Gesundheitsfaktor Glaube: Beeinflusst Gebet die Gesundheit?

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Demnach haben Menschen mit einer persönlichen und positiven Gottesbeziehung, eine rund zwölf Jahre längere Lebenserwartung als Menschen ohne persönliche Gottesbeziehung.
In den letzten dreissig Jahren untersuchte man in zahlreichen wissenschaftlichen Studien den Einfluss von Glaube auf Krankheit und Gesundheit. Dies hat zu einem zunehmendem Interesse sowohl in der medizinischen Fachwelt, den christlichen Kirchen wie auch der breiten Öffentlichkeit geführt.

So finden inzwischen an zahlreichen medizinischen Fakultäten in den USA Vorlesungen zu diesem Thema statt und auch in Deutschland äussern sich etliche Mediziner. Die Kirchen haben auf grossen Kongressen den christlichen Heilungsauftrag neu thematisiert. Die meisten Studien zum Gesundheitsfaktor Glaube wurden im christlichen Kontext in den USA durchgeführt. Professor Dale Matthews von der Georgetown University und Mitglied des Nationalen Institutes für medizinische Forschung ist auf dem Gebiet einer der führenden Wissenschaftler. Er fasst die Ergebnisse folgendermassen zusammen:

Ein aktives Gebets- und Glaubensleben vergrössert die Chancen ...
- gesund zu bleiben und lebensbedrohliche, lebensbehindernde Krankheiten wie Krebs und Herzerkrankungen zu vermeiden;
- sich im Fall ernsthafter Krankheit rascher und mit weniger Komplikationen wieder zu erholen;
- sich lebensbedrohlichen und tödlichen Krankheiten mit grösserem inneren Frieden und weniger Schmerzen zu stellen;
- psychische Erkrankungen, wie Depressionen und Angstzustände, zu vermeiden und besser mit Stress zurechtzukommen;
- Problemen mit Alkohol, Drogen und Nikotin von vornherein aus dem Weg zu gehen;
- ein glücklicheres Ehe- und Familienleben zu führen;
- mehr Sinn und Zweck im eigenen Leben zu finden.

Zwei Studien von Matthews seien als Beispiel erwähnt: Eine 1997 veröffentlichte Studie zeigte über einen Zeitraum von 28 Jahren an 6928 Personen eine um 36 Prozent niedrigere Sterberate bei den Menschen, die mindestens einmal wöchentlich an Gottesdiensten teilnahmen. Selbst als die Forscher Faktoren wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Bildungsstand, Gesundheitszustand und Grad der sozialen Einbindung miteinkalkulierten, blieb dieses Ergebnis bestehen.

Ein weiteres Beispiel: 1995 wurden 232 ältere Patienten untersucht, die offen am Herzen operiert wurden. Die durchschnittliche Sterberate im ersten halben Jahr betrug 9 Prozent. Bei denen, die regelmässig in die Kirche gingen, lag sie aber fast dreimal niedriger als bei Nicht-Kirchgängern. Und von 73 Patienten, die sagten, dass ihr Glaube ihnen „viel Stärke und Trost“ schenke, verstarb niemand im ersten halben Jahr nach der Operation.

Unterschätzter Gesundheitsfaktor

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Dale Matthews
Wir kennen heute eine ganze Reihe von „Risikofaktoren“, wie eine Krankheit entsteht – beispielsweise bei Herz- und Gefässerkrankungen sind oft Bewegungsmangel, Übergewicht, Stress, Nikotinkonsum, erhöhter Blutdruck und erhöhter Cholesterinspiegel die Ursache. Umgekehrt wissen wir um „Gesundheitsfaktoren“, die Erkrankungen vorbeugen und Gesundheit erhalten können, wie zum Beispiel regelmässige Bewegung, ausgewogene Ernährung, ausgeglichener Lebensstil – und eben auch ein aktives Glaubensleben. Dass der letztgenannte Gesundheitsfaktor bisher deutlich unterschätzt wurde, zeigen die Studien des Direktors des Institutes für Präventive Medizin am Europäischen Zentrum der Universität für Frieden der Vereinten Nationen, Professor Grossarth-Maticek. Er erforschte am umfangreichsten seelisch-körperliche Wechselwirkungen bei der Entstehung chronischer Erkrankungen und Aufrechterhaltung der Gesundheit. Demnach haben Menschen mit einer persönlichen und positiven Gottesbeziehung, eine rund zwölf Jahre längere Lebenserwartung als Menschen ohne persönliche Gottesbeziehung. Bei den Gläubigen treten zudem schwere chronische Erkrankungen erst rund sieben Jahre später auf.

So beeindruckend die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studien sind, ist doch zu betonen, dass sich unser Leben nicht in Statistiken und Studien fassen lässt. Gerade das christliche Krankheits- und Gesundheitsverständnis weist einen Horizont auf, der das rein Messbare übersteigt. Aus biblischer Sicht geht es um weit mehr, als dass Leben verlängert wird oder Krankheitssymptome sich bessern – so wichtig dies auch ist. Es geht um die Versöhnung und das Heil des Menschen in all seinen Beziehungsebenen: zu Gott, zu sich selbst, zu den Mitmenschen, zu der Umwelt. Es geht darum, dem von Gott ursprünglich gemeinten Heilsein an Seele, Geist und – soweit er es hier auf dieser Erde schenken möchte – auch dem Körper nahe zu kommen und in die Gemeinschaft Gottes hineinzuwachsen.

Leben entfalten

Eine christliche Gesundheitsperspektive hat daher das Ziel von Lebensentfaltung, wie Jesus Christus es ausgedrückt hat: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Die Bibel, Johannes, Kapitel 10, Vers 10). Der Schlüssel hierzu ist die Erlösung des Menschen aus der Gottesferne durch die Versöhnungstat Jesu auf Golgatha: Der Zugang zu Gott als unserem himmlischen Vater ist frei. Keine andere Religion oder Spiritualität kann diese Heilungserfahrung ermöglichen: In den Vaterarmen Gottes beginnt der zerbrochene Mensch an Körper, Seele und Geist zu heilen. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen:

Ich sitze am Krankenbett einer älteren Frau mit Enddarmkrebs. Sie hat einen akuten Darmverschluss, eine Notfalloperation ist unumgänglich. Aber sie sagt: „Nein, keine Operation, lieber sterbe ich!“ Ich halte ihre Hand, versuche ihr Mut zu machen. Ob in ihrem Leben Gottvertrauen gewachsen sei, frage ich. Sie ist sich unsicher, willigt aber gern in meinen Vorschlag ein, neben allen lindernden medizinischen Massnahmen ihre Situation im Gebet vor Gott zu bringen. Wir beten um Gottes Frieden, seine Nähe und Hilfe.

Am nächsten Morgen hat sich der Darmverschluss ohne Operation gelöst – ein medizinisch nicht unmögliches, aber sehr seltenes Ereignis. Für unsere Patientin ist diese Erfahrung der Beginn einer neuen Glaubensbeziehung zu Gott. Auf meinen Vorschlag hin kommt ihr Gemeindepastor zu Besuch, mit dem sie seit Jahren keinen Kontakt hatte. Und es geschieht neben der körperlichen und geistlichen nun auch eine zwischenmenschliche „Wiederherstellung“ – zwischen ihr und ihrer Kirchengemeinde.

Ein halbes Jahr später treffe ich eine dankbare Patientin wieder – vor allem gegenüber Gott, der ihr mitten im tiefsten Leid ganz umfassend geholfen hat, aber auch gegenüber ihrer Gemeinde, in der sie ein neues Zuhause gefunden hat.

Keine „Lehre für perfekte Gesundheit“

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Nach dem biblischen Zeugnis dürfen wir Gott auch um sein übernatürliches Eingreifen in Krankheitssituationen bitten.
Im biblischen Sinn verhält sich Gesundheit nicht statisch, sondern dynamisch. Sie ist nicht ein Ziel, das wir erreichen und festhalten könnten, sondern ein Weg der Lebensentfaltung, den wir auch angesichts eventuell bleibender Krankheitssymptome und Behinderungen gehen können. So beeindruckend die Erfahrung von „Heilungswundern“ im Neuen Testament der Bibel und den Jahrhunderten der Kirchengeschichte bis zum heutigen Tag sind, so ist es doch wichtig festzustellen, dass Jesus in seinem Heilungsdienst nicht eine „Lehre für perfekte Gesundheit“ aufstellte, sondern die Liebe und Macht Gottes demonstrierte. Den „anatomisch-physiologisch hundertprozentig Gesunden“ wird es auch nach der heilenden Begegnung mit Jesus Christus nicht gegeben haben. Dafür aber zahlreiche Menschen, die auf dem Weg der Lebensentfaltung grosse Schritte vorangeführt wurden.

Nach dem biblischen Zeugnis dürfen wir Gott auch um sein übernatürliches Eingreifen in Krankheitssituationen bitten. In der weltweiten christlichen Gemeinde gibt es ungezählte Zeugnisse seines Handelns, selbst in medizinisch aussichtslos erscheinenden Krankheitssituationen. „Vollkommene Gesundheit“ jedoch werden wir in dieser Welt weder durch medizinische Kunst noch durch intensivstes Gebet erleben. Dies ist uns für die Ewigkeit in der ungetrennten Gemeinschaft mit Gott verheissen. Das „Paradies“ als Ausdruck der ungestörten Beziehungsfähigkeit und Gesundheit des Menschen wird erst hier für uns wiederhergestellt und vollendet werden. Im Hier und Heute dürfen wir aber immer wieder mit kleineren und grösseren Zeichen seines heilenden Handelns rechnen.

Inwieweit Gott im Einzelnen Heilung schenken möchte, sollten wir getrost ihm überlassen. Die grundsätzliche christliche Gesundheitsperspektive aber ist uns allen von Jesus Christus zugesprochen: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Die Bibel, Johannes, Kapitel 10, Vers 10).

Autor: Dr. Georg Schiffner


Quelle: Neues Leben

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