Daniel Santini

Auf der Suche nach Gerechtigkeit

Schlüsselübergabe. Besprechungen mit dem Elektriker. Interview. Heute ist ein bewegter Tag für Rechtsanwalt Daniel Santini. Die Räume seiner Advokatur sind hell und erfüllt vom Duft frischer Farbe. Ich bin sozusagen der erste Klient auf der Suche nach Gerechtigkeit in den altehrwürdigen Räumen aus dem 18. Jahrhundert.

Zoom
Daniel Santini
Santini konnte seine neuen Büroräume überraschend schnell und unbürokratisch mieten. Sie sind für ihn fast schon ein kleines Wunder. «Ich habe das grosse alte Herrschaftshaus aus der Zeit der Industrialisierung gesehen und mir vorgestellt wie ich hier meine Kunden empfangen und beraten könnte. Ich war zuerst etwas unsicher, ob ich nachfragen soll.» Doch dann rief Santini mutig beim Hauptmieter an und fragte, ob es im Haus Platz für einen Untermieter gäbe. Untermieter waren keine gesucht, aber ein ganzes Stockwerk werde wohl frei, sagte man dem Anrufer. Er solle doch mal direkt beim Besitzer nachfragen. Dieser wollte das Objekt tatsächlich gerade ausschreiben und liess sein Vorhaben kurzerhand fallen, als er vernahm, dass Santini die Räume für seine Advokatur mieten wolle. Santini konnte kaum glauben, wie schnell sich sein Traum erfüllte. Er wird die Räume, und damit auch die Kosten, mit zwei weiteren Dienstleistern teilen.

Gerechtigkeit und Menschenwürde

In unserem intensiven Gespräch wird schnell klar: Gerechtigkeit hat für Santini immer mit Menschenwürde, mit der Humanität, zu tun und mit dem Gedanken, dass der Mensch ein Ebenbild Gottes ist. «Aus dieser Ebenbildlichkeit entspringt sowohl Würde als auch Verantwortung», sagt Santini. Und er betont, dass sozial Handeln nichts mit Gleichmacherei zu tun hat. Es gibt Unterschiede. Gerechtigkeit ist nicht Gleichheit.

Das Prinzip «Alle gleich viel» funktioniert nicht. Schon gar nicht, wenn dabei Menschenwürde und Gottebenbildlichkeit missachtet werden. «Sobald dem Menschen die Würde oder die Verantwortung genommen werden, entsteht grosser humaner und auch wirtschaftlicher Schaden», betont Santini. Der Mensch darf nie als Sache oder Tier behandelt werden. Er muss immer in seiner Würde als Mensch ernst genommen und auch zur Verantwortung gezogen werden. Sachen kann man verkaufen, wegwerfen, schlicht würde- und wertlos behandeln. Die Auswirkungen der Entwürdigung des Menschen wurde und wird in der Geschichte immer wieder sichtbar: Die Römer z.B. haben ihre Sklaven zur Sache erklärt. Holocaust, Kommunismus, Faschismus ... Immer wieder in der Geschichte wurde den Menschen die Würde genommen. Immer wieder vergass man, dass vor Gott allen Menschen dieselbe Würde und Achtung zusteht. Reichen und Armen. Weissen und Farbigen. Gleichdenkenden und Andersdenkenden.

Interessenausgleich statt Sieg um jeden Preis

Die Würde des Menschen ist besonders auch in Konfliktsituationen sehr wichtig. Im Zusammenleben muss deshalb immer wieder ein Interessenausgleich gefunden werden. Mein Gesprächspartner mag die Formel «Wir sind ganz den Interessen unserer Mandanten verpflichtet» nicht, auch wenn sie oft auf der Homepage von Juristen zu finden ist. Viel lieber setzt er das Bild der Waage in den Mittelpunkt, den Ausgleich, die Balance. «Ich bin dem humanen Ausgleich verpflichtet, dem Recht, der Gerechtigkeit. Beide Parteien sollen am Ende mit dem Entscheid leben können. Dies geht ohne Verzicht und Entgegenkommen nicht.» Santini nennt als Beispiel die grossen Ungerechtigkeiten der Arbeiter zu Beginn der Industrialisierung. Sie führten zu grossen sozialen Unruhen. Die ausgebeuteten Arbeiter rebellierten. Sie fühlten sich unwürdig behandelt. In der Folge sind später Gewerkschaften entstanden. Es wurde verhandelt. Man suchte einen Interessenausgleich. Man gab den Arbeitern wieder Würde und Menschlichkeit. «Erst die Beachtung der menschlichen Würde in der Wirtschaft ermöglichte den sozialen und wirtschaftlichen Aufschwung in Europa. Nicht die Machtausübung, sondern das Miteinander führte zum Erfolg.» Der Interessenausgleich respektiert die Würde beider Parteien. Nach den Gräueln des Zweiten Weltkrieges entstand die europäische Menschenrechtskonvention, um künftig solche Verbrechen am Menschen zu verhindern.

Schlüssel zumwirtschaftlichen Erfolg

«Man sieht den Unterschied: Wo christlichhumanistische Grundlagen fehlen, werden auch heute noch Menschenrechte mit Füssen getreten. Berichte aus Dubai z.B. erschrecken Santini. Dort haben viele Bauarbeiter praktisch keinen Kündigungsschutz und miserable Lohnbedingungen. Obwohl ihre Herren über Ölmilliarden verfügen. Nicht viel anders sind die Arbeitsbedingungen in anderen Ländern ohne christliche Tradition: China, Indien, Bangladesch. Santini glaubt, dass die göttlichen Lebensgesetzen wie wir sie in der Bibel finden, Grundlagen jedeswirtschaftlichen Wachstums sind. «Man kann ausrechnen, dass sich Ausnützung auf Dauer nicht auszahlt. Die Achtung der Menschenwürde ist ein zentraler Schlüssel zum Erfolg. Göttliche Lebensgesetze können ohne negative Auswirkungen nicht ignoriert werden.» Gerecht im Sinne, dass es allen Menschen gleich gut geht, wird die Welt nie, da ist Santini realistisch. Aber er ist überzeugt, dass mehr Gerechtigkeit möglich ist, wenn Interessen ausgeglichen und die menschlicheWürde respektiert wird. Es geht ihm nicht ums Dogma. Starre Regeln und Meinungen – auch christliche – haben viel Vertrauen zerstört. Es geht Sanitini um die konkrete Kraft der christlichen Gedanken, um den Geist der Bibel, der dem Leben und Zusammenleben Menschenwürde verleiht.

Das Recht, ernst genommen zu werden

Aber auch in der Schweiz kommt es laut Santini vermehrt zu Missachtungen der Menschenwürde, indem Menschen das Recht, ernst genommen zu werden, vorenthalten wird. Durch die Überbeanspruchung unseres Sozialwesens, erhöht sich der Druck zu sparen. Santini sieht eine Tendenz, dass z.B. IV-Anträge zuerst abgelehnt, statt ernstlich geprüft werden. «Die Betroffenen haben ein Recht ernst genommen zu werden, ohne dass sie sich zuerst über Rechtsmittel wehren müssen, was sie meist ohne Anwalt nicht können.» Viele Betroffene wissen auch nicht, wie sie sich wehren können und welche Rechte ihnen zustehen. Das Recht auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn das Geld fehlt, kennen viele nicht. Und weil der Staat den Stundenansatz der Juristen individuell festlegen kann, sind an solchen Aufträgen nur wenige Anwälte interessiert. Ähnlich geht es Santini mit einem der neusten Bundesgerichtsurteile zum Schleudertrauma. Personen mit einem Schleudertrauma haben seit dem Entscheid kaum noch eine Chance auf eine Rente. «Diese Menschen können ihre zum Teil unerträglichen Schmerzen nicht auf einen Unfall bezogen beweisen, weshalb sie keine Rente erhalten» Die Schleudertraumapatienten haben so ihr Recht, in ihren Schmerzen und Behinderungen ernst genommen zu werden, verloren. Das ist für den Rechtsanwalt mit einem grossen Herz für Menschenwürde und für Gerechtigkeit schlicht menschenunwürdig.

Gott hat Gerechtigkeit vorgelebt

Die biblische Gerechtigkeit fasziniert Santini sehr. «In der Bibel wird beschrieben, wie Gott Gerechtigkeit mit der letzten Konsequenz umgesetzt hat. Gott gibt uns Würde. Er schenkt uns seine Liebe. Er schenkt uns Vergebung – in Jesus.» Der Tod von Jesus Christus am Kreuz ist für Santini der grösste Gerechtigkeitsbeweis. «Unschuldig stirbt Jesus für unsere Schuld. Mehr Respekt, mehr Würde kann uns Gott nicht geben.» Auch wenn es juristisch schwierig ist, Gerechtigkeit mit dem Wort Liebe auszudrücken, weiss mein Gesprächspartner letztlich keinen stärkeren Begriff, um das auszudrücken, was Gottes Gerechtigkeit für uns bedeutet. «Er hat schlicht alles gegeben: seine ganze Liebe, sein ganzes Leben. Er hat Gerechtigkeit und Liebe gelebt bis zur letzten Konsequenz.» Santini hat als junger Mann erlebt, wie ihn Christen würdevoll unaufdringlich behandelten. Sie nahmen ihn an. Sie teilten ihr Leben. Sie zeigten ihm, dass der christliche Glaube nicht aus der Umsetzung eines Regelwerkes besteht, sondern aus gelebter Liebe zu Gott und zu den Menschen. Er spürte die Würde, das Leben, die Kraft, die aus der Beziehung zu Gott entstehen. Diese menschenwürdigende Art gelebten Glaubens faszinierte ihn. Er begann sich mit dem Glauben und der Bibel auseinanderzusetzen und entdeckte die Kraft und Weisheit der Bibel. Er lernte die Texte der Bibel als spirituelle Lebensbotschaften zu verstehen, die den Weg weisen, die Antworten geben und unser Handeln prägen. Die Bibel ist für Santini deshalb hoch aktuell. «Es fasziniert mich immer wieder, zu entdecken, dass dieses alte Buch geniale Antworten auf aktuelle Fragen des Zusammenlebens in Familie, Staat und Wirtschaft hat.»

Glaube hat Zukunft

Glaube hat Zukunft, ist sich Santini sicher, weil er dem Leben Licht und Weisung gibt. Der engagierte Jurist will sich immer wieder selber von der Bibel prägen und inspirieren lassen. Er meditiert gerne Bibeltexte, lässt sie auf sich wirken, damit sie sein Leben und Denken prägen können. Santini will die Weisungen der Bibel ernst nehmen, weil sie gut sind und für Gerechtigkeit sorgen. Er sucht im Gebet den Kontakt zu Gott und will sich so inspirieren und leiten lassen. Seine Beziehungen zu Menschen mit sehr unterschiedlichem sozialem und wirtschaftlichem Hintergrund möchte er nutzen, um der Welt mehr Gerechtigkeit und Menschenwürde zu verleihen. Wenn sich reiche
und bedürftige Menschen persönlich begegnen, hat dies für ihn grosses Gerechtigkeitspotenzial. Er will sich dafür einsetzen, dass sich die von Gott gegebene Menschenwürde entfalten kann. In seiner Anwaltspraxis, in seinen Beziehungen, in seinen Freundschaften, denn Gerechtigkeit ist kein Wort für die Theorie. Sie will gelebt werden. Sie will dem Menschen echte Würde verleihen.

Diesen Artikel hat uns TextLive zur Verfügung gestellt.

Buch zum Thema:
Mit Werten führen. Erfolgsrezepte für Menschen in Verantwortung


Quelle: Textlive

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige