Wirtschaftspolitik – und Gottvertrauen

Jena - „Die Bereitschaft der Leute, mehr Steuern zu bezahlen, ist erschöpft. Die grossen Unternehmen überlegen, wie sie ihr Geld aus Deutschland rauskriegen, und die Kleinen, was sie am Fiskus vorbei tun können.“ In einem Gespräch mit der evangelischen Nachrichtenagentur idea hat sich der CDU-Politiker Lothar Späth, im vergangenen Herbst Stoibers Kandidat fürs Wirtschaftsministerium, über die Perspektiven für Deutschland geäussert. Sie kommen zu einem Zeitpunkt, da die EU-Kommission der rotgrünen Regierung für ihre Politik die rote Karte zeigt und die Arbeitslosenzahlen weiter steigen.

Wenn Schröder weiterhin so viele Zugeständnisse an die Gewerkschaften mache, kriege er Deutschland nicht auf einen neuen Pfad, sagt der Alt-Politiker Späth. Er müsse den Mittelstand in den Blick bekommen; dort würden Arbeitsplätze geschaffen. „Der Wirtschaftsanteil der Schwarzarbeit von über 16 Prozent zeigt: Eine Gesellschaft, die zu sehr vom Staat ausgenommen wird, sieht sich im ‚moralischen Recht’, an diesem Staat etwas vorbei zu tun. Das ist zerstörerisch für das Staatswesen.“

Der schmale und der breite Weg

Späth förderte als Ministerpräsident die Wirtschaftskraft des Bundeslandes Baden-Württemberg nachhaltig; nun leitet er in Jena das Unternehmen Jenoptik. Zum Erfolg gehört für ihn auch ein Stück Gottvertrauen. Späth stammt aus einer frommen Familie. „In unserem Hausflur hing das berühmte Bild vom breiten Weg ins Verderben und vom schmalen Weg ins Himmelreich, von dem das Neue Testament spricht. Meine Mutter war sehr streng in dieser Richtung.“

Späth engagierte sich in der kirchlichen Jugendarbeit und im CVJM, dem er immer noch angehört. „Mich prägt der Gedanke: Du musst Verantwortung übernehmen, hast aber auch die Gewissheit, die letzte Entscheidung trifft ein anderer.“

Bewegt vom Konfirmandenspruch

Eine Zeitlang wollte Späth Missionar werden. Stark bewegte ihn sein Konfirmandenspruch aus dem Philipperbrief des Paulus: “Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.” Die Auseinandersetzung mit der Philosophie habe später seinen Glauben differenziert. „Aber in meinem Leben blieb immer diese Mischung: sachbezogene Rationalität und gleichzeitig das Wissen, dass man sich auf das christliche Fundament verlassen kann.“

Mit verantwortungsvollem Handeln Vertrauen schaffen

Lothar Späth tritt am bevorstehenden Kongress christlicher Führungskräfte auf, weil er findet, dass „Menschen mit Führungsanspruch sich zum Christentum bekennen sollen. Und sie sollen ihre Aufgabe so erfüllen, dass andere ihnen gerne vertrauen. Verantwortung für andere zu übernehmen, ist eine grosse Herausforderung für Christen.“

Der Alt-Politiker bereitet eine gemeinsame Talkshow mit dem früheren PDS-Vorsitzenden Gregor Gysi vor. Damit vergebe er sich nichts, sagte er im Interview: „Mit jemanden, der so viel Einfluss nimmt auf die Menschen in den Neuen Ländern, möchte ich auch kritisch diskutieren. Ich glaube nicht, dass wir wirklich weiter kommen, wenn jeder nur noch mit dem diskutiert, der ihm besonders nahe steht.“ (Idea Deutschland)

Datum: 15.01.2003
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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