Debatte zu Homosexualität

Relevantes und biblisches Christsein

«Darüber sind wir als Leiter im Gespräch», meint Brian Houston, Gründer und Pastor der Hillsong-Gemeinden, in denen sich wöchentlich 30'000 Christen versammeln, und die Millionen von Worship-CDs verkauft. Er ergänzt: «Wir sind unterwegs.» Diese einfachen Sätze rufen heftige Reaktionen hervor. So heftige, dass man ahnt, es kann nur um ein Thema gehen: Homosexualität. – Ein Kommentar von Hauke Burgarth.

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v.L Sohn Joel Houston, Ehefrau Bobbie Houston, Pastor und Gründer der Hillsong-Gemeinden Brian Houston und Pastor Carl Lentz an der Pressekonferenz.
Brian Houston wird während einer Pressekonferenz am Rande der Hillsong-Konferenz in den USA gefragt, was er bzw. die Hillsong-Gemeinden von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften halten. Die oben wiedergegebene Antwort der Medien löst eine Welle der Empörung aus. Viele Christen empfinden, dass er nicht klar genug Stellung gegen Homosexualität bezogen hätte. Offensichtlich hat Houston das auch nicht gewollt. Trotzdem rudert er zurück.

Die Welt ändert sich

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Wöchentlich versammeln sich 30'00 Christen in der Hillsong Gemeinde
Pastor Houston erklärt: «Es ist eine Herausforderung für Kirchen und Gemeinden, relevant zu bleiben. Denn viele Gemeinden bleiben bei dem, was sie für die lang bewährte biblische Sicht von Homosexualität halten. Aber die Welt um sie herum hat sich verändert.» Er ergänzt: «Dies ist eine leidige Sache. Wie wird man hier nicht zum Aussenseiter?» Seine Bedenken sind verständlich, denn wer Menschen von Jesus wegtreibt, kann sie nicht gleichzeitig für ihn gewinnen.

Carl Lentz, Pastor der New Yorker Hillsong-Gemeinde, wird wesentlich deutlicher, wenn er erklärt, dass in seine Gemeinde «viele homosexuelle Männer und Frauen» kommen, und hofft, dass dies so bleibt. Auch er lehnt es allerdings ab, dies als öffentliche Erklärung herauszugeben, «weil Jesus so etwas auch nie tat».

Christen wollen ihren Glauben im Hier und Jetzt leben

Man macht es sich zu leicht, wenn man denkt: Wieder Christen, die dem Zeitgeist verfallen und deswegen ihre Moral über Bord werfen. Der Umgang mit Homosexualität oder ein wasserdichtes Statement, das scheinbar der Sache, aber auf keinen Fall den betroffenen Menschen gerecht wird, war und ist nie das Hauptanliegen der Gemeinde.

Houston unterstreicht drei Aspekte, die bei der Auseinandersetzung mit dem Thema wichtig sind: «Die Welt, in der wir leben, die Last, mit der wir leben, und das Wort, durch das wir leben.» Und er nimmt wahr, dass viele Kirchen und Gemeinden ihre Überzeugungen im Moment neu überprüfen. Sie wollen biblisch sein – und relevant.

Ist Zurückrudern nötig?

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Hauke Burgarth
Die Äusserungen von Brian Houston rufen in den USA eine Welle der Empörung hervor. Und – ob unter dem Druck der christlichen Öffentlichkeit oder aus Überzeugung – Houston rudert zurück. Er gibt bekannt: «Auf keinen Fall wollte ich durch meine Antwort die biblische Wahrheit abschwächen oder andeuten, dass ich oder Hillsong homosexuelle Partnerschaften unterstützen würde… Meine persönliche Meinung zum Thema Homosexualität liegt auf einer Linie mit den meisten traditionell evangelikalen Ansichten. Ich denke, die Schriften von Paulus zu diesem Thema sind deutlich.»

Das hört sich ähnlich an wie bei World Vision. Die Verantwortlichen im US-amerikanischen christlichen Hilfswerk geben im März dieses Jahres bekannt, dass sie nach reiflicher Überlegung und viel Gebet zu dem Schluss gekommen sind, auch Homosexuelle zu beschäftigen. Daraufhin rufen etliche evangelikale Christen zum Boykott des Werkes auf und innerhalb von 24 Stunden verlieren 2'000 Kinder ihre Paten. Noch einmal 24 Stunden später rudert der Leiter Richard Stearns zurück: «Unser Vorstand hat erkannt, dass diese Richtungsänderung ein Fehler war.»

I have a dream …

Die Bibel ist übrigens Basis der früheren Versklavung von Millionen Afrikanern. Hartnäckig hält sich das Vorurteil, dass diese quasi zum Dienen bestimmt sind. Als Nachkommen von Noahs Sohn Ham stehen sie für viele Christen unter dem biblischen Fluch: «Verflucht sei Kanaan und sei seinen Brüdern ein Knecht aller Knechte!» (1. Mose 9,25) Jahrhundertelang gilt diese Auffassung als «biblisch» – inzwischen argumentiert zum Glück niemand mehr so.

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Martin Luther King
Ich weiss nicht, wie wir als Christen in 100 Jahren über Homosexualität denken werden, aber ich glaube nicht, dass Angstmache, starke Sprüche oder ein Verweis auf «biblisches» Denken bei unserer heutigen Auseinandersetzung damit hilfreich sind. Eher eine neue Unvoreingenommenheit, ein Fragen: «Gott, was sagst du dazu?»

Als Martin Luther King seine berühmte Rede «Ich habe einen Traum…» hält, ist alles, was er darin sagt, reine Utopie. Heute ist ein Afroamerikaner Präsident der Vereinigten Staaten. Auch ich habe einen Traum. Den Traum, dass wir als Christen es eines Tages schaffen, unseren Glauben wirklich an der Bibel auszurichten, statt «biblisch» als Kampfruf und Abgrenzung zu missbrauchen. Auch im Umgang mit Homosexualität.

Zum Thema:
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Datum: 22.10.2014
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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