Galater

Befreit und gerechtfertigt aus Glauben

Der erste Brief des Paulus unter der Inspiration des Heiligen Geistes.

Zwei Hauptmerkmale charakterisieren den Galaterbrief. Erstens handelt es sich um den ersten Brief des Paulus, den er unter der Leitung des Heiligen Geistes verfasste (Inspiration). Zweitens unterscheidet sich der Galaterbrief von all den anderen paulinischen Briefen insofern, als er sich an eine Region, bzw. Gemeinden in dieser Region und nicht an eine lokale Gemeinde richtet. Wie es für Paulus üblich ist, betont er auch in diesem Brief v.a. die Freiheit in Christus, die durch Rechtfertigung aus Glauben erlangt wird.

Autor und Abfassungszeit

Verfasst von Paulus ca. 50 n. Chr.

Der Brief selbst weist den Apostel Paulus als Autor des Galaterbriefs aus (1,1; 5,2). Es gibt keinen Grund, dieses innere Zeugnis in Frage zu stellen. Paulus wurde in Tarsus geboren, einer Stadt in der Provinz Zilizien, die nicht weit von Galatien entfernt liegt. Er war mit dieser Gegend also bestens vertraut und während seiner ersten Missionsreise besuchte er auch die südlichen Gebiete Galatiens wo er einige Gemeinden gründete. Es gab gute Gründe, diesen Gemeinden nach seiner Abreise einen Brief zukommen zu lassen, bedenkt man doch, welche Kämpfe gerade junge Gemeinden durchmachen. Angesichts dessen war es wichtig, sie über die Beschlüsse des Jerusalemer Konzils zu informieren (Apg 15). Mehr Informationen zur Person des Paulus findet man im Römerbrief unter Häufig gestellte Fragen »Wer war Paulus?«.

Schlüsselpersonen im Galaterbrief

Paulus – drängte die Galater, sich daran zu erinnern, dass sie durch Christus vom Gesetz befreit waren (1,1 – 6,18).

Petrus – Leiter der Gemeinde in Jerusalem; Paulus stellte ihn zur Rede, da er versuchte, die Rettung im Gesetz zu finden (1,18 – 2,21)

Barnabas – reiste mit Paulus umher und war ebenfalls ein Missionar; erlaubte es Paulus, ihn hinsichtlich falscher Glaubensauffassungen zu korrigieren (2,1-13)

Titus – Heidenchrist und enger Freund von Paulus; diente später auf der Insel Kreta (2,1-3)

Abraham – Paulus zeigte anhand des Lebens Abrahams auf, dass die Errettung allein auf Glauben beruht (3,6 – 4,22)

Falsche Lehrer – überzeugend auftretende Lehrer, die versuchten, die Gläubigen von den Lehren Paulus’ wegzulocken (4,17-20)

Hintergrund und Umfeld

Zur Zeit des Paulus hatte das Wort Galatien zwei verschiedene Bedeutungen. Im streng ethnischen Sinn war Galatien die Region in Zentralasien (heutige Türkei), in der die Galater lebten. Die Galater waren ein keltisches Volk, das im 3. Jh. v. Chr. von Gaul (im heutigen Frankreich) aus in dieses Gebiet gewandert war. Die Römer eroberten Galatien im Jahre 189 v. Chr., doch gewährten sie ihm bis 25 v. Chr. ein gewisses Mass an Unabhängigkeit.

Dann wurde Galatien eine römische Provinz, die auch einige Regionen umfasste, die nicht von ethnischen Galatern bewohnt waren (z.B. Teile von Lykaonien, Phrygien und Pisidien). So beschrieb Galatien schliesslich im politischen Sinn die gesamte römische Provinz und nicht nur die Region, in der das Volk der Galater lebte. In diesem Sinne wird der Begriff Galatien im NT grösstenteils gebraucht.

Paulus gründete in den südgalatischen Städten Antiochia, Ikonium, Lystra und Derbe Gemeinden (Apg 13,14 – 14,23). Diese Städte befanden sich zwar innerhalb der römischen Provinz Galatien, jedoch nicht in der ethnischen Galaterregion. Keine historischen Dokumente überliefern oder deuten an, dass Paulus in diesem nördlichen, weniger dicht besiedelten Gebiet Gemeinden gegründet habe.

Aufgrund der beiden Bedeutungen des Wortes Galatien ist es noch schwieriger zu bestimmen, wer die ursprünglichen Empfänger dieses Briefes waren. Einige interpretieren Galatien in seinem strikt ethnischen Sinn und argumentieren, dass Paulus diesen Brief an Gemeinden in Nordgalatien richtete, wo die Nachkommen der Einwanderer aus Gaul lebten. Weil weder die Apostelgeschichte noch der Galaterbrief konkrete Städte oder Personen aus Nordgalatien erwähnen, darf man annehmen, dass Paulus diesen Brief an Gemeinden schrieb, die im südlichen Teil der römischen Provinz ansässig waren, ausserhalb der Region der ethnischen Galater. Paulus wurde darüber informiert, dass die jungen Gemeinden in Galatien von den so genannten Judaisten bedrängt wurden. Daraufhin schrieb er ihnen, sie sollten den judaistischen Irrlehrern entgegentreten, die die zentrale neutestamentliche Lehre unterwanderten, dass die Rechtfertigung durch Glauben geschieht. Diese Irrlehrer ignorierten den ausdrücklichen Befehl des Jerusalemer Konzils (Apg 15,23-29) und verbreiteten ihre gefährliche Lehre, dass Heiden zunächst jüdische Proselyten werden und sich dem mosaischen Gesetz unterwerfen müssten, bevor sie Christen werden könnten (siehe 1,7; 4,17.21; 5,2-12; 6,12.13). Schockiert über die Offenheit der Galater gegenüber dieser verderblichen Irrlehre (vgl. 1,6) schrieb Paulus diesen Brief, um die Rechtfertigung durch Glauben zu verteidigen und diese Gemeinden vor den schrecklichen Konsequenzen zu warnen, die ein Verwerfen dieser fundamentalen Lehre nach sich ziehen würde. Der Galaterbrief ist der einzige Paulusbrief, der kein Lob für seine Leser enthält. Das zeigt, wie genötigt Paulus sich sah, die Galater dringend zu korrigieren und die grundlegende Rechtfertigungslehre zu verteidigen.

Schlüssellehren im Galaterbrief

Rechtfertigung aus Glauben – vollkommene Freiheit von Gericht und den Fesseln der Sünde kann einzig und allein durch Glauben an Christus erlangt werden (2,14-21; 3,11; 5,4; 3Mo 18,5; Jes 45,25; 50,8; 53,11; Jer 23,6; Hab 2,4; Joh 5,24; Apg 13,39; Röm 1,16.17; 3,21 – 4,25; 5,1-2.18; 1Kor 6,11; Tit 3,7; Jak 2,10)

Das Gesetz – Gläubige sind von den Fesseln des Gesetzes befreit (2,20.21; 5,1; Jer 31,33; Röm 2,12; 6,14; 7,4-6; Gal 3,10-13; Hebr 8,10)

Die Rolle des Heiligen Geistes – der Geist und die Lust des Fleisches streiten ununterbrochen gegeneinander (5,16.17; Joh 14,16; Röm 5,3-5; 7,23.25; 8,4-6; Phil 3,3; 1Pt 3,18)

Gottes Wesen im Galaterbrief

Gott ist barmherzig – 6,16

Gott ist mächtig – 2,8

Gott hält seine Versprechen – 3,16-19.21.22.29; 4,4

Christus im Galaterbrief

Das Hauptthema des Galaterbriefes heisst: »So steht nun fest in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, und lasst euch nicht wieder in ein Joch der Knechtschaft spannen« (5,1). Unter dem Einfluss von Judaisten waren die Galater versucht, diese Freiheit erneut gegen die Knechtschaft des Gesetzes einzutauschen (2,4). Paulus ermahnt die Gläubigen »sich nicht wieder in ein Joch der Knechtschaft spannen zu lassen«, sondern ihre Stellung in Christus festzuhalten (5,1).

Schlüsselworte im Galaterbrief

Grundsätze: Griechisch stoicheia – 4,3.9 – kann Folgendes bedeuten: 1) »elementare oder rudimentäre Prinzipien« oder 2) »urwüchsige Geister«. Wörtlich beschreibt das Wort Dinge, die in einer Linie angeordnet sind, eine Reihenfolge wie z.B. das Alphabet. Man benutzte es, um fundamentale Prinzipien (Hebr 5,12) oder die elementaren Grundsätze des Universums zu beschreiben; physische (2Pt 3,10) oder auch geistliche. Wenn Paulus von elementaren Grundsätzen sprach, dachte er an die Grundfesten unterschiedlicher Religionen, in denen die Leute gefangen waren (s. Kol 2,20). Wenn er von Geistern sprach, so dachte er an die Art von Geistern, die Menschen gefangen nehmen wie z.B. Götzen oder Dämonen. Die Bedeutung »Grundsätze« lässt sich auf den grössten Teil des Galaterbriefes anwenden, während Gal 4,8-10 von »Geistern« spricht. Wie dem auch sei, Paulus machte deutlich, dass Menschen solange Gefangene blieben, bis Christus sie erlöste.

Fleisch: Griechisch sarx – 1,16; 2,20; 4,13-14; 5,17; 6,12.13 – in der griechischen Literatur stand sarx einfach für den menschlichen Leib. Auch im NT wird es so benutzt (s. Joh 1,14; Offb 17,16; 19,18.21). Paulus gebrauchte es aber auch im Sinne von »die gefallene menschliche Natur«, damit meint er nicht nur den Körper, sondern das ganze Wesen inklusive Seele und Verstand, die von der Sünde beeinflusst waren. Folglich stellt Paulus oft das Fleisch dem eist gegenüber und zeigt auf, dass die beiden so weit voneinander entfernt sind wie Ost und West. Es handelt sich um zwei grundlegend verschiedenartige Mächte. Der Ungläubige kann nur nach dem Fleisch leben; der Gläubige hingegen hat die Wahl, er kann nach dem Fleisch oder im Geist leben. Paulus ermutigt die Gläubigen immer wieder, die Lüste des Fleisches zu überwinden, indem sie im Geist leben.

Gliederung

Persönlich: Der Prediger der Rechtfertigung (1,1 – 2,21)

  • Apostolische Züchtigung (1,1-9)
  • Apostolische Zeugnisse (1,10 – 2,10)
  • Apostolische Zuversicht (2,11-21)

Lehrmässig: Das Prinzip der Rechtfertigung (3,1 – 4,31

  • Die Erfahrung der Galater (3,1-5)
  • Der Segen Abrahams (3,6-9)
  • Der Fluch des Gesetzes (3,10-14)
  • Die Verheissung des Bundes (3,15-18)
  • Der Zweck des Gesetzes (3,19-29)
  • Die Sohnschaft der Gläubigen (4,1-7)
  • Die Nutzlosigkeit des Ritualismus (4,8-20)
  • Die Illustration aus der Schrift (4,21-31)

Praktisch: Das Privileg der Rechtfertigung (5,1 – 6,18)

  • Freiheit von Ritualen (5,1-6)
  • Freiheit von Legalisten (5,7-12)
  • Freiheit im Geist (5,13-26)
  • Freiheit von geistlicher Sklaverei (6,1-10)
  • Schluss (6,11-18)

Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort auf der Erde …

Die Goten ziehen vom heutigen Schweden Richtung Polen und gründen an der Mündung der Weichsel (längster Fluss Polens) ein Königreich.

Häufig auftauchende Fragen

1. Wie lassen sich die Ereignisse im Galaterbrief mit der Chronologie der Apostelgeschichte vereinbaren?

Ein Vergleich der Stellen aus der Apostelgeschichte (11,27-30; 15,2.12.22.35) und Galater (1,18; 2,1-10) scheint darauf hinzudeuten, dass Paulus mindestens drei Mal in Jerusalem war; inkl. seiner Reise nach Jerusalem für das Apostelkonzil. Weitere Besuche folgten dem Konzil (Apg 18,18-22; 21,15-17). Die Verse in Galater 1,18 berichten von der ersten Begegnung zwischen den Aposteln in Jerusalem und Paulus nach seiner eigenen Bekehrung. Kap. 2,1 schildert, wie Paulus nach vierzehn Jahren erneut nach Jerusalem reist. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um seinen Besuch auf dem Jerusalemer Konzil (Apg 15,1-22), das einberufen worden war, um die Streitfrage über die Errettung der Heiden zu klären.

Sprachlich gesehen muss sich das Wort »wieder« nicht unbedingt auf den unmittelbar nächsten Besuch beziehen, sondern kann einfach »noch einmal« bedeuten, ohne Hinweis, wie oft er Jerusalem in der Zwischenzeit besucht hatte. Und tatsächlich hatte Paulus während dieser 14 Jahre Jerusalem nochmals besucht: Er hatte der dortigen Gemeinde eine Hilfsgabe überbracht, weil sie unter der Hungersnot litt (Apg 11,27-30; 12,24.25). Paulus erwähnt diesen Besuch hier jedoch nicht, weil er für seine apostolische Autorität bedeutungslos war.

2. Wenn man Gal 3,27 liest, könnte man den Eindruck gewinnen, Paulus erkläre die Taufe zu etwas Heilsnotwendigem. Was wollte Paulus mit diesem Vers sagen?

Paulus spricht hier nicht von der Wassertaufe, die nicht retten kann. Paulus verwendete das Wort »getauft« im bildhaften Sinn von »eingetaucht« oder »hineinversetzt« in Christus (vgl. 2,20). Der Kontext macht klar, dass es hier um den Glauben und das geistliche Wunder der Vereinigung mit ihm in seinen Tod und seine Auferstehung geht und nicht um eine äussere Zeremonie. Der unmittelbar darauf folgende Begriff »Christus angezogen« verdeutlicht das Ergebnis der geistlichen Vereinigung des Gläubigen mit Christus. Paulus betonte die Tatsache, dass wir durch die Errettung mit Christus vereinigt wurden. Unserer Stellung nach haben wir Christus, seinen Tod, seine Auferstehung und seine Gerechtigkeit vor Gott angezogen. Von der Praxis her müssen wir in unserem Verhalten vor den Menschen (Familie, Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen) »Christus anziehen«.

3. Wie wirken sich Paulus’ Aussagen hinsichtlich Geschlecht, Rasse und Gleichstellung (Gal 3,28) auf andere Stellen der Bibel aus, die über die Rollenverteilung sprechen?

Diese Stelle wird gerne von solchen herangezogen, die das traditionelle Konzept von Autorität und Unterordnung in Frage stellen, v.a. auf dem Gebiet der Ehe. Dieser Vers streitet nicht ab, dass Gott ethnische, soziale und geschlechtliche Unterschiede zwischen Christen vorgesehen hat, sondern er bestätigt, dass solche Unterschiede keinen geistlichen Wert haben. Diese geistliche Gleichheit ist auch nicht unvereinbar mit den von Gott verordneten Rollen von Führung und Unterordnung in Gemeinde, Gesellschaft und Familie. Obwohl Jesus Christus völlig gleich mit dem Vater war, nahm er in seiner Fleischwerdung eine unterwürfige Stellung ein (Phil 2,5-8).

4. Was bedeutet »ihr seid aus der Gnade gefallen« (5,4) im Hinblick auf die Lehre der Heilssicherheit?

Paulus benutzt hier zwei Begriffe, um den Gedanken oder das Prinzip der Trennung zu veranschaulichen. Das gr. Wort für »abgetrennt« bedeutet »getrennt«, »ab-« oder »durchgetrennt«, »abgesondert«. Das Wort für »gefallen« bedeutet »den Halt an etwas verlieren«. Paulus meint eindeutig, dass jeglicher Versuch, durch das Gesetz gerechtfertigt zu werden, bedeutet, dass man die Errettung allein aus Gnade durch Glauben verwirft. Wer zuvor die Wahrheit des Evangeliums der Gnade gehört hat und sich nun von Christus abwendet (Hebr 6,4-6) und durchs Gesetz gerechtfertigt werden will, ist von Christus getrennt und verliert jede Hoffnung, dass Gott ihn aus Gnade errette. Dass er sich von Christus und dem Evangelium als alleinigem Heilsweg abwendet, beweist, dass sein Glaube niemals echt war (vgl. Lk 8,13.14; 1Joh 2,9). Die Galater konnten zwar nicht für immer aus der Gnade fallen, weil sie wirklich errettet waren; aber wenn sie diese Botschaft der Judaisten übernahmen, und diese dadurch in die Kirche eindrang, war dies das Todesurteil der Kirche nachfolgender Generationen – wie die historischen Beispiele traurigerweise zur Genüge belegen.

Kurzstudium zum Galaterbrief/einige Fragen

  • Wie erklärt Paulus den Galatern den Unterschied zwischen dem Gesetz und Werken der Gerechtigkeit?
  • Warum nennt Paulus die Galater »töricht«?
  • Was lehrt Paulus die Galater über den Glauben? Inwiefern stimmt diese Beschreibung mit deiner Auffassung von Glauben überein?
  • Wenn Paulus den Galatern das Prinzip der »Freiheit« erläutert, worauf nimmt er dann Bezug?
  • Paulus führt die Auswirkungen des Heiligen Geistes im Leben des Gläubigen sehr detailliert aus (5,16-26). Was sind diese Auswirkungen und in welchem Mass hast du sie in deinem persönlichen Leben erfahren?
Fortsetzung: Epheser

Autor: John MacArthur
Quelle: Basisinformationen zur Bibel

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