Das Ostergeheimnis

«Er ist wahrhaftig auferstanden»

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Auferstehung ist keines der Wörter, die zu unserem täglichen Vokabular gehören. An Ostern ist das anders. Doch verstehen wir das Gleiche darunter, wenn wir das gleiche Wort verwenden? Die Bibel spricht jedenfalls von einem wieder lebendig gewordenen Körper, wenn von Auferstehung die Rede ist.

Sterben muss jeder, aber was kommt danach? Eigentlich alle suchen irgendwann nach einer Antwort darauf. Das Neue Testament überrascht an dieser Stelle mit seiner seltsamen und hoffnungsvollen Botschaft einer Auferstehung: Jesus lebt nach seinem Tod in einem neuen Körper weiter und dasselbe können wir auch erleben.

Mehr als eine Weiterexistenz

Waren die Menschen in der Antike so unbedarft, dass sie solch eine Botschaft direkt glaubten? Eher nicht. Als Realisten war für sie laut N. T. Wright «der Weg in die Unterwelt eine Einbahnstrasse. Der Tod war allmächtig; man konnte ihm nicht entkommen und man konnte seine Macht nicht brechen». An irgendein Weiterleben glaubten praktisch alle, sei es als Schattenwesen oder als körperlose Seelen.

Manche Juden – zum Beispiel die gebildeten Sadduzäer – lehnten den Gedanken an eine Fortexistenz der Seele gänzlich ab; die meisten hätten jedoch mit Martha und Maria zusammen geglaubt, dass der Tod von Lazarus nicht endgültig wäre: «Ich weiss, dass er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tag» (Johannes Kapitel 11, Vers 24). Irgendwann, am Ende der Zeit, würde Gott sein Volk wieder sammeln und ihnen neue Körper geben. Doch diesen in der Antike seltenen Gedanken spitzte Jesus noch viel weiter zu.

Jesus als Vorreiter

Die meisten Äusserungen von Jesus in Bezug auf die Auferstehung passen gut in das jüdische Weltbild hinein. Doch einmal stellte er seine Jünger vor ein Rätsel: «Als sie aber vom Berg herabgingen, gebot er ihnen, niemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Sohn des Menschen aus den Toten auferstanden sei» (Markus Kapitel 9, Vers 9). Wie bitte? Niemals hätten die Jünger gedacht, «dass Auferstehung etwas sei, das mit einer einzigen Person vor allen anderen geschehen würde» (Wright). Bei seinem Reden von der Auferstehung knüpfte Jesus nicht bei heidnischen Vorstellungen an, sondern bei jüdischen. Und er erweiterte sie noch gehörig.

Vier Seltsamkeiten der Ostergeschichte

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N. T. Wright
Der britische Theologe N. T. Wright verfasste ein ausführliches Buch zum Thema «Von Hoffnung überrascht». Darin erklärt er, wie aussergewöhnlich die Auferstehung schon damals war, und erwähnt vier seltsame Merkmale der neutestamentlichen Auferstehungsberichte. Sie sind keine schlagenden Beweise – wie überhaupt die Auferstehung im wissenschaftlichen Sinne nicht beweisbar ist –, aber «sie drängen uns, diese Berichte als sehr frühe Berichte ernst zu nehmen».

1. In den Auferstehungsberichten wird die Bibel kaum zitiert. Sonst wird immer wieder betont, dass das Handeln und sogar Sterben von Jesus «nach der Schrift» geschah. Seine Auferstehung war die Überraschung, die nicht ins Raster des Alten Testaments passte.

2. Die ersten Zeugen der Auferstehung waren – darin sind sich alle Evangelisten einig – Zeuginnen. Und Zeugenaussagen von Frauen zählten damals nichts. Die Überraschung war zu gross, um darüber hinwegzugehen. Erst später wurde es wichtig, dass «500 Brüder» den Auferstandenen gesehen hatten (1. Korinther Kapitel 15, Vers 6).

3. Wenn die Jünger nach ihrer Erwartung etwas über den auferstandenen Jesus hätten schreiben sollen, dann wäre eine zweite Verklärungsgeschichte mit einem sternenstrahlenden Jesus daraus geworden, kein unauffälliger Mann, den man mit dem Gärtner verwechseln konnte.

4. Die letzte Seltsamkeit der Auferstehungsberichte ist, dass sie in den Evangelien an keiner Stelle theologisch ausgedeutet werden. Nirgendwo wird der Schluss gezogen: «Daher gibt es Leben nach dem Tod» oder gar «werden wir in den Himmel kommen».

Die Auferstehung war schlicht zu überraschend. Wenn die ersten Christen sie hätten inszenieren wollen, dann hätten sie das anders angefangen. Sie beschrieben stattdessen das, was sie erlebten, was sie selbst überraschte, und was ihr Leben und Sterben auf den Kopf stellte. «Der Herr ist auferstanden!», lautet der überraschte Ostergruss. «Er ist wahrhaftig auferstanden!», ist die hoffnungsvolle Antwort.

Zum Thema:
Ostern erleben: An die Auferstehung glauben
Indizien für die Auferstehung #1: Verschwörung oder echte Augenzeugen?
Die wichtigste Frage: Ist da ein Leben nach dem Tod?

Datum: 03.04.2021
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

Kommentare

Ich teile die Ansicht von einer völligen Trennung zwischen Auferstehungsberichten und theologischer Auslegung nicht. Direkt nach den Berichten der Auferstehung und der Erscheinung des Herrn erklärt Johannes in 20,31 unzweideutig, dass diese und andere Berichte den Zweck haben, den Glauben an Jesus Christus als Sohn Gottes zu wecken, und „damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen“. Dazu: Der Bericht über die Emmaus-Jünger in Lukas 24, wo der Auferstandene anhand des AT seine Mission erklärt und den Unglauben der Jünger rügt, schliesst nahtlos mit einem „und siehe“ an den Auferstehungsbericht an (Man bedenke, dass es ursprünglich keine Kapiteleinteilung und Überschriften gab).

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