Ferien – allein?

Der berühmteste Single der Welt

Zoom
Alle Welt redet von der Familie, auch und gerade zur Ferienzeit. Schön und gut – aber was ist mit Ihnen, wenn Sie Single sind?

Christen werden in der Gesellschaft als Vertreter und Verteidiger von Familie wahrgenommen, und das hat auch gute Gründe. Aber lange nicht jeder lebt in einer Familie (geschweige denn in einer funktionierenden). Immer mehr Menschen leben heute allein, ob freiwillig oder nicht. Über ein Drittel der Schweizer Wohnungen sind Single-Haushalte, 36 Prozent der Bevölkerung ist alleinstehend.

Bei all dem wichtigen Raum, den der «Normalfall Familie» in christlichen Gemeinschaften einnimmt: Was ist mit den Singles in der Gemeinde (Männer und Frauen jeder Altersgruppe)? Vergessen wir manchmal, dass der Gründer des Christentums Single war? Jesus war nicht verheiratet. Es ist interessant, was gerade Singles von ihm lernen können. Hier einige Punkte, kurz angetippt.

Single-Sein ist nicht langweilig

Jesus hat ein sehr interessantes Leben gelebt. Er sah darin einen Sinn, lebte seine Berufung und Beziehungen, er hatte Freunde und Feinde – alles, was das Leben lebenswert macht. Keine direkte Familie zu haben, muss kein fades Leben bedeuten. Sie können als Single ein prallvolles, interessantes und sinnvolles Leben führen.

Gute Beziehungen

Jesus umgab sich mit Freunden, die er sich persönlich aussuchte. Er lebte zuerst lange in seiner biologischen Familie, dann ein paar Jahre kommunitär. Wohn- und Lebensgemeinschaften kommen heute nicht umsonst wieder sehr in die Mode. Umgeben Sie sich mit guten Freunden und Freundinnen, lassen Sie andere an Ihrem Leben teilnehmen und nehmen Sie an deren teil!

Balance zwischen männlich und weiblich

Was bei Jesus auffällt (und was ihn wahrscheinlich vom durchschnittlichen Rabbi unterschied) ist die Tatsache, dass er sich mit Männern und Frauen umgab und Freundschaft mit ihnen pflegte. Wahrscheinlich spürte Jesus, dass beides zum Leben dazugehört: männliche und weibliche Freunde. Er wanderte, lebte und lachte mit Männern und Frauen und hatte letzteren  gegenüber keine Berührungsängste.

Mit sich selbst allein sein können

Jesus lebte eine intensive Balance zwischen Zeiten mit seinen Freunden, Zeiten in der Menge – und Zeiten allein. Man hat den Eindruck, dass er sich diese Momente oft erkämpfen musste. Wenn Sie Single sind, nutzen und geniessen Sie die Zeiten, in denen Sie ganz allein mit sich selbst und mit Gott sein können. Viele Familienmenschen kennen solchen Zeiten fast nicht.

Einsamkeit

Allein und einsam ist nicht dasselbe. Einsamkeit schmerzt. Jesus erfuhr Einsamkeit in Momenten, wo er sich nach Gemeinschaft gesehnt hätte, so etwa im Garten Gethsemane, als er seinen schwersten Kampf durchlitt. «Könnt ihr nicht eine Stunde mit mir wachen?», klagte er seinen Freunden. Und in seiner letzten und grössten Einsamkeit – eine, die wir dank Ihm nie durchmachen müssen – schrie er am Kreuz: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» Wenn Sie als Single tief einsam sind, dürfen Sie wissen, dass Jesus dieses Gefühl kennt und es selbst durchlitten hat. 

Missverstanden werden

Single zu sein, kann bedeuten, dass man/frau nicht verstanden wird. Wer kennt mich im Tiefsten? Genau das ist Jesus häufig passiert – bis heute übrigens. Seine Zeitgenossen haben sein Reden und Handeln oft nicht begriffen. Wegen seiner Beziehung zu seinem Lieblingsjünger Johannes wird er homoerotischer Neigungen verdächtigt, und bis heute wird ihm Maria Magdalena als heimliche Geliebte angedichtet. Auch hier: Als Single haben Sie mit Jesus einen persönlichen Freund, der weiss, wie es sich anfühlt, wenn man missverstanden wird.

Der Vater

Der tiefste Grund aber, dass Jesus mit seinem Single-Sein gut leben konnte, war seine intensive Beziehung zum Vater. Das war sein und das ist unser letzter Lebensanker. Egal, ob Sie Familie haben oder Single sind: Die persönliche Beziehung zu Gott, dem Vater ist das, was uns vor der letzten Einsamkeit bewahrt, die man in jedem Zivilstand erleben kann. «Du hast uns für dich geschaffen», sagte der Kirchenvater Augustin. Es gibt ein gottförmiges Loch in unserem Herzen, und das können Familie, Partner, Geliebte/r, Freunde und Freundinnen nicht ausfüllen, nur Gott selbst. Um Schuld zu vergeben, Trennendes wegzunehmen und uns mit dem Vater eine tiefe Beziehung zu ermöglichen, dazu liess sich Jesus aufs Kreuz legen. Aus dieser letzten Vater-Beziehung heraus kann auch ein Single heute ein volles und reiches Leben leben und viele andere Menschen beschenken.

Zum Thema:
Mehr über die Beziehung zu Gott, dem Vater erfahren
Nach Scheidung oder Tod: Wieder allein – was jetzt?
Die Eltern hassen?: Es gibt Wichtigeres als die Familie
Kellers Ehebuch: Eine holprige Strasse ins Eheglück

Datum: 11.07.2019
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Jesus.ch

Kommentare

Ein sehr schön geschriebener Artikel zur Gleichwertigkeit von single und verheiratet. Das Christentum hat mit der Bibel - siehe auch Paulus‘ Ausführungen - zu beiden Lebensformen ein kräftiges Ja. Dabei wird weder die Ehe idealisiert (Bürgertum v.a. seit dem 19. Jh. mit Unterhaltungsliteratur, später auch die Filmindustrie) noch das Alleinsein (Griechisches Denken mit Leibfeindlichkeit, Mönchsideal und katholischem Zölibat). Ersteres führte dazu, dass Unverheiratete bis weit in unsere Zeit als Sonderlinge galten/gelten. Letzteres verkennt völlig den Wert von Familie und Beziehungen. Doch Gott gibt keinem vor dem anderen den Vorzug.

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige

RATGEBER

Der Blick in den Spiegel Note «ungenügend»
Selbstbewusstsein hat viel damit zu tun, wie wir zu unserem Körper stehen. Es gibt nicht viele, die...