Chris Goswamis Geschichte

«Gott hat mich ernster genommen als ich ihn»

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Chris Goswami (Bild: privat)
Als junger Mann kam der ehemalige Hindu Chris Goswami mit dem Evangelium in Berührung. Er konnte wenig damit anfangen und versuchte halbherzig, Christ zu sein. Erst als sein Pfarrer ihn taufte, kam Bewegung in sein Leben und er realisierte: «Gott hat mich ernster genommen als ich ihn.»

«Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich wirklich schämte», erinnert sich Chris Goswami an seine Jugend. Seine Eltern waren aus Indien nach England emigriert und wollten ihren beiden Söhnen eine gute Ausbildung ermöglichen. Doch Chris zündelte lieber herum und war als Ladendieb unterwegs. Er wurde erwischt. Und die Tränen seiner Mutter zeigten ihm, dass er eine Grenze überschritten und sie schwer enttäuscht hatte. Während ein Polizist seine Fingerabdrücke aufnahm, dachte er an die hinduistische Regel des Karma: Du bekommst, was du verdienst.

Nette Christen, aber nicht überzeugend

In seiner ganzen Kindheit und Jugendzeit bewegte er sich nur unter Hindus. Daher erschien es Chris völlig klar, wie ein Christ aussehen musste: britisch und weiss. Erst im Studium lernte er Christen kennen und verbrachte Zeit mit ihnen. Er hielt sie für nett, für «Gutmenschen», aber ein wenig realitätsfern. Im Rückblick erzählt Chris, dass sie ihn trotz seiner Skepsis als «Projekt» adoptierten und ihm ihre Freundschaft schenkten.

Mit dem christlichen Glauben wurde er jedoch nicht warm. Die Idee der Gnade war nicht akzeptabel für ihn. Es ging doch nicht, dass jemand anderes für seine Fehler geradestand. Das harte Karma erschien ihm logischer. Ein Freund forderte ihn heraus: «Du kannst ewig über die Ungerechtigkeit des Kreuzes diskutieren, oder du kannst annehmen, dass dieser Jesus auch für dich gestorben ist, weil er dich liebt.»

Eine seltsame Bekehrung

Chris wollte diesen Gedanken eine Chance geben. Also sprach er ohne wirkliche Überzeugung ein Übergabegebet und versuchte, sechs Monate lang als Christ zu leben. Wenn Gott da wäre, dann müsste sich während dieser Zeit doch etwas tun… Es tat sich nichts. Chris lebte allerdings auch genauso weiter wie vorher. Er las weder in der Bibel noch betete er. Trotzdem verlängerte er seinen Versuch – erst auf zwölf, dann auf 24 Monate, hauptsächlich weil die Leute in seiner Kirchengemeinde so nett waren und er die Zeit mit ihnen genoss.

Schliesslich kam der anglikanische Priester seiner Kirche auf ihn zu und fragte ihn, ob er sich taufen lassen wollte. War das nicht etwas für Babys? Chris war sich unsicher. Doch der Priester liess nicht locker. Er erklärte ihm, dass die Taufe zum Glauben dazugehörte. Also liess Chris sich taufen. Die erste Taufe, die er erlebte, war seine eigene. Und obwohl es nur ein winziger Schritt des Gehorsams Gott gegenüber war, begegnete dieser ihm dabei.

Mehr als ein Experiment

Die direkte Folge der Taufe war eine andere als erwartet: Chris hängte sein Studium an den Nagel. Er wusste plötzlich, dass «etwas anderes» dran war. Aber was? Er bewarb sich an verschiedenen Stellen im Ausland und bekam schliesslich eine Stelle als Lehrer an einem indischen College: «Ich unterrichtete EDV ohne irgendeinen Computer», amüsiert er sich heute. Was hatte Gott mit ihm vor? Chris fühlte sich sehr allein, also nahm er Kontakt zu anderen Christen in der Gegend auf. Früher in England hätte er bloss über die Strasse gehen müssen, um einen Gottesdienst zu besuchen – das hatte er nur selten gemacht –, jetzt musste er dafür lange in einem überfüllten Bus fahren. Aber er tat es. Und die Geschwister dort hiessen ihn herzlich willkommen. Chris wuchs im Glauben, er lernte sogar den christlichen Teil seiner indischen Ursprungsfamilie kennen, und als er nach einem Jahr zurück nach England ging, hörte er immer wieder: «Wow, du bist völlig verändert.»

Gnade gewinnt

Diese Geschichte ist Jahrzehnte her. Längst ist Chris verheiratet und hat drei erwachsene Töchter. Lange arbeitete er für ein Telekommunikationsunternehmen, studierte aber parallel dazu Theologie. Heute ist Chris Goswami zweiter Pastor einer Bapistengemeinde. Karma – das, was man verdient – ist für ihn immer noch der Gegenspieler der Gnade. Aber wenn er zurückdenkt an sein scheinbar vorgezeichnetes Leben als Krimineller und an seinen seltsamen Weg hin zu Jesus, dann unterstreicht er bis heute: «Ich verstehe die Gnade immer noch nicht. Das Kreuz ist entsetzlich ungerecht. Ich vermute, dass ich es nie völlig begreifen werde, zumindest nicht in diesem Leben. Aber ich bin dankbar, dass ich Gott durch seine Gnade lieben und ihm mein Leben anvertrauen kann, auch wenn er und diese Gnade grösser sind als mein Verstand.»

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Datum: 16.07.2021
Autor: Hauke Burgarth / Chris Goswami
Quelle: Livenet / Christianity Today

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