Weihnachts-Rituale wenden Streit ab

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Die meisten Einsätze des Jahres hat die Polizei am 24. Dezember. Denn dann gibts in den Familien viele heftige Auseinandersetzungen. Der Psychotherapeut Philipp Probst rät im Interview, Rituale für den Heiligabend ernst zu nehmen und so einen Streit abzuwenden.

Herr Probst, wie soll sich ein Familienvater oder eine Mutter verhalten, wenn die Luft knistert und sich ein Familienstreit an Heiligabend anbahnt?
Sicher sind beide nicht unschuldig, dass sich der Streit angebahnt hat. Wichtig wäre, dass er vor und nicht während des Festes ausgetragen wird. Wenn es aber trotzdem geschieht, soll er oder sie in sich gehen, in Ruhe ein Gebet sprechen und das Ringen mit sich selbst aushalten.

Weshalb streiten die Leute ausgerechnet an Weihnachten?
Das hat mit den hohen Erwartungen zu tun. An Weihnachten sehnt sich jedes Kind und jeder Erwachsene nach einem geborgenen Zuhause. Meist wird es enttäuscht, weil jeder andere Prioritäten hat. Die Spannung zwischen Realität und den Erwartungen ist extrem gross und schwierig zu befriedigen.

Wie entschärft man die Situation?
Am besten dadurch, dass man Streitigkeiten schon vor dem Fest austrägt. Dafür wäre es wichtig, dass sich die Familien auch während des Jahres immer wieder treffen. Man soll miteinander ringen und einen Streit austragen lernen. Das gehört zum Leben und macht es auch spannender.

Und weiter?

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Psychotherapeut Philipp Probst.
Von Bedeutung ist auch, dass Rituale eingehalten werden. Es muss nicht immer alles neu erfunden werden; das ist anstrengend. Der Tannenbaum, der Spaziergang, das Essen, das gemeinsame Gebet – das sind Eckpfeiler für den Menschen. Daran kann man sich festhalten und sich geborgen fühlen. Wenn man schon früh – Anfang Dezember zum Beispiel – mit den bestimmten Ritualen beginnt, gibt es auch mehr Raum, um Konflikte auszutragen.

Welche Erfahrungen machen Sie in Ihrer Praxis mit Familienstreitereien?
Es ist tatsächlich so, dass sich die an Weihnachten verstärken, besonders bei Paaren, die in Trennung leben oder in einer Krise stecken und Kinder haben. Letztes Jahr hatte ich eine Klientin, die darum Weihnachten sehr unangenehm erlebte. Die beiden Elternteile wurden aufeinander eifersüchtig und schauten, wer von ihnen den Kindern ein schöneres Fest bietet.

Was raten Sie einem Menschen, der mit der Geburt von Christus eigentlich nichts anfangen kann und trotzdem Weihnachten feiert?

Ich sage: Willkommen in der feierlichen Weihnacht! Machen Sie sich keinen Stress daraus, wenn Sie kein Christ sind. Aber bedenken Sie, dass unsere abendländische Kultur auch ihre Wurzeln und ihre Bedeutung hat, und freuen Sie sich mit uns über die Geburt von Jesus.

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Autor: Iris Muhl
Quelle: Jesus.ch

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