Alkohol und Fasnacht

«Es dauert einen Moment, bis man sich die Schwäche eingesteht»

Alkoholexzesse begleiten die Fasnacht, nicht selten landen Alkoholleichen in Ausnüchterungsräumen. Manche beginnen sich nach einem solchen Absturz Gedanken über den Konsum zu machen, sagt Mike Sigrist, Fachstellenleiter vom Blauen Kreuz Langenthal in unserem Hintergrundgespräch.

Zoom
Es ist Fasnachtszeit
Livenet.ch: Mike Sigrist, kommen nach der Fasnacht viele Kunden?
Mike Sigrist: Es ist nicht so, dass es gleich direkt danach viel Zulauf gibt. Aber in vielen Gesprächen mit Klienten merkt man schon, dass es eine schwere Zeit ist und viele Abstürze an der Fasnacht erfolgen, vor allem mit Filmriss. Für viele ist dies ein Grund, sich zu überlegen, was man will und wie ein sinnvoller Konsum aussieht. Aber das dauert etwas, weil man sich ja zuerst eingestehen muss, dass man es nicht im Griff hat und dass es gut wäre, das Ganze einmal mit jemand externem anzuschauen.

Kommen in den Monaten nach der Fasnacht mehr Leute oder verteilt sich das über das Jahr?
Das verteilt sich. Alkohol ist durch das Jahr hindurch reichlich vertreten, sei es durch ein Firmenfest, Geburtstage, ein Pup-Festival oder eine Party. Es gibt genug Gelegenheiten, zu viel Alkohol zu trinken.

Was empfehlen Sie im Umgang mit Alkohol und Fasnacht?
Dass man sich vorher überlegt, wie man den Abend gestalten will. Denn während dem Abend noch umzuschalten oder die Notbremse zu ziehen ist schwer. Man sollte besser vorher überlegen, wohin man geht und mit wem. Eine wichtige Frage ist auch, ob man mit einer Gruppe unterwegs ist, in der viel getrunken wird oder ob normal und moderat getrunken wird. Dann gibt es die alten Tipps und Tricks: Regelmässig etwas Alkoholfreies trinken, nicht mit leerem Magen gehen und auch zwischendurch mal etwas essen, damit es nicht so stark einfährt..

Heute leben die Menschen individueller. Spielt der Gruppendruck da noch eine grosse Rolle?
So wie ich es mitbekomme, gibt es ihn noch. So viel man auch von individuell spricht, am Ende hat die Gruppe dennoch einen grossen Einfluss. Es sind die Regeln, die Kultur, die entscheidend sind. Der Einfluss der Gruppe, mit der man unterwegs ist, ist grösser, als wir uns vielleicht eingestehen wollen.

Das Blaue Kreuz Langenthal hat ein Programm mit dem Namen «B4» – was ist das?
«B4» steht für Bildung, Beschäftigung, Beratung und Begegnung. Sehr gut läuft der Treffpunkt mit Mittagstisch, Kaffee und am Sonntag einem Brunch. Viele Freiwillige haben hierbei auch eine Aufgabe gefunden. Dazu kommt Bildung mit regelmässigen Vorträgen. Das ganze entwickelt sich langsam aber sicher. Leute fühlen sich hier wohl und sie spüren, dass es ihnen gut tut. Es führt auch zu einer Stabilisierung. Es ist nicht so, dass einzig das Alkoholfreie im Vordergrund steht, sondern man kann sich investieren, ohne den Druck zu haben, noch etwas Alkoholisches zu konsumieren.

Wer kann alles kommen?
Ziel von «B4» ist, dass alle Menschen kommen können. Man muss dazu nicht ein Suchtproblem haben. Wir haben Angebote für alle, von Spielgruppe, über Vorträge bis zum Mittagstisch. Es ist offen für alle und wir freuen uns immer wieder, wenn neue Gesichter reinschneien.

Webseite:
Das «B4»-Projekt des Blauen Kreuz Langenthal

Zum Thema:
Nach Workshops: Weniger betrunkene Teenies dank Prävention
Blaukreuz-Umfrage: Die Mehrheit der Berner Teenager findet Alkohol ungesund
Philipp Hadorn übernimmt: Blaues Kreuz verstärkt Profil unter neuem Präsidenten
Debatte um Koma-Trinker: Wer säuft soll zahlen, oder doch nicht?

Datum: 13.02.2014
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige