Leben mit MS

«Der Rollstuhl ist nicht Endstation»

In seinem 40. Lebensjahr veränderte die Diagnose Multiple Sklerose (MS) das Leben von Peter Nef. Obwohl er heute im Rollstuhl sitzt, sagt er: «Ich bin gesund geworden!» Dabei bestätigt seine Ausstrahlung die innere Überzeugung.

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Esther und Peter Nef am Zürichsee
Esther Nef (62) arbeitet als Handarbeitslehrerin. Jeden Morgen steht sie um halb sechs auf und hat schon zwei Stunden gearbeitet, bevor sie zur Schule fährt. Denn nach dem Aufstehen gilt ihre ganze Aufmerksamkeit ihrem Mann Peter (63).

Das Leben der Krankheit angepasst

Esther Nef steht ihrem Mann zur Seite, damit er mit dem Rollator ins Badezimmer gehen kann. Dieses wurde so gestaltet, dass er sich selbstständig duschen und rasieren kann, wenn seine Verfassung es zulässt. Nach Frisieren und Gesichtspflege cremt seine Frau ihn ein und hilft ihm beim Anziehen. Nach dem gemeinsamen Frühstück stellt Esther ihrem Mann alles bereit, was er tagsüber braucht. Dann verlässt sie das Haus. Peter bleibt alleine, bis seine Frau nach Schule und Einkauf wieder nach Hause kommt.

«Ich gebe Peter im Gebet an Gott ab. So kann ich ihn gut loslassen», erzählt Esther. Am Abend, nach weiteren Haushalts- und anderen Arbeiten, kocht sie ein feines Essen, das die beiden bei einem guten Glas Wein geniessen. Gegen 22 Uhr hilft sie ihrem Mann ins Bett, dann bleibt noch ein bisschen Zeit für sie selbst. Ausgehen oder Gäste einladen liegt bei den Nefs nur noch selten drin. Dazu reichen die Kräfte meist nicht mehr.

Diagnose MS – der Anfang vom Ende?

Doch drehen wir die Zeit um ein paar Jahre zurück: ­Peter Nef war Ton- und Videotechniker, bildete sich zum Elektroingenieur weiter und eröffnete mit dreissig Jahren sein eigenes Geschäft. Er war sehr erfolgreich, hatte eine Familie mit zwei Söhnen. Ausserdem trieb er seit seiner Jugend viel Sport. Er ging täglich schwimmen, übte verschiedene Kampfsportarten aus, tanzte gerne.

Mit der Diagnose «Multiple Sklerose» brach seine Welt zusammen. MS ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie äussert sich bei jedem Betroffenen anders, von wenigen Erstbeschwerden bis hin zu einer schweren Behinderung. MS verändert das Leben eines Betroffenen und seiner Familie radikal. Über 10'000 Menschen sind in der Schweiz von dieser chronischen und medizinisch unheilbaren Krankheit betroffen, jeden Tag erhält eine Person die Diagnose MS.

Gedanken an Suizid treiben Peter um

Peter Nef wusste, dass seine Muskeln sich zunehmend versteifen und seine Feinmotorik abnimmt. Aber er wollte auf keinen Fall im Rollstuhl landen. Gedanken an Selbstmord plagten ihn. Als ihn eine Kollegin zu einem Alphalive-Glaubenskurs einlud, ging er nach langem Zögern hin. «Ich war der mühsamste unter den Teilnehmern», schmunzelt Peter Nef rückblickend. Er löcherte die Leiter mit tausend Fragen, wollte alles ganz genau wissen und hatte immer noch ein Wenn und Aber. Doch schliesslich war er überzeugt, die Wahrheit gefunden zu haben, und er verband sein Leben im Glauben mit Jesus Christus. Ein Wunder geschah: «Sofort waren alle Gedanken an Suizid weg. Ich hatte wieder Grund zu leben!»

Von da an nutzte ­Peter Nef jede Gelegenheit, seinen Glauben zu bezeugen; er verschenkte Bibeln und Alphalive-Büchlein an seine Kunden. Seine damalige Frau blieb seiner neuen Überzeugung gegenüber aber skeptisch. Ausserdem hatte sie nebst der Vorstellung, ihren einst so aktiven Mann pflegen zu müssen, grosse Existenzängste. All dies zusammen wurde zu viel. Es kam zur Scheidung.

«Nur keine Evangelisation!»

Auch Esther ist geschieden. Zwei Jahre nach der Trennung wollte sie wieder einen Schritt vorwärtsgehen und am Leben teilnehmen. Die damals 49-Jährige traf Peter. Trotz seiner ernsten Diagnose war sie von ihm fasziniert. Peter, damals fünfzig, hatte seinen Wunsch, wieder eine Frau zu finden, mit Gott besprochen. Mit Esther hatte er nun seine Traumfrau gefunden. Sie verkörperte alles, was er sich gewünscht hatte, bis auf eine Sache: Sie teilte seinen tiefen Glauben nicht. Als Esther sah, dass er die Bibel und christliche Bücher las, warnte sie ihn sogar: «Versuch ja nicht, mich zu evangelisieren!» Peter versprach es ihr, doch er bat die Freunde seines Hauskreises, mit ihm für Esther zu beten. Zudem liess er es sich nicht nehmen, das Alphalive-Büchlein offen herumliegen zu lassen.

Tag für Tag mit Gott unterwegs

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Peter Nef an einer Vernissage

Im Jahr 2003 heirateten Peter und Esther. Anfangs war Peter noch recht selbstständig. Geräte reparieren konnte er zwar nicht mehr, doch er fuhr mit dem Auto ins Geschäft, erreichte mit Hilfe von zwei Gehstöcken sein Pult und arbeitete dann von dort aus. Mit Esther zusammen ging er oft spazieren oder im nahen Zürichsee schwimmen. Heute sitzen sie nur noch am Ufer, nachdem sie mit dem Elektrorollstuhl hingefahren sind. Ferien bestehen hauptsächlich aus Ausruhen am Meer, Strandspaziergänge sind nicht mehr möglich. Trotzdem sind die beiden glücklich. Sie vertrauen auf Gottes Hilfe, jeden Tag neu. Peter arbeitet zu Hause am Computer, digitalisiert CDs, setzt die PCs von Bekannten neu auf. Alles braucht jedoch sehr viel Zeit. Esther fährt zur Erholung dreimal jährlich übers Wochenende weg, sie muss auf ihre Gesundheit achten. Dann übernimmt die Spitex Peters Betreuung.

«Ein Geschenk, gemeinsam unterwegs sein zu dürfen»

Einfach haben es Peter und Esther Nef nicht. Seine Krankheit schreitet voran. Aber im Gespräch mit den beiden spürt man, dass sie sich von Gott getragen, ja beschenkt wissen, weil sie gemeinsam unterwegs sein dürfen. «Vielleicht kann Gott mich so besser brauchen, als wenn ich gesund wäre», überlegt Peter. Natürlich wäre er gerne so fit und beweglich wie früher. Aber viel wichtiger ist ihm, dass Jesus sein Inneres heil gemacht hat und ihm eine Perspektive über dieses Leben hinaus schenkt. «Ohne die Krankheit hätte ich ihn nicht so kennengelernt. Durch ­Jesus bin ich richtig gesund geworden.»

Für Peter und Esther Nef ist es ungewohnt, in der ­Öffentlichkeit aus ihrem Leben zu erzählen. Während eines Gottesdienstes wurden sie interviewt. Dabei waren sie erstaunt, wie leicht es ihnen fiel, von Schönem und Schwerem zu berichten. Wenn sie damit Menschen ermutigen können, mit Jesus zusammen unterwegs zu bleiben, würden sie es wieder tun, sagen beide mit Überzeugung.

Zum Thema:
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Datum: 23.01.2015
Autor: Mirjam Fisch-Köhler
Quelle: idea Schweiz

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