Selber schuld

Scheidung – keine Zeit, mich um ihr Glück zu kümmern

Der Titel über der neuesten Kolumne von Peter V. Kunz in den Blättern von CH Media lautet schlicht «Scheidung». Der prominente Rechtsprofessor rechnet mich sich selbst ab. Ein ergreifendes Bekenntnis.

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Prof. Dr. Peter V. Kunz
«Es war ein Schock, der mich unvorbereitet traf», schreibt der Berner Ordinarius für Wirtschaftsrecht und Rechtsvergleichung an der Universität Bern. Er erinnert sich dabei an den 2. November 2018, als ihm seine Frau um 9.22 Uhr beim Kaffee im Glatt-Zentrum eröffnete, dass sie sich von ihm scheiden lassen wollte.

Die Suche nach den Fehlern

In seiner Kolumne beschreibt er das Wechselbad der Gefühle und wie schwer es ihm gefallen ist, das Leben als Geschiedener mit allen Haushaltpflichten in den Griff zu bekommen. Besonders auffällig ist aber, dass jeder konkrete Vorwurf an seine Ex-Frau unterbleibt. Obwohl er bekennt, dass die Scheidung ihm den Boden unter den Füssen weggezogen habe. Er hat die Fehler bei sich selbst gesucht und scheut sich nicht, diese zu benennen.

Selber schuld...

Zwar sei er nicht der einzige, der Fehler in seiner Ehe gemacht habe, «aber ich verantworte ohne Zweifel die Mehrzahl», schreibt er in seiner Kolumne vom 6. Juni. Und er wird dabei konkret: «Seit Jahren hatte ich keine Zeit, mich ernsthaft um ihr Glücklichsein zu kümmern (oder um mein eigenes). Immer gab es irgendwas anderes, das Vorrang hatte. Ein Beispiel ist meine Amtszeit als Dekan, die ich verlängert habe, ohne es mit ihr zu besprechen: Ein Riesenfehler, denn sie war ja auch betroffen – und es war respektlos.»

Schuld zuzugeben fällt schwer

Ob Christen oder Nichtchristen – nicht alle finden so deutlich zu einem Schuldbekenntnis. In uns sitzt eine hartnäckige Neigung, andern die Schuld zu geben, wenn wir scheitern oder auflaufen. Ganz besonders wenn unser Verhalten die eigene Ehe und Familie bedroht und sie daran zerbricht. Auch Auseinandersetzungen in Gemeinden könnten einfacher bewältigt werden, wenn die Beteiligten zuerst mal nach den eigenen Fehlern suchen. Wir beten ja regelmässig: «Vergib uns unsere Schuld ...». und: «wie auch wir vergeben ...». Viel lieber würden wir zuweilen beten: «Herr, zeig ihnen, dass ich unschuldig bin und dass der Andere schuldig ist.» Doch dieses Gebet wird nicht erhört.

Zum Originalartikel der AZ

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Datum: 11.06.2019
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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