Int. Tag gegen Menschenhandel

Menschenhändler in Indien nutzen Pandemie-Notlage aus

Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision verstärkt ihre Hilfe für Kinder von Prostituierten in Rotlichtvierteln Indiens. Am heutigen Welttag gegen Menschenhandel macht die Organisation darauf aufmerksam, dass durch die Corona-Pandemie immer mehr Familien in extreme Armut abrutschen und leichte Beute für Menschenhändler werden.

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Eine sogenannte «Girl-Power-Group» in Indien (Bild: World Vision)
In Indien gibt es weltweit die grösste Zahl von sexuell missbrauchten Kindern. Viele Fälle werden jedoch nicht gemeldet und die Zahlen steigen weiter in alarmierendem Ausmass.

«Eine der grössten Gefahren für die Schwächsten»

«Wir sind besorgt, dass Kriminelle die Notlagen von Familien ausnutzen, ihnen Kredite geben und sie so in Abhängigkeit zwingen,» erklärt Joseph Wesley, verantwortlich für Projekte gegen Menschenhandel bei World Vision Indien. «Die Lage der früher schon gering verdienenden Arbeiterinnen und Arbeiter im informellen Sektor ist wegen der COVID-19-Sperren unsicherer als je zuvor. Viele können ihre Kinder kaum noch ernähren, und so sind diese extrem anfällig für alle Formen der Ausbeutung, einschliesslich des Menschenhandels. Wir gehen davon aus, dass der Menschenhandel nach der Pandemie zu den grössten Gefahren für die Schwächsten zählen wird.»

Die Internationale Arbeitsorganisation ILO schätzt, dass 400 Millionen Menschen in Indien in extreme Armut zurückgedrängt worden sind.

Zentrum für Kinder eröffnet

World Vision Indien kämpft seit Jahren gegen das Problem des Kinderhandels und der sexuellen Ausbeutung. Gemeinsam mit der nationalen Dachorganisation für Kinderschutz und dem deutschen Entwicklungsministerium (BMZ) als Partner arbeitet die Organisation aktuell daran, die bisher oft schwache Umsetzung von Gesetzen gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung von Kindern zu verbessern. Zudem versucht sie in 25 Bundesstaaten Indiens die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.

An Brennpunkten wie den Rotlichtvierteln der Millionenmetropole Kalkutta (offiziell Kolkata) suchen Joseph Wesleys Mitarbeiter nicht nur nach Opfern, sondern versuchen auch die Kreisläufe von Ausbeutung zu durchbrechen. Sie haben Zentren für Kinder eröffnet, deren Mütter als Prostituierte arbeiten. In diesen Orten werden kleine und ältere Kinder von geschulten Erziehern betreut und sie können dort lernen. Der Organisation ist es gelungen, mehrere Fälle von Menschenhandel zu stoppen und dafür zu sorgen, dass diese Verbrechen registriert wurden. Auch konnten die Mitarbeiter etwa 50 Kinderehen in dem Milieu verhindern bzw. beenden.

Menschenhandel stoppen

«Unser Ziel in den Rotlichtgebieten ist klar. Wir möchten den Menschenhandel stoppen», betont Wesley. «Wir wollen Kinder der Sexarbeiterinnen davor schützen, selbst in sexuelle Ausbeutung hineingezogen zu werden. Sie haben schon genug gesehen und es besteht die Gefahr, dass diese Kinder es als normal ansehen, als Prostituierte zu arbeiten.»

Landesweit werden Jugendliche an der Präventionsarbeit aktiv beteiligt. In sogenannten Girl-Power-Groups sind rund 9'000 Mädchen und junge Frauen zusammengeschlossen. Die Teilnehmerinnen erhalten Informationen zum Umgang mit dem Thema, Unterricht in Bezug auf ihre Rechte, Sicherheitstrainings und Kompetenzen für das tägliche Leben. Regelmässige Treffen helfen Mädchen, über ihre Probleme zu sprechen und Lösungen zu finden. Mitglieder der Gruppen alarmieren auch die Kinderschutzkomitees der Dörfer oder eine Hotline, wenn sie auf ein akut gefährdetes, verschlepptes oder geschädigtes Kind aufmerksam werden.

Über World Vision

Die Kinderhilfsorganisation ist seit fast 65 Jahren in Indien aktiv und arbeitet in 185 Distrikten zugunsten von etwa 2,6 Millionen Kindern und ihren Familien.

Zur Webseite:
World Vision

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Datum: 30.07.2020
Quelle: World Vision

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