Probleme mit dem Selbstwertgefühl

Wer oder was bin ich nun wirklich?

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Manchmal fühle ich mich ganz klein und unbedeutend. Manchmal aber denke ich, dass ich unentbehrlich und unschlagbar bin. In mir leben eine Hochstaplerin und auch eine Tiefstaplerin.

In meiner Bibel habe ich ein Buchzeichen, auf dem steht: «Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.» Das Wort Gnade beschäftigt mich seit vielen Jahren. Als unsere Kinder noch klein waren und ich ihnen solch schwierige, abstrakte Begriffe erklären musste, wählte ich für Gnade eine Erklärung aus unserem Alltag:

Bei Tisch gab es mit unseren drei kleinen Mädchen ständig theaterreife Szenen, denn sie wollten fast nichts essen. Eigentlich hatten wir den Grundsatz, dass von allem ein ganz klein wenig gegessen wird. Doch wenn das einmal gar nicht durchsetzbar war, nahm ich der kleinen Verweigererin den Teller mit den Worten weg: «Also gut, dann bin ich halt gnädig!» So hatten sie wenigstens etwas gelernt, nämlich was Gnade ist! Wenn Gott nicht Gnade mit uns hätte, wären wir kläglich dran!

Mein Selbstporträt

Das Buchzeichen in meiner Bibel hat grosse Bedeutung für mich. Paulus sagt in 1. Korinther 15,10 genau diesen Satz über sich: «Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.» Man kann das als Hochstaplerei oder als Tiefstaplerei verstehen. Ich leite für mich daraus die Fragen nach meinem Selbstporträt ab: Wie sehe ich mich?

Manchmal sehe ich mich ganz klein, fühle mich unfähig und mag das, was ich denke, gar nicht sagen. Mir scheint, es habe keinen Sinn und keinen Wert. Manchmal aber nehme ich mich wichtig, fühle mich stark, unentbehrlich und unschlagbar. So unterschiedlich sehe ich mich. In dieser Spannung lebe ich.

Wenig niedriger als Gott

Es gibt zwei Bibelstellen, die mir in diesen unterschiedlichen Stimmungen hilfreich sind:

  • Wenn ich mich gering und wertlos fühle, begleitet mich das Wort aus Psalm 8: «Du hast den Menschen wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.» Das ist wie ein Halteschild! Halt, mach dich nicht klein! Auf dich zählen Menschen und zählt Gott. Du bist wertvoll.
  • Wenn ich das Gefühl habe, ich sei unentbehrlich und unschlagbar, dann braucht es das andere Halteschild aus Psalm 103,14 und 15: «Des Menschen Leben gleicht dem Gras, er blüht wie eine Blume auf der Wiese: Ein heisser Wind kommt - schon ist sie verschwunden, und wo sie stand, bleibt keine Spur zurück.» Dieser Vers holt mich zurück und macht mir bewusst, wie unbedeutend das ist, was ich zum Leben beitragen kann.

Mit Gott unterwegs

Der Satz: «Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin» bringt mich gewissermassen ins Lot. Ich habe eine ganz persönliche Geschichte, die mich geprägt hat. Aus dieser Geschichte und meinem Charakter ist das entstanden, was ich heute bin - und dazu darf ich Ja sagen. Ich lebe mit Hochs und Tiefs, und ich werde nicht so bleiben, wie ich heute bin - ich bin nicht fertig. Gott ist mit mir unterwegs, und er formt und prägt mich weiter. Weil er mit mir dran ist, kann ich aus einer tiefen Gelassenheit heraus sagen: «Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.»

Gnädige Augen

Es tut gut, so angesehen zu werden, zu wissen, dass mein Gott mich mit seinen gnädigen Augen ansieht. Dass er mich - ich sage es mit einem alten Wort, das für Gnade steht - huldreich ansieht auf meiner Suche nach dem Sein.

Buch zum Thema:
Selbstwert entwickeln. Spirituelle Wege zum inneren Raum
Du bist einmalig (Kindergeschichte - auch für Erwachsene)
Gott findet, du bist wunderbar 


Autor: Esther Reutimann
Quelle: Chrischona Magazin

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