ICF

Für junge Menschen der Inbegriff von Kirche

Die Trendkirche ICF Zürich feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Mit ihrem eigenen Stil ist sie immer noch ebenso erfolgreich wie mit ihrem unbekümmerten Alleingang.

Über 2000 Menschen besuchen in Zürich die Gottesdienste übers Wochenende. «Gottesdienste» ist jedoch kaum mehr im Sprachgebrauch des ICF Zürich. Hier wird eher von «Celebrations» gesprochen. Wem auch das noch zu formal klingt, der findet auf dem Programm bestimmt eine «Party». Weitere verbale Anklänge an eine traditionelle Kirche vermeidet man hier tunlichst. Neugierige, suchende und kirchenferne Menschen sollen ohne Hemmungen in die «Celebration Hall» auf dem Maag-Areal eintreten.

Ob wirklich viele Kirchenferne dabei sind, ist nicht auszumachen. Beim ICF Zürich ist man sich bewusst, dass ein ansehnlicher Teil der Klientel ein durchaus kirchliches, oft freikirchliches Umfeld hat. ICF ist eine grosse Auffangkirche, vor allem für junge Menschen, die eine Abwechslung zum gewohnten freikirchlichen Umfeld suchen. «Klar, dass auch der Single-Effekt eine Rolle spielt», sagt der junge Benjamin Götte, der unverkrampft über das ICF spricht. Da habe man schon eine Chance, den richtigen Partner zu finden.

Von «G|12» zu «Smallgroups»

Die «G|12»-Kleingruppen, welche die Bewegung vor vier Jahren unter Sektenverdacht brachten, bestehen zwar noch, allerdings nicht mehr unter dem Namen «G|12». Und wenn man die übrigen «Optimierungen», die in diesem Bereich von der ICF-Leitung vorgenommen wurden, zu interpretieren versucht, scheint es, dass sich die «Smallgroups» nicht mehr stark von den Hauskreisen unterscheiden, wie sie die meisten Freikirchen auch anbieten. Geblieben ist hier die strikte Trennung nach Geschlechtern.

Ursprünglich war es anders gedacht: «G|12», ein aus dem pfingstlich-charismatischen Umfeld Kolumbiens stammendes Konzept einer Gemeindebewegung, sollte ein leistungsstarkes Instrument der Evangelisation und der Weiterentwicklung werden. «G|12» funktionierte auch beim ICF Zürich zumindest anfänglich nach dem Prinzip einer hierarchischen Pyramide. Doch das habe auch die Teilnehmenden überfordert, meint Götte. In der Praxis rückte man wieder davon ab, auch wenn das Konzept formell noch besteht. Der Kurswechsel nach kurzer Zeit hat das Leben der Kleingruppen keineswegs gestört. Diese werden gemäss Angaben des ICF nach wie vor von 1500 Leuten besucht.

«Bible Basics»

Die praktische Ausrichtung auf Lebensthemen ist nach wie vor das Argument schlechthin, das junge Menschen beim ICF schätzen. Neben den Dauerbrennern wie Umgang mit Zeit, Geld und Sexualität bietet das ICF jetzt mehr theologische Veranstaltungen. Solche theologischen Angebote wie «Bible Basics» (ein kurzer Einführungskurs in die Bibel) oder «Bible Challenge» (ein Jahreskurs zur Bibel) erfreuen sich erstaunlicher Beliebtheit. Man nehme wahr, wie das «Geistliche» mehr Platz einnehme, sagt Götte. «Wir zeigen den Menschen, dass die Bibel nicht veraltet ist. Von der Wahrheit der Bibel rücken wir niemals ab.»

Im Stil ist ICF in den letzten Jahren stärker in die pfingstliche Richtung gerutscht. Das hat wohl auch mit Hauptpastor Leo Bigger zu tun. Nach den Predigten hat der Senior Pastor immer wieder prophetische Eindrücke.

Pastor und Chef

Wie lange diese eingeschlagene Richtung beibehalten wird, ist allerdings fraglich. Ständige Änderungen machen das ICF zu einer wenig fassbaren Bewegung. Man wolle nicht an Traditionen festkleben, heisst die Devise der ICF-Führung. Wenn etwas nicht mehr optimal scheine, ändere man es einfach, sagt ICF-Leiter Leo Bigger.

Dass er seine Meinung im Wesentlichen durchsetzt, daran besteht kein Zweifel. Der Pastor präge die Bewegung, sagt Götte. Von demokratischen Prinzipien ist man bei der Trendkirche weit entfernt, und dennoch ist paradoxerweise gerade die freiheitsliebende junge Generation von der Bewegung besonders angezogen. Das liege vielleicht am «Mega-Angebot» von ICF, wo möglichst viele Menschen das finden, was sie suchen, erklärt Götte.

Hilfe für andere

Wenig Zusammenarbeit pflegt ICF mit anderen Freikirchen. Die Teilnahme an einem Pastorenfrühstück ist das, was man sich zum Thema «Zusammenarbeit» vorstellen kann. Eine Eingliederung in die Allianz wäre nach ICF-Meinung lediglich ein Hemmschuh für die eigene dynamische Entwicklung. Dazu beteuert Götte: «Wir sind nicht Gegner irgendeiner anderen Kirche. Wir sind bereit, ihnen Hilfe und Unterstützung anzubieten. Zu diesem Angebot gehören die regelmässigen Führungen durch die ICF-Einrichtungen für Gäste aus dem In- und Ausland.»

«the big 10»

ICF Zürich feiert vom 24. bis 28. Mai in Kloten im Schluefweg-Stadion mit einer Konferenz das zehnjährige Bestehen. Die Jubiläumsfeier findet am Sonntag um 17.00 Uhr statt.

Infos: www.zwaenzger.ch/big10

Webseite des ICF: www.icf.ch

Datum: 06.04.2006
Autor: Thomas Hanimann
Quelle: ideaSpektrum Schweiz

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