Einmaliger Vorgang

Berner Regierungsrat bittet Täufer um Verzeihung

Der Berner Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) hat sich im Namen des Staates bei den Mennoniten für das Leid entschuldigt, das «die Berner Obrigkeit den Täuferinnen und Täufern über die Jahrhunderte verursacht hat».

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Der Berner Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) hat sich im Namen des Staates bei den Täufern entschuldigt.
Anlass war eine Zusammenkunft der Kirchgemeinde Münster und der Mennonitengemeinde im Berner Rathaus an der Nacht der Religionen am 11. November. Die beiden Gemeinden führten den Anlass zum Thema «Zeit der Verfolgung – Zeit der Versöhnung – Zeit für Frieden» gemeinsam durch. Sie erarbeiten zur Zeit auch einen Stationenweg zur Geschichte der Täufer.

Die Täufer wurden als «Feinde der staatlichen Ordnung» gesehen

«Wir sieben Regierungsrätinnen und -räte geben tagtäglich unser Bestes für die Bevölkerung unseres Kantons, und doch treffen auch wir manchmal Entscheidungen, die sich im Rückblick als Fehler erweisen», erläuterte Neuhaus und führte anhand zahlreicher Beispiele von der Bibel bis heute aus, wie der Mensch seine Unschuld verliert, sobald er Verantwortung übernimmt. «Je länger der Fluss der Menschheitsgeschichte fliesst, umso mehr mischt sich ins reine Wasser der Quelle auch Sand und Steine und Geröll mit ein.»

Für die Täufer sei die Kirche keine von der Berner Obrigkeit geleitete Institution gewesen, sondern die «Gemeinschaft der Gläubigen», in der die persönliche Entscheidung zählte. Das habe sie in einen tiefen Gegensatz zum Staat gebracht, der eine Kirche wollte, die alle umfasste und für alle als verbindlich galt. «So begann der Staat, die Täufer als Feinde der staatlichen Ordnung zu betrachten und zu bekämpfen – eine tiefe Tragik zieht sich durch das Geschehen», so Christoph Neuhaus.

«Wir sehen, was gewesen ist»

«Wie könnten Sie und ich leben, wenn es die Bitte um Vergebung nicht gäbe?», fragte der Regierungsrat. «Wie es uns das 'Unser Vater' lehrt, bitte ich Sie – als Berner Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor, aber auch als Mensch – in aller Schlichtheit heute Abend um Verzeihung für all das, was den Täuferinnen und Täufern in unserem Kanton zu Leide getan wurde. Kein Mensch kann rückgängig machen, was einmal getan wurde. Aber wir können sehen, was gewesen ist. Es aufnehmen, anstatt zu verdrängen. Es als unsere gemeinsame Geschichte anerkennen, anstatt von uns abzuspalten.»

Berührende, noch nie gehörte Worte

Solch klare Worte der Anerkennung des geschehenen Unrechts habe es auf politischer Ebene des Kantons Bern noch nie gegeben, so das Fazit von Dorothea Loosli von der Mennonitengemeinde Bern. Es sei ein emotionaler Moment gewesen, der tief berührte. Die Anwesenden hätten diese unerwarteten Worte dankbar entgegen genommen. Hoch erfreut und dankbar möchte nun die Konferenz der Mennoniten der Schweiz, voraussichtlich bei der Eröffnung des Stationenweges im Frühjahr 2018, diese Bitte um Vergebung offiziell würdigen. Der Stationenweg soll an das Geschehene erinnern und konkrete Stationen der Täuferverfolgung sichtbar machen. Gleichzeitig soll er als Mahnmal und Anstoss dienen, dass Glaube frei und unantastbar respektiert werden muss.

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Datum: 20.11.2017
Quelle: Livenet / idea Spektrum Schweiz

Kommentare

Sich für vergangenes Unrecht entschuldigen und um Verzeihung bitten, ist Grösse, und nicht Schwäche. Auch wenn Vorfahren dieses Unrecht getan haben, zeugt es von Würde und Achtung, dass Nachfahren dafür gerade stehen wollen und um Verzeihung bitten. Wenn dies ein Regierungsrat tut, ist dies ein Bekenntnis zu Religionsfreiheit, welche auch Luther propagiert hat. Religionsfreiheit ist offenbar für viele politische Akteure eine Gefahr, weil sie sich beobachtet und in ihrem Handeln eingeschränkt fühlen. Pflegen und bewahren wir Offenheit, Ehrlichkeit und Wahrheit, auch im religiösen Bereich. Religionsfreiheit ist ein sehr Wertvolles Gut.

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