Im Gespräch mit Parzany

«Wir müssen den Menschen Facts bringen!»

Anlässlich der «Go Conference» im Septemer schildert Ulrich Parzany in einer Zoom-Gesprächsrunde seine Sicht über Bedeutung, Inhalt und Vollmacht der Evangelisation. Livenet gibt eine Zusammenfassung.
Ulrich Parzany, Hauptredner der kommenden Go Conference (Bild: zVg.)
Ulrich Parzany, Stefan von Rüti, Gabriel Häsler (v.l.n.r.) in der Zoom Gesprächsrunde. (Bild: Youtube)

Sein Leben lang war Ulrich Parzany (*1941) als Evangelist unterwegs. Im Gespräch bezeichnet ihn Gabriel Häsler (Netzwerk Schweiz) als Glaubenshelden und für sein persönliches Leben als grosse Inspiration. Ebenfalls Teil des Gesprächs ist Stefan von Rüti, Leiter von ISTL.

Oft wird Ernsthaftigkeit des Evangeliums nicht erkannt

Parzany scheint nicht überzeugt, dass Evangelisation umkämpft ist. Auf jeden Fall sei sie aber vernachlässigt. «Es liegt daran, dass viele überhaupt nicht verstanden haben, dass es wirklich ernst ist und um Tod oder Leben geht.»

Bei Evangelisation gehe es um weit mehr als Gemeindewachstumsprogramme. «Es geht darum, dass Menschen für die Ewigkeit gerettet und mit Gott versöhnt werden und dass sie Jesus Christus kennenlernen, der allein der Versöhner mit Gott ist.» Wenn Christen diese Ernsthaftigkeit nicht begreifen, werden sie auch die Evangelisation nicht vorantreiben.

Was tun, wenn Menschen sich nicht als Sünder verstehen?

Gabriel Häsler erwähnt, dass vermehrt christliche Leiter darauf hinweisen, dass der heutige Mensch kein Verständnis von Sünde mehr hat und deshalb anders angesprochen werden sollte. Parzany erklärt daraufhin, dass Menschen noch nie etwas mit Sünde anfangen konnten. Bereits Adam und Eva konnten das nicht, aber trotzdem schämten sie sich. «Scham ist die Folge der Trennung von Gott. Und die Bibel nennt Sünde, dass wir Rebellen gegen Gott sind.»

Diese Rebellion kann sich auf unterschiedliche Weise ausdrücken, bei vielen heute gerade durch Selbstgerechtigkeit. «Es geht nicht um Schuldgefühle, sondern um den Fakt der Schuld. Das müssen wir den Menschen sagen. Auch ein Arzt lässt sich nicht vom Patienten die Diagnose vorlegen.»

Parzany brennt dafür, Versöhnung zwischen Gott und den Menschen zu bringen. Evangelium beinhaltet Jesus Christus, den gekreuzigten und wieder auferstandenen Herrn. Deshalb braucht es den Ruf, umzukehren und Jesus nachzufolgen.

Über Evangelisation und Sozialdiakonie

Dass Evangelisation und Sozialdiakonie zusammengehören, wie die beiden Flügel eines Vogels, kommentiert Parzany so: «Natürlich braucht ein Vogel zum Fliegen zwei Flügel und die Taten der Liebe und Barmherzigkeit gehören selbstverständlich zu einem Leben der Nachfolge an Jesus dazu. Taten der Liebe dürfen aber nicht mit Evangelisation verwechselt werden. Wir predigen nicht uns selbst und unseren Lebensstil, sondern Jesus als Herrn und Retter.»

Verkündigung ohne gelebte Barmherzigkeit bezeichnet Parzany als herzlose Propaganda, aber Barmherzigkeitstaten ohne Verkündigung wäre letztlich Selbstgerechtigkeit. Für Parzany gilt: «Sowohl die sozialen Taten, wie auch die Verkündigung des Evangeliums sind Taten der Liebe. Und das Evangelium ist das Beste, das wir den Menschen aus Liebe anbieten können.» Aber das eine ersetze nie das andere.

Über veränderte Zeiten und kraftvolle Verkündigung

Die Zeit und die Menschen haben sich verändert. «Wie können wir in unserer Zeit das Evangelium kraftvoll verkünden?», fragt Häsler. Brauchen wir neue Inhalte? «Als Inhalt geht es um Jesus Christus. Da gibt es keinen anderen Inhalt. Es gibt nur einen Weg zu Gott», hält Parzany weiter fest. «Aber es gibt eine Million Wege zu Jesus», und es gelte, immer wieder neue Wege zu finden. «Ob ein solcher Weg kraftvoll ist, ist eine Frage der Vollmacht, des Gebets und der Treue zu Gottes Wort. Vollmacht ist etwas, das der Herr schenkt.»

«Hat sich der Inhalt deiner Botschaft in den Jahren deines Dienstes verändert?», will Häsler weiter konkret wissen. «Das können andere besser beurteilen als ich», antwortet Parzany vorsichtig. «Ich lese ja nicht immer dieselben Manuskripte vor.» Bei jedem Anlass versuche er, das jeweilige Publikum anzusprechen. «Natürlich hat sich vieles verändert. Vor 50 oder 60 Jahren gab es all diese Religions- und Islamfragen noch nicht und technische Möglichkeiten haben den Rahmen stark verändert.» Doch dann kommt er zu einem betonten «Aber»: «Im Kern haben wir das gleiche Problem. Und wir laden zu einer persönlichen Beziehung mit Jesus ein und nicht zu einem System, einer Theologie oder einem Lebensstil.»

Die Go Conference findet am 11. September 2021 in Basel statt, wo Ulrich Parzany als Hauptsprecher noch sehr viel mehr zu sagen haben wird.

Hier können Sie sich den kompletten Talk mit Ulrich Parzany ansehen:

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Datum: 08.07.2021
Autor: Markus Richner-Mai
Quelle: Livenet

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