Kein «Abschieben ins Heim»

Kirchen rufen zu mehr Wertschätzung alter Menschen auf

Zoom
Die «Woche für das Leben» stellt das Leben Hochbetagter in den Mittelpunkt. Am Umgang mit den Alten zeige sich die Humanität einer Gesellschaft, erklärten zum Auftakt die führenden Geistlichen der beiden grossen christlichen Kirchen in Deutschland.

Die Kirchen in Deutschland wollen einen stärkeren Beitrag dazu leisten, Menschen ab 80 Jahren nicht als Belastung, sondern als Bereicherung zu erfahren. «Die Humanität einer Gesellschaft zeigt sich genau daran, wie sie mit Menschen im Alter umgeht», sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Samstag im ökumenischen Gottesdienst zur Eröffnung der «Woche für das Leben» im Mainzer Dom. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, mahnte in seiner Predigt, hochbetagte Menschen dürften nicht in Heimen in die Vereinsamung abgeschoben werden.

Raum für neue Erfahrungen

Zoom
Hochbetagte Menschen dürften nicht in Heimen in die Vereinsamung abgeschoben werden.
Beide Geistliche wiesen auf Verletzlichkeiten und Schwächen betagter Menschen hin, auf erhöhten Pflegebedarf und Krankheiten. Im hohen Alter gebe es aber auch Raum für neue Erfahrungen und Entwicklungen. Bedford-Strohm nannte als Beispiel Johann Sebastian Bach, der noch im hohen Alter trotz grösster körperlicher Einschränkungen die «Kunst der Fuge» und die H-Moll-Messe geschaffen habe. Ebenso könne auch das Beisammensein mit dementen Menschen bereichernd sein.

Kardinal Marx rief in seiner Predigt dazu auf, «den liebenden Blick, auch wenn er uns vielleicht nicht mehr erkennt, anzunehmen». Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte Marx: «Es wäre ganz verkehrt, wenn man den Trend unterstützen würde: Die Alten schieben wir ab in die Heime und dann haben wir unsere Ruhe. Da wollen wir als Kirchen doch ein Gegenzeichen setzen.» Hier gebe es eine gute ökumenische Zusammenarbeit.

Im Alter «schlimme Misanthropen»

Mit Schwäche und Verletzlichkeit auf der einen, Weisheit und Gelassenheit auf der anderen Seite zeige das Alter ein doppeltes Gesicht, sagte der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann. Auch gehörten manchmal Starrsinn, Gleichgültigkeit und «eine Zähigkeit des Festhaltens, die bis zum Kleinlichen gehen kann», dazu, sagte der 79-Jährige. «Manche werden im Alter zu schlimmen Misanthropen.» Dabei schenke das Alter doch auch die Freiheit, nicht mehr jedem neuen Trend hinterherjagen zu müssen – «manches können wir gelassen den kommenden Generationen überlassen».

Kardinal Lehmann erinnerte an die erste «Woche für das Leben», die vor 25 Jahren im Zeichen der Kritik an Abtreibungen stand. 1994 schloss sich die EKD den Aktionswochen an. Inzwischen wird jedes Jahr ein anderer Aspekt der Achtung vor dem Leben in den Blick gerückt.

Zum Thema:
Trendsetter Markus Müller: Das Alter neu erfinden
Zurück auf die Schulbank: …um endlich mitsingen zu können
Seniorenkurs am sbt Beatenberg: «Eigentlich möchten wir von Jüngeren lernen»
Prof. François Höpflinger: «Viele fühlen sich vom raschen Wandel überfordert»

Datum: 13.04.2016
Quelle: Pro Medienmagazin

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige

ERLEBT

Nach Turnier-Sieg: Stewart Cink: «Ich suche nicht im Golf Frieden und Freude»
Im laufenden Jahr gewann Stewart Cink bereits zum zweiten Mal auf der PGA-Tour. Nach seinem Triumph...