Licht in den Gefängnissen Floridas

Im US-Bundesstaat Florida setzt die Justiz zunehmend auf Religion, um Strafgefangene zu rehabilitieren. Seit 1999 wurden in neun Gefängnissen Sonderabteilungen mit religiösen Erziehungsprogrammen eingerichtet. Im Dezember wurde das Gefängnis in Lawtey im Norden Floridas als erstes in den USA unter Gottes Leitung gestellt. Gouverneur Jeb Bush sagte zu diesem bisher einzigartigen Schritt, damit bekämen die 800 Insassen die Gelegenheit, „über die wunderbare Liebe unseres Herrn Jesus nachzudenken“.

In einem Bericht unter dem Titel „Religion als Rehabilitation“ beschreibt Jane Musgrave von der Palm Beach Post einen rockigen (katholischen) Häftlingsgottesdienst im Everglades-Gefängnis. Everglades-Gefängnisseelsorger wiesen gegenüber der Reporterin darauf hin, dass die Häftlinge frei seien, über den Gott ihrer Wahl nachzusinnen. Oder auch über eine letzte Instanz. Es gehe dabei um Werte, die zu einem Neubeginn beitragen. Aber dass religiöser (vor allem christlicher) Eifer mit dem Ziel, Menschen aus Bindungen zu lösen, hinter den Neuerungen steht, wird nicht bestritten.

Obligatorischer Religions- und Sittenunterricht

In der religiösen Abteilung im Everglades-Gefängnis werden am Vor- und Nachmittag obligatorische Stunden mit religiösen Inhalten gehalten. Die Abendgottesdienste sind fakultativ. Von 1600 Häftlingen haben sich 128 für das Programm entschieden.

Die Vorteile sind beträchtlich: Sie werden am Abend im Unterschied zur Mehrheit nicht in ihre Zellen eingeschlossen, sondern können sich in grossen Räumen aufhalten, fernsehen, spielen oder sich miteinander unterhalten. In den feuchtheissen Sommermonaten werden diese Räume besser gekühlt. Wegen dieser Bevorzugung wird das seit zweieinhalb Jahren laufende Erziehungsprogramm von Organisationen kritisiert, die für eine strikte Trennung von Staat und Religion kämpfen.

Statt Bitterkeit Hoffnung

Doch die Seelsorger betonen, dass die Insassen bereit sind, sich ernsthaft mit Religion zu befassen – der öde, hart kontrollierte und nicht selten brutale Alltag hinter Gitter lässt sie nach einem Ausweg suchen. Manuel Moran, der wegen bewaffneten Überfalls fünf Jahre aufgebrummt bekam, suchte inneren Frieden; „ich meldete mich freiwillig fürs Programm, um wegzukommen von der Sinnlosigkeit, die unter den Gefangenen im allgemeinen herrscht. Ich wollte wegkommen von den Typen, die ihren Lebensstil nicht ändern wollen – sie reden negativ und handeln negativ.“

Als Muslim hat Moran nicht denselben Nutzen wie seine christlichen Mitgefangenen, doch er äussert sich begeistert über das Programm: „Beautiful!“ Er habe in dem einen Jahr gelernt, Verantwortung zu übernehmen, sagt er – und wandelt gleich das berühmte Wort von John F. Kennedy ab: „Frag nicht, was das religiöse Programm für dich tun kann, frage vielmehr, was du für dich selbst tun kannst.“

Datum: 20.01.2004
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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