Sudanesischer Pastor befreit

Unterschriften öffnen Gefängnis-Tore

Das Beispiel des Pastors Hassan Abduraheem ermutigt. Durch die Unterschriftensammlung und eine Postkartenaktion gelang es, den Inhaftierten auf freien Fuss zu bringen. Dahinter stecken auch viele diplomatische Beziehungen und aufopferndes Engagement der Hilfswerke.
Hassan Abduraheem
Petr Jašek
Graziella Rogers

Der Generalsekretär der Sudan Church of Christ, Pastor Hassan Abduraheem, ist seit Frühjahr 2017 wieder auf freiem Fuss. Der Präsident des Sudan hat ihn, motiviert durch die internationalen Proteste, begnadigt.

Hassan Abduraheem befand sich seit Dezember 2015 im Gefängnis, wo er teilweise völlig von der Aussenwelt isoliert wurde. Am 18. Dezember 2015 verhaftet und im Januar 2017 aufgrund des Vorwurfs von Spionage, Verschwörung gegen den Staat und anderer Vergehen angeklagt, wurde er zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

AVC und weitere Organisationen trugen dazu bei, seine Freilassung zu bewirken; aufgrund der grossen internationalen Aufmerksamkeit wurde zunächst der im gleichen Fall verhaftetet Tscheche Petr Jašek begnadigt.

Politische Postkarten und mehr

«Normalerweise sind solche Protest- und Unterschriftaktionen, wie wir sie bei Pastor Hassan benutzt haben, nicht unsere Kernkompetenz. Es gibt andere Hilfswerke, die das auf internationaler Ebene stärker und professioneller machen können. Wir konzentrieren uns darauf, die Verfolgten und vor allem auch deren Angehörige in ihren Herausforderungen zu unterstützen. Wir schaffen Perspektive für Bildung und Jobs und kümmern uns um die Nothilfe und die finanzielle Versorgung. Wir wollen uns mit solchen Aktionen die Möglichkeit nicht verscherzen, in den Ländern bleiben und helfen zu können», so Graziella Rogers, Mitverantwortliche PR, Events und Jugend von AVC Schweiz. AVC steht für «Aktion für verfolgte Christen und Notleidende». Anstoss zur Gründung gab die Situation der verfolgten Christen hinter dem Eisernen Vorhang.

Sudan, ein heftiger Hotspot

In nur wenigen Ländern der Welt ist die Verfolgung von Christen so gross wie im Sudan. Die geschätzten zwei Millionen Christen sind Anfeindungen und Angriffen ausgesetzt. Wie in anderen muslimischen Ländern, ist auch dort die Konversion vom Islam zum Christentum lebensgefährlich. Und tatsächlich hatte Abduraheem auf einer Konferenz das Foto eines jungen Mannes gezeigt, der bei einer Demonstration misshandelt und verletzt wurde. Der Entwicklungshelfer Piotr Jašek bot spontane Hilfe an. Kurz darauf wurden die an der Hilfsaktion Beteiligten verhaftet.

Graziella Rogers weiter zu den befreienden Unterschriften und Hilfsmitteln: «Wir haben uns auch 2014 für Farshid Fathi (Iran) eingesetzt. Für diese Aktion sind alleine durch AVC Schweiz (es war eine Zusammenarbeit von AVC Schweiz, Deutschland und Österreich) mehr als 5'‘000 Unterschriften zusammengekommen. Heute ist Farshid frei.

Internationaler Druck kann oft die Gefängnisbedingungen und die Behandlung von Insassen durch Gefängnismitarbeitende verbessern. Die Wärter entwickeln einen wachsenden Respekt den jeweiligen Insassen gegenüber, wenn sie merken, dass diese internationales Aufsehen auf sich ziehen.

Spürbarer Gebets-Wind im Gefängnis

Jeder Christ kann sich an der Hilfe beteiligen. So berichtet ein Iraner, der vor Kurzem freigelassen wurde, dass er im Gefängnis Windstösse spürte, und glaubt, dass dies immer der Fall war, wenn jemand für ihn gebetet hatte. Wir hören von Wundern wie Freilassungen, Verschonung von Folter, Verbesserung der Haftbedingungen, übernatürliche Kraft, Dinge zu ertragen – für die Insassen ganz klare Auswirkungen von Gebeten.

Es gibt auch die Möglichkeit, sich mit Unterschriften und Protestaktionen Gehör zu verschaffen. Und man kann auch für Hilfsorganisationen spenden, die sich für solche Menschen einsetzen. Denn es braucht viel Energie und Zeit, sich in solchen Ländern ein Netz aufzubauen, welches die Arbeit unter Verfolgten überhaupt möglich macht, ohne diese Menschen zu gefährden.»

Vielfältige Erfahrungsberichte gibt es «live» am 30 Jahre AVC Jubiläum vom 25. August 2018. Weitere Vorträge unter avc-ch.org.

Weltweiter Gebetstag für verfolgte Christen

Der «Sonntag der verfolgten Kirche» ist ein gemeinsames Projekt von sieben Organisationen, welche in der SEA-Arbeitsgemeinschaft für Religionsfreiheit zusammengeschlossen sind. Der nächste Sonntag der verfolgten Kirche findet am 11. und am 18. November 2017 statt.

Zur Webseite:
verfolgung.ch

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Datum: 19.07.2017
Autor: Roland Streit
Quelle: Livenet

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