer längeren Odyssee in die „Allee der Kosmonauten“. Der Name sprach uns an, weil er irgendwie skurril klingt. Kosmonauten waren die Astronauten aus dem Osten.

Ihr macht bewusst christliche Musik. Das betont ihr bei jeder Gelegenheit, man hört es aber nicht unbedingt den Texten an.
Wir sind Christen, die Musik machen und das bewusst. Wir setzen uns sehr viel mit unseren Texten auseinander. Unsere Songtexte beschreiben, wie wir unseren Glauben gefunden haben. Insofern sind wir bewusste Christen in einer christlichen Band.

Wollt ihr die Menschen von der christlichen Botschaft überzeugen?
Wenn man das Glück hat, dass einem irgendwann klar wird, dass es einen Gott gibt und dass Jesus Gottes Sohn ist, dann verändert sich das Leben, dass es einen völlig verstrahlt. Dann verspürt man auch die Aufgabe, Menschen davon zu erzählen. Es gibt natürlich verschiedene Wege, das zu tun. Es gibt solche, die den Zeigefinger erheben und sagen: „Ihr macht alles falsch!“ Und es gibt solche, die aus ihrem Leben erzählen. Das spricht mich persönlich mehr an. Wenn ich mich vor fünf Jahren so hätte reden hören, wäre ich wahrscheinlich umgefallen.

Was ist da passiert?
Vor fünf Jahren waren wir eine typische Rockband und waren viel unterwegs, darunter ein halbes Jahr mit Nena auf Tour. Wir waren die Vorband, und wurden damals auch gefeiert. Damals habe ich viel Alkohol getrunken. Mein Leben bestand darin, Erfolg zu haben.

So wie man sich so einen Rocker vorstellt, mit allen Vor- und Nachteilen.

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Jott: \"Ich bin von Gottes Existenz überzeugt.\"
Ja. Wir hatten Glück, keine harten Drogen genommen zu haben. Es war ein typisches Leben: Tour, trinken, feiern, weiterfahren. Ohne Hintergrund. Die Spannungen wurden immer grösser. Zwar legten wir auch damals schon Wert auf unsere Texte. Wir lasen sehr viel während unseres Studiums der Germanistik und Literaturwissenschaften und setzten uns durchaus mit der Welt und dem Leben auseinander. 1999 war dann der Punkt erreicht, wo wir nicht mehr wussten, was das alles sollte. Auch für Micha war es ganz krass. Wir sassen abends in der Hotelbar am Klavier, wo sehr schöne Songs entstanden. Dann passierte es, dass wir in eine christliche Gemeinde mitgenommen wurden. Wir hörten zu, was der Pastor von Jesus erzählte. Wir hatten immer schon Respekt vor Jesus, aber er war in meinem Leben weit weg. Dann kam Begriffe wie „Bekehrung“ und „Umkehr“. Mein Weg war irgendwo und ich wusste nicht, wohin. Ich begann, in der Bibel zu lesen und dachte, ‚wenn das stimmt, was hier steht, so wäre es das grösste Geschenk aller Zeiten in meinem Leben.’ So stolperte ich hinein. Ich kam mir komisch vor: Am selben Tag wie Micha, zur selben Stunde, im selben Gebiet. Von dem Moment an war es zunächst nicht viel anders. Jesus und Gott sind kein Kaffeeautomat, in den man Geld reinschmeisst. Aber ich merkte plötzlich, dass sich etwas verändert. Es veränderte sich mein Blick, mein Umgang mit Menschen, mein Gefühl für Menschen. Und auf einmal kommt ein Segen. Ich verspürte ein ganz anderes Gefühl. Zum Teil war es auch anstrengend. Es waren fünf Jahre, in denen das wuchs. Gerade in den letzten zwei Jahren habe ich das sehr gemerkt.

Heute sprichst du mit Leuten, denen das ganz fremd ist. Kann man da ruhig sein?
Nein, auf keinen Fall. Das wäre unfair. Das wäre, als sässe man zusammen, irgendwo im Wald, und hätte fürchterlichen Durst und würde den anderen nicht mitteilen, wo die Quelle sei, die man selbst schon gefunden hätte. Das Leben hat an Qualität gewonnen, nichts verloren, und man kriegt eine andere Sicht. Ich liebe mein Leben, es ist total spannend. Dieser Erfolg, der sich mit den Zeichen der Zeit ankündigte, ist heute voll da. Das war vorher nie in dem Ausmass. Trotzdem ist es anders, weil ich im Gebet bin, weil ich mich mit Menschen austausche, die auch im Glauben stehen. Ich glaube, dass jeder Mensch sucht. Mein Leben war wild und spannend, aber leer. Und jetzt ist es wild und spannender und voll.

Äusserlich hat sich also nicht viel verändert?
Nein. Jesus ist einfach ein Freund, der mich hält und trägt. Das hätte ich früher nicht geglaubt.

Gibt es etwas, was du als Christ nie tun würdest?
Es gibt auf jeden Fall Dinge, die ich nicht tun würde. Betrug zum Beispiel oder Lüge. Alle Christen machen Fehler. Wer von sich behauptet, er sei rein, müsste erst noch geboren werden. Da gab es nur einen und das war Jesus Christus.

Wenn Jesus Musiker gewesen wäre, welches Instrument hätte er gespielt?
Was wohl? Schlagzeug!

Wovor hast du Angst?

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Im Gespräch mit Hanno Gerwin, TV Moderator.
Vor dem Fliegen. Ich habe auch Angst davor, dass ich vielleicht irgendwann durch irgendeine Situation vom Glauben abgebracht werden könnte. Das würde mir Angst machen. Aber die Angst ist etwas, was nicht sein sollte.

Hast du Angst vor dem Tod?
Vor dem Sterben ja, vor dem Tod nicht. Mir wird immer klarer, dass gerade die Zeichen der Zeit, die sich eher im Hintergrund abspielen, unglaublich sind.

Eines Eurer Lieder heisst „Zeichen der Zeit“. Was versteht ihr darunter?
Wir sind sehr davon überzeugt, dass uns dieser Durchbruch, den wir hatten, geschickt wurde. Plötzlich war da die Idee, ein Album zu produzieren. Man sagte uns: „Geht raus und erzählt vom Glauben.“ Das war sehr skurril, da die Idee innerhalb weniger Minuten entstand. Noch zwei Tage zuvor haben wir uns von Herbert Grönemeyer getrennt, der uns produziert hatte. Und von da an ging es nur noch aufwärts. Der Song war neun Monate in den Charts. Menschen bekehrten sich und sprachen über Jesus. Das ist kein süssliches Gesäusel, sondern es geht dabei um Menschen, die den Glauben suchen.

Jürgen Fürwitt, alias Jott
und Mischa Marin kennen sich von Kindheit an. Aufgewachsen in Kirchheimbolanden, zwischen Mainz und Kaiserslautern, entdeckten sie früh ihre gemeinsame Liebe zur Literatur und vor allem zur Musik. Gemeinsam organisierten sie Leseabende und gründeten eine Schulband. Nach ihrer Schulzeit versuchten sie einen eigenen Stil zu kreieren, indem sie zeitgemässe Rhythmen mit Rockgitarren verbanden. Es folgten der Support bei der Nena-Tour, Rock am Ring. Die Band löste sich von ihrem Produzenten Herbert Grönemayer, um ihren eigenen Stil weiter zu entwickeln. Mit "Zeichen der Zeit" und dem Song "Du bist nicht allein" eroberte Allee der Kosmonauten die deutschen Single Charts und hielt sich neun Wochen in den Top 10.

Bearbeitung: Iris Muhl


Quelle: Gerwin.de

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