Frauen

Befreit von neuen Zwängen

Wir sind nicht Huren, wir sind nicht Madonnen - wir sind Frauen! definierten italienische Feministinnen in den siebziger Jahren ihr neues Selbstverständnis.

Nicht mehr die Erwartungen und Wunschträume von Männern sollten ihr Frausein bestimmen, sondern ihr eigenes, individuelles Selbst. Der "männliche Blick", und mit ihm das männliche Vorurteil, zwinge die Frauen in einen Rahmen, stecke sie entweder in die Rolle der reinen, verehrungswürdigen, unsinnlichen "Madonna", der Erlöserin aus jeder Qual, oder der verführerischen Hure, oder der bösen, gefährlich Hexe, oder der guten Mutter, die sich im Dienst für den Mann und die Kinder aufopfert. Frauen, die diesen Blick verinnerlichten, seien "dressierte Wesen", die nur reagieren und nicht agierten. Sie würden gelebt, aber lebten nicht selbst. Von diesen Zwängen müsse man sie befreien.

Wurzeln der Frauenbewegung

Der anfängliche Ruf der Frauen nach Befreiung war berechtigt, denn im 19. Jahrhundert waren die Frauen rechtlich wenig geschützt und in ihrer Würde vielfach nicht ernst genommen. Zur Verbesserung der Situation und zu gegenseitiger Motivation formierten sie sich zur so genannten "Frauenbewegung". Damals vollzog sich für viele der Wechsel vom bäuerlichen zum handwerklichen Haushalt, die Industrialisierung veränderte die Gesellschaft völlig, viele fühlten nach der Zeit der napoleonischen Kriege nationaler und freiheitlicher. Damals wurden die Forderungen nach besserer Ausbildung, Mitspracherecht im politischen Leben und die Verbesserung der sozialen Situation der Frauen laut.. Frauen setzten sich für ihre Rechte ein und kämpften für die Mitgestaltung in Familie und Gesellschaft. Ziel war damals nicht der Kampf gegen die Männer als solche, sondern die Behebung des Ungleichgewichtes, der Unterdrückung und der Ungerechtigkeiten.

Die philosophischen Wurzeln der Frauenbewegung sind im Menschenbild der Aufklärung begründet, das sagte: "Alle Menschen sind gut, gleichwertig und vernunftbegabt", und, von der Französischen Revolution inspiriert: "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!" Sie sagten, man müsse das Joch jeder Unterdrückung der Oberen oder der Männer abwerfen, sich befreien, emanzipieren.

Bis in die dreissiger Jahre des 20. Jahrhunderts entstanden viele und unterschiedlich erfolgreiche Organisationen als Folge dieser ersten Emanzipationswelle.

Umerziehung der Gesellschaft

Eine zweite Welle setzte in den sechziger Jahren ein. Diesmal ging es nicht mehr um einen Hilferuf in der Not, sondern um das Postulat einer neudeutschen philosophischen Bewegung, der so genannten "Frankfurter Schule".. Die ideologischen Leitgedanken der bekannteste Vertreter, Ernst Bloch und Herbert Marcuse, waren:

- Kritik an allem Bestehenden nach marxistischem Vorbild, alles wird verneint.
- Alle Normen werden lächerlich gemacht, um bestehende System zu erschüttern
- Der herrschenden Klasse wird der Krieg erklärt, die, die jetzt unten sind, überwinden endgültig das falsche System.

In diesen drei Schritten sollte die Gesellschaft umerzogen und die Herrschenden Kräfte entthront werden.

Es folgte die Studentenbewegung in den sechziger Jahren. Damals fiel vielen die Diskrepanz zwischen dem, was viele Männer theoretisch über die Emanzipation der Frau sagten (sie sprachen sich positiv dazu aus), und dem, was sie taten (Verweigerung der Gleichberechtigung der Frauen). Eine Zeitgenossin aus der politischen Scene berichtet: "Frauen kamen auf den Versammlungen nicht zu Wort, oder ihre Äusserungen wurden belächelt. Man sprach von ihnen als der "Freundin von so und so",als der "Frau von dem und dem". Die Frauen sehen sich sexuell ausgebeutet und als Hilfsarbeiterinnen der alltäglichen politischen Kleinarbeit.


Tomaten gegen Genossen

Als Geburtsstunde des neueren deutschen Feminismus kann 1968 gelten, als eine Vertreterin des "Berliner Aktionsrates zur Befreiung der Frau" während einer Konferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes eine Anklagerede gegen "das patriarchalische Auftreten der Genossen" hielt und anschliessend ihre Genossen mit Tomaten bewarf..

"Emanzipation" ist das grosse Kampfwort der Feministinnen. Sie verbinden damit die Vorstellung von Freiheit und Selbständigkeit. "Feminismus" sei, so Alice Schwarz, "weder eine Partei, noch eine Organisation, sondern der Ausdruck eines Bewusstseins und eines Kampfes. Es geht um die Selbstverwirklichung der Frau".. Man will die "patriarchalisch geprägten Gesellschaft" aufbrechen, der Mensch - und im Besonderen die Frau - wäre in sich eigentlich gut, man müsse sie jedoch befreien und ermutigen, sich zu entfalten. Die Impulse zum Leben und Glauben dürften nicht mehr von den Männern allein kommen, von ihnen zuletzt, sondern müssten aus der Frau selbst kommen. Der Feminismus müsse alle Lebensgebiete und Wissensbereiche durchdringen. Alle Abhängigkeiten der Frauen müssten entlarvt, Ungleichheiten analysiert und eigene weibliche Denk-, Gefühls- und Lebensgewohnheiten entwickelt werden.

Ute Erhardt schreibt in ihrem Buch, "Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin" folgendes: "… auch die ganz normale Frau, die Frau von nebenan, zeigt zunehmend Biss und Siegeswillen. Unter den Personen, die sich für die Selbständigkeit entscheiden, wächst kontinuierlich der Anteil von Frauen. Der Prozentsatz berufstätiger Frauen wächst, der Anteil der Mütter, die nach der Schwangerschaft schnell wieder ins Berufsleben zurückkehren steigt, und mehr Frauen als Männer beantragen die Scheidung. Was ist diesen Frauen gemeinsam: Sie verletzen Regeln, sie stellen eigene Regeln auf, sie stellen unmissverständliche Forderungen, sie sagen klipp und klar 'Nein'."

Neue Zwänge

Christa Meves sagt dazu, dass es in der heutigen Emanzipationsdiskussion nicht mehr um den berechtigten Wunsch der Frau nach einem ihr gemässen Leben in einer menschenwürdigen Form gehe, sondern um die Forderung der Frauen, zu leben wie die Männer. Was einmal die Suche nach Gleichberechtigung war, ist ersetzt durch den Anspruch auf Angleichung (Vergeltungsgedanke). Was noch durchaus zu den vertretbaren Zielen einer ersten Befreiungsbewegung gehörte, dass Frauen ihre Gaben entfalten und einen Berufsabschluss machen können, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen, hat sich gewandelt in das viel grössere Ziel der Befreiung und Gleichmachung.

Nun stellt sich die Frage, ob es als Befreiung angesehen werden soll, wenn die berufstätige Frau zu höherem Ansehen kommt, als die nichtberufstätige? "Nur Hausfrau" heisst ja zugleich "weniger wert".. Jede Frau steht nun vor der Forderung, Selbstverwirklichung im Beruf zu erreichen. Das ist jedoch keine Befreiung, sondern nur ein neuer Zwang, der Druck erzeugt. Frauen wird es damit sehr schwer gemacht, unbefangen über sich, ihr Leben und ihre Rolle nachzudenken, ohne dem Druck der Meinungen der anderen und der Meinungsmacher(innen) nachzugeben.

Zurück zum Urauftrag

Jede Frau hat ihren Lebensauftrag, ihre Berufung, ihr Gepräge, ihre Geschichte. Diese Tatsache soll in die Frage an Gott einmünden: "Wer bin ich?" Und wenn eine Frau die Antwort auf diese Frage hat, gilt es, sich von ganzem Herzen als Original von Gottes Hand zu bejahen. Als zweiter Schritt sollte jede Frau Gott fragen: "Was ist meine Bestimmung?" Und wenn sie die Antwort auf diese Frage hat, gilt es, auch dazu ein Ja zu finden. Durch diese zwei Prozesse wird göttliche Lebensqualität in ihr Leben einziehen, wird sie eine Erfüllung und eine Freiheit finden, die sie niemals erleben kann, solange sie nur fordert: "Ich will … haben; ich will … sein; ich will tun, was ich will!", was nur zu Enttäuschung führt.


Freiwillige Hingabe an den Schöpfer und seine Schöpfung ist ein wichtiger Schlüssel zur Selbstentfaltung und Erfüllung. Das trifft auf Männer genauso zu, wie auf Frauen. Männer wie Frauen können dann aktiv sein und Entscheide fällen, ohne Machtspiele, Profitgier und Manipulation. Gott will uns befreien von egoistischen Strukturen, damit wir lieben, Rücksicht nehmen, andere achten und respektieren und Verantwortung übernehmen.. In der Ergänzung, nicht im Geschlechterkampf liegt das Geheimnis, Gott ist in der Lage, uns zu einem wirkungsvollen Ganzen zu verbinden. Damit das geschieht, ist es nötig, dass die Frauen (wie die Männer) zurückkehren zu ihrer göttlichen Bestimmung, was nicht heissen muss, dass sie ins Haus und an den Herd gehörte oder ihre alleinige Bestimmung Ehefrau und Mutter wäre. Aber genauso müssen Beruf und Kariere ihre Bestimmung sein. Es gibt viele Berufungen für Frauen.

Der Urauftrag Gottes heisst nicht Konkurrenzkampf, sondern Ergänzung.. Und das mit Herz, Seele und Verstand in allen Lebensbereichen.

Begriffe

Frauenbewegung
, politische und soziale Bewegung, die alle Versuche und Initiativen von Frauen umfasst, ihre spezifischen Interessen organisiert zu vertreten und ihrer Benachteiligung auf politischem, sozialem und wirtschaftlichem Gebiet entgegenzuwirken. Der Kampf um die Teilhabe an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsbefugnissen verbindet sich häufig mit dem Ziel, die geschlechtsspezifische Rollenzuweisung und Arbeitsteilung aufzuheben. Die Frauenbewegung kann auf eine Reform wie auch auf eine grundlegende Veränderung des Gesellschaftssystems hinarbeiten. Der Zusammenhang der Frauenbewegung mit den bürgerlichen und sozialistischen Befreiungsbewegungen ist im Verlauf der Geschichte immer wieder erkennbar. (Brockhaus)

Emanzipation: Lateinisch von emancipare (einen Sklaven oder erwachsenen Sohn) aus dem mancipium (der feierlichen Eigentumserwerbung durch Handauflegen) in die Selbstständigkeit entlassen Es war nicht eine Selbstbefreiung, sondern ein freigelassen werden. In der französischen Revolution 1789 wurde die Bedeutung verändert: Eine unterdrückte Gruppe erkämpft sich gewaltsam ihre Freiheit. Heute wird der Begriff vor allem für die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung der Frau mit dem Mann gewählt.

Feminismus: Eine Richtung innerhalb der Frauenbewegung, die von den Bedürfnissen der Frau ausgeht, eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Normen und die soziale Gleichstellung anstrebt. Die Traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau wird bekämpft.

Feministische Sprache: Operiert mit neuartigen Begriffsbildungen, um gegen ein bestehendes patriarchalisches Vokabular zu kämpfen (anstelle des "Vater unser" steht z.B. das "Mutter unsere"). Gleichzeitig werden herkömmliche Begriffe mit neuen Inhalten besetzt (Sexismus).

Datum: 31.12.2010
Autor: Margret Steinberg
Quelle: Chrischona Magazin

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