Stiftung Wendepunkt

Die Anwaltsfirma der Armen

Die Stiftung Wendepunkt ist ein christliches Sozialunternehmen. 600 Ausgesteuerten und Benachteiligten wird geholfen. Eine Tochterfirma baute sogar ein komplettes Wohnquartier mit 28 Häusern.
Hans-Peter Lang gründete den Wendepunkt. Er half schon vielen aus den wirtschaftlichen Problemen.
Die Stiftung Wendepunkt baut zehn Wohnungen für Menschen mit tiefem Budget. Sie wolle so den Staat entlasten. Bild: Spatenstich im Mai 2007.
In der Wendepunkt-Gärtnerei wird biologisch angebaut.
Schneiderei – hier werden beispielsweise Serienaufträge erledigt, wie etwa Etiketten einnähen.

«Wir sind Anwalt der Armen», sagt Hans-Peter Lang, Gründer und Leiter der Stiftung Wendepunkt. Was vor 15 Jahren klein begann, ist heute ein Unternehmen mit 600 Arbeitsplätzen. Eine Erfolgsgeschichte für Erfolglose. «600 Stellensuchende, Ausgesteuerte, psychisch Behinderte und Asylsuchende finden bei uns Arbeit. Wir bieten Tagesstruktur und gliedern die Menschen wieder in die Wirtschaft ein.»

Sozialer Wohnungsbau

Der Wendepunkt hat im Kanton Aargau drei Standorte: Muhen, Oftringen und Wettingen. Zum Sozialimperium zählen zwei Wohnheime, eine Kindertagesstätte und drei Tochterfirmen, die in der Stiftung Wendepunkt zusammengefasst sind: Die Doppelpunkt AG, Zimmerei, Malerei stellt einen Drittel der Belegschaft aus schul- und bildungsschwachen Jugendlichen an, wird aber nicht subventioniert, sondern arbeitet zu marktüblichen Preisen; und baute vor 10 Jahren im Auftrag der Stiftung Wendepunkt in Untersiggenthal ein Quartier mit 28 Häusern.

Zur Zeit werden in Muhen zwei Mehrfamilienhäuser im Auftrage der Stiftung erstellt. «Wir realisieren sozialen Wohnungsbau, in denen junge und alte Menschen WG-ähnlich zusammenleben. Das ist für die soziale Gesundheit und gemeinsames Verständnis besser, als die verschiedenen Generationen abzuschotten», sagt Lang.

Der Auftrag der Bibel – ohne Subventionen

Zum Wendepunkt gehört auch eine Personalverleihfirma und eine Fachschule für Sozialarbeiter. Lang: «Wir führen den Auftrag weiter, der früher in die Kirche eingebettet war.» Gleich vis-à-vis des Wendepunkts in Oftringen steht eine Asylunterkunft. «Die Bewohner können bei uns arbeiten und erhalten so eine Tagesstruktur. Das hilft uns und dem Staat. Es hat sehr gut ausgebildete Menschen dabei, junge, aus Afrika, die Arbeit suchen. Bei uns werden sie integriert und können Kurse machen. Wir werden dafür nicht subventioniert und müssen mit dem Erwirtschafteten rauskommen.»

Arbeit für Stellensuchende

Finalprodukte, die in Europa verkauft werden, werden durch den Wendepunkt verpackt. Man arbeite für viele Firmen und verpacke ein paar 100 bis mehrere 100'000 Einheiten pro Auftrag. «Wenn wir es nicht tun, macht man das nur noch im Ausland. So aber haben Stellensuchende, Arbeitslose und Ausgesteuerte einen Job – die Hälfte der Arbeitslosen und ein Drittel der Ausgesteuerten finden danach eine Stelle.»

Die Wende

Eine von ihnen ist Adelheid. Eine Momentaufnahme: «Ich lebe alleine, hatte 20 Jahre eine Männerbekanntschaft, aber wir konnten es nicht so zusammen. Daheim spielte ich oft Piano. Der Wendepunkt änderte viel. Früher sprach ich wenig, nun war ich mitten unter Menschen. Das tat gut, ich kam besser durchs Leben und konnte Probleme einfacher lösen. Und an Weihnachten hatte ich das Bedürfnis, in die Kirche zu gehen.

Ich wurde zugänglicher, ruhiger und weniger aggressiv gegen Andersdenkende. Auch hörte ich auf zu rauchen, bin nun weniger nervös, kann besser schlafen und ich erhalte Kraft. Es ist ein neuer Weg den ich eingeschlagen habe. Ich spüre, dass ich hier Kraft erhalte. Der christliche Hintergrund tut mir gut, die Mitarbeiter haben dadurch eine gute Basis, die ich annehmen kann, ich möchte das für mein Leben auch, man kann es so besser bewältigen – ich kriege Kraft durch meine Chefs. Auch legt man sich hier keine Steine in den Weg.»

Details zur Person:

Hans-Peter Lang, 59 aus Aarau ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kids und sechs Enkel. Vor 15 Jahren gründete der Bauunternehmer die Stiftung Wendepunkt. In der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) leitet er die Arbeitsgruppe «Soziales Engagement in der Schweiz» und er präsidiert das «Netzwerk christlicher Institutionen der sozialen Arbeit». Sein Glaube treibt ihn an: «Wir Christen müssen Salz sein. In einer Hand die Bibel, in der anderen die Schaufel.»

Datum: 18.07.2007
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

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