Mary Poplin

Vom Löffelbiegen zu Jesus Christus

Die Amerikanerin Mary Poplin suchte den Sinn des Lebens – und sie suchte weitherum. Man hatte ihr gesagt, das Christentum benachteilige die Frauen. So wandte sie sich ab von der Religion ihrer Eltern. Sie befasste sich mit Zen-Buddhismus, mit transzendentaler Meditation – und sogar mit dem telepathischen Löffelbiegen.

Doch später – sie war inzwischen Pädagogikprofessorin an der Claremont Universität in Kalifornien und spezialisierte sich auf die schulische Förderung von Kindern aus armen Verhältnissen – fand sie in einem jahrelangen Prozess zum Christentum zurück. Ihre Erlebnisse erzählte sie kürzlich Dick Staub vom Internetdienst Christianity Today.

Fragen, die stecken bleiben

Poplin hatte einen Studenten, der sich von den andern unterschied. Doch was den Unterschied ausmachte, konnte sie sich nicht erklären. Ein Satz, den er äusserte, ging der Professorin nicht mehr aus dem Kopf: „Wenn Sie irgendetwas für ihr geistliches Leben tun wollen, helfe ich Ihnen gern dabei.“ Noch mehr erstaunte sie, dass er Fragen stellte wie: „Glauben Sie, dass es das Böse gibt?“ Sie merkte, dass sie darauf keine überzeugende Antwort geben konnte.

Später hatte Poplin einen Traum, in dem eine Gestalt sie ansprach. Sie wusste gleich, dass es Jesus war. Sie fiel zu seinen Füssen und begann zu weinen. „Ich fühlte totale Scham, schämte mich in jeder Zelle meines Körpers. Doch dann ergriff Jesus meine Schultern und ich spürte einen umfassenden Frieden, wie ich ihn nie empfunden hatte. Ich wachte weinend auf.“

‚Ich habe etwas Finsteres in meiner Brust’

Poplin ging zum Telefon und rief den besagten Studenten an. Er hatte ihr nie gesagt, dass er Christ war. Nun wollte sie mit ihm über ihre geistlichen Erfahrungen reden. Sie trafen sich, und er fragte sie, warum sie den Kontakt gesucht hatte. Da ging ihr ein Satz über die Lippen, der sie selbst erstaunte: „Ich habe etwas Finsteres in meiner Brust und ich weiss nicht, was es ist.“ Dann erzählte sie ihm den Traum. Sie sprachen darüber, und er riet ihr, sich eine Bibel zu beschaffen und Psalmen und Abschnitte über Jesus zu lesen.

Einige Monate später reiste Mary Poplin mit ihrer Mutter in den Ort, wo sie früher gewohnt hatten. Zusammen gingen sie in den Gottesdienst ihrer Methodistengemeinde. Der Pastor lud alle, die an Christus glaubten, zum Abendmahl ein. Poplin war so bewegt von dieser Einladung, dass sie dachte, sogar ein Tornado könne sie nicht abhalten, ihr nachzukommen. Sie ging nach vorn, kniete nieder und sagte zu Jesus, während sie das Abendmahl empfing: „Bitte komm und nimm mich, bitte komm und nimm mich, bitte komm und nimm mich.“ Und gleich fühlte sie sich frei. „Es war, als wäre mir eine tonnenschwere Last weggenommen worden.“

Einsatz in Kalkutta

Von diesem Tag an spürte sie einen unersättlichen Hunger, in der Bibel zu lesen. Später sah sie einen Film über Mutter Teresa – und reiste nach Kalkutta, um mit eigenen Augen zu sehen, wie der Glaube an Christus radikal, im liebevollen Einsatz für die Elenden, gelebt wird. Dabei kam ihr auch der Unterschied zwischen dieser geistlich motivierten Sozialarbeit und den Theorien sozialer Veränderung, die sie an der Universität lehrte, zu Bewusstsein. Sie arbeitete zwei Monate in Mutter Teresas Organisation mit.

Zurück in den USA, merkte sie, dass ihr oft Tränen in die Augen stiegen, wenn sie ihre Vorlesung vorbereitete. Dabei kannte sie sich nicht als besonders emotionelle Person. Ihr ging auf, dass der Lehrstoff über Armut aus säkularen Theorien bestand, die nicht die ganze Wirklichkeit einbezogen: „Ich merkte, dass ich den Studenten bisher nicht gesagt hatte, was ich für die volle Wahrheit über Armut hielt – und was Jesus Christus für mich bedeutet.“

Christus verändert Menschen von Grund auf

Bei einem Treffen mit Schulleitern outete sie sich als Christin, und das befremdete die Runde. Mary Poplin spürte aber, dass sie an der Schule bleiben sollte. Um deutlich zu machen, wie Christus auf die Menschen einging und sie in ihrer Armut abholte und veränderte. Denn eines wurde ihr bewusst: Mit all den hochgelehrten Theorien über soziale Gerechtigkeit ist den Armen noch nicht wirklich geholfen.

Seither sucht sie für die sozialen Probleme christliche Antworten, Strategien, die die Menschen von Grund auf verändern, bei seinem Herzen ansetzen. Am Ziel ist sie noch lange nicht. Aber sie weiss heute, wo sie sich einzusetzen hat. Sie hat, wie ihr Vorbild Mutter Teresa formulierte, „ihr Kalkutta gefunden“.

Datum: 20.12.2003
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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