Darfur

So wird die Welt für dumm verkauft

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Nahrungsmittel Ausgabe. Eine Karte weist aus, wie gross die Familie ist und wann sie eine neue Zuteilung erhält.
In Darfur geschieht ein Völkermord wie früher in Ruanda. Die internationale Gemeinschaft versagt im Westen des Sudan erneut – wie in Ruanda. Denn sie geht den leeren Versprechungen der Regierung auf den Leim.

Roméo Dallaire musste als UN-Kommandant 1994 den Völkermord in Ruanda mit ansehen. Bereits vier Monate vor dem systematischen Genozid schlug er beim UNO-Hauptsitz in New York Alarm. Man ignorierte seine Rufe. Später beklagte man an den Gräbern: «Nie wieder!»

Doch erneut geschieht ein Völkermord. Und einmal mehr schaut die UNO weg. Auch diesmal schlägt Roméo Dallaire wieder Alarm. Der Zürcher «Tages-Anzeiger» zitiert ihn mit den Worten: «Die Geschichte wiederholt sich. Wieder beleidigen wir die Menschheit, und ich frage: Wie ist es möglich, dass wir wieder unzureichend auf eine Situation reagieren, die derjenigen in Ruanda gleicht? Das Ausmass des Mordens kommt dem in Ruanda immer näher. Wir aber haben Angst vor einer Intervention, während wir die Regierung in Khartum unter Druck setzen. Die aber hält die internationale Gemeinschaft zum Narren.»

Wir zeigen im Folgenden auf, wie die Regierung von Omar Al-Bashir die Weltöffentlichkeit für dumm verkauft.

3. Juli 04 – «Milizen werden entwaffnet. Beginn sofort.»

Der Sudan hat der UNO die Entwaffnung der arabischen Milizen zugesagt, die in der westlichen Region Darfur über eine Million Menschen vertrieben haben. Diese Zusage macht die sudanesische Regierung gegenüber UNO-Generalsekretär Kofi Annan. In der Erklärung heißt es, die Regierung werde «sofort mit der Entwaffnung der Janjawid und anderer verbotener Gruppen beginnen».

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Nybul Ngong mit ihrem Baby Abuk Kos: Ihre Brüste sind fast leer, und das Baby hat bereits einen Hungerbauch.
Gleichzeitig stimmt sie der Entsendung von Menschenrechts-Beobachtern zu. Die UNO werde die Umsetzung der Zusagen prüfen, sagte Annan. «Wenn es ein Problem gibt, kümmern wir uns darum.»

30. Juli 04 – Der Sudan lehnt UNO-Ultimatum ab

Der UNO-Sicherheitsrat hat in einer Resolution der sudanesischen Regierung eine Frist von 30 Tagen gesetzt, um die Greuel von Darfur zu unterbinden. Khartum will sich jedoch nicht daran halten: «Es schmerzt den Sudan, die Zurückweisung der nicht korrekten UNO-Resolution auszusprechen.»

31. Juli 04 – Sudan will Massaker nicht stoppen

Laut jener Resolution sollen die dortigen Greuel unterbunden und die arabischstämmigen Janjawid-Milizen binnen 30 Tagen zu entwaffnet werden. Die Regierung des Sudan weist diese Forderung als unangemessen zurück. Khartum sei sogar «bestürzt» über die «Eile» des Sicherheitsrates. Das Land werde sich gegen die «Verschwörung feindlicher Mächte» zu verteidigen wissen.

2. August 04 – «UN-Resolution ist eine Kriegserklärung»

Die sudanesische Armee nennt die UN-Resolution eine «Kriegserklärung». Sie würde jede fremde Truppe, die in den Westen gesendet würde, bekämpfen.

6. August 04 – «Wir entwaffnen bald.»

Die Regierung in Khartum hat die baldige Entwaffnung der Janjawid-Milizen in der westsudanesischen Konfliktregion Darfur angekündigt. Nach Angaben eines Polizeikommandanten sollen ab nächster Woche die Kämpfer ihre Waffen «auf freiwilliger Basis» der Polizei abgeben.
Anm. d. Red.: Man beachte die Zusage vom 3. Juli! Inzwischen ist von «auf freiwilliger Basis» die Rede.

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Dieses Bild wählte UNICEF zum Bild des Jahres 2004: ein Kind in Darfur.

9. August 04 – «Wir sind unschuldig!»

Der sudanesische Aussenminister Mustafa Osman Ismail weißt jede Verantwortung für die humanitäre Krise in der Region Darfur zurück. Im Nachrichtensender CNN sagt er, die Rebellen hätten diesen Krieg begonnen. Zugleich bestritt er, dass seine Regierung die Reitermilizen kontrolliere: «Mit den Janjawid haben wir nichts zu tun.»

10. August 04 – Milizen morden noch immer weiter

Die UNO gibt bekannt, dass die Milizen weitermorden und in Nord-Darfur 35 Familien überfallen haben.

14. August 04 – Zweifel an Erfüllung des UNO-Ultimatums

Die sudanesische Regierung hält nun eine Entwaffnung der arabischen Milizen in Darfur bis Ende des Monats für wenig realistisch. Sie tue zwar ihr Bestes, das von der UNO verhängte Ultimatum zu erfüllen, meint Vizepräsident Ali Osman Mohammed Taha in einem BBC-Interview. Aber auch wegen logistischer Probleme könne der Zeitrahmen kaum eingehalten werden. Er spricht sich zudem gegen den Einsatz internationaler Truppen in Darfur aus.

15. September 04 – Chemiewaffen in Darfur?

Syrische Einheiten haben laut der Tageszeitung «Die Welt» chemische Waffen gegen die schwarzafrikanische Zivilbevölkerung in Darfur eingesetzt. Die Aktion, die Dutzende Tote gefordert habe, sei in Absprache mit der sudanesischen Regierung erfolgt. «Die Welt» beruft sich auf Unterlagen westlicher Geheimdienste.

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Kühe – in der Mitte ein «Dalmatiner» - finden auf der Weide eher Heu als Gras.

20. September 04 – Drohung mit Sanktionen

Die sudanesische Regierung hat die neue UN-Resolution als sehr enttäuschend bezeichnet. Seine Regierung werde jedoch trotz der Resolution weiter mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten, um die Krise in Darfur zu lösen, erklärte Aussenamtsstaatssekretär Mutrif Sadik.

11. Januar 05 – UNO ruft zu Spenden auf

Einen Tag nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens für den Südsudan (am 9. Januar 05) hat die UNO die internationale Gemeinschaft zu Spenden gegen eine drohende Hungersnot aufgerufen. 3,2 Millionen Menschen seien auf Lebensmittellieferungen angewiesen. Etwa 302 Millionen Dollar würden benötigt, um Lebensmittel für die notleidende Bevölkerung zu kaufen ... (WFP-Chef für den Sudan, Ramiro Lopes da Silva).
Anm. d. Red.: Wir sprechen hier von einem Land, das unter normalen Umständen Nahrungsmittel exportieren könnte!

2005

Noch immer arbeiten die Milizen und die Regierung Hand in Hand. Die Regierung wirft Bomben auf die Dörfer, die Milizen besorgen die Überfälle. In Darfur geht das staatlich verordnete Morden weiter. Beispiel: Am Abend des 26. Januar warf Al-Bashirs Luftwaffe eine Bombe auf ein Dorf bei Al-Fasher und tötete 100 Menschen.

Das Gleiche geschah von 1983 bis 2003 im Südsudan. Dort herrscht zwar nun Frieden, aber die Hungerkatastrophe, die auch auf den Krieg zurückzuführen ist, greift um sich. Die ersten Toten sind bereits zu beklagen.

Aktion Nothilfe Sudan

Diese Aktion wird von drei Schweizer Werken unterstützt: CSI (Christian Solidarity International), Frontiers und Vision Africa. Letztere ist nicht selber in diesem Land tätig, unterstützt diese Aktion aber publizistisch.

Gemeinsam mit Livenet.ch und Jesus.ch läuft die Hilfsaktion Nothilfe Sudan.
Die Kontonummer lautet: Postfinance 87-96742-1.
Das Konto lautet auf: CSI Schweiz, Sudan-Hilfe, Zelglistrasse 64, 8122 Binz.

CSI ist seit 1992 im Sudan tätig und kauft mit dem gesammelten Geld Hirse und verteilt diese an die vom Hungertod bedrohte Bevölkerung. Karawanen bringen die Lebensmittel zum Beispiel in die Marktstadt Warawar im Südsudan, wo jedes bisschen Nahrung ein Menschenleben retten kann. Die Einkäufe werden vom Werk getätigt und überwacht.

Statistik der Spenden

Das Sammelkonto ist offen seit Dienstag, dem 7. Dezember 2004.
Bisher wurden 9279,75 Franken gesammelt.

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Bei Überfällen wurden früher Frauen und Kinder entführt. Diese Kinder sind nun frei, aber im Hungergebiet.

Statistik des Genozids im Südsudan

Tote: über 2 Millionen Menschen
Vertriebene: 5 Millionen Menschen
Versklavte Menschen: rund 200'000
Der Genozid geschieht seit 1983, ab Januar 2005 via Hungerkatastrophe

Statistik – Genozid in der Region Darfur (Westsudan)

Tote: über 300'000 Menschen (gemäss Washington Post)
Vertriebene: 1,8 Millionen Menschen (UN-Schätzung)
Versklavte: noch keine Angaben (gemäss ARD und anderen geschehen Verschleppungen)
Der Genozid geschieht seit 2003.

Dank der Dokumentationsarbeit von CSI konnten der Genozid und die Versklavungen im Süden abgebremst werden.

Hintergrundinfos zur Aktion:
www.livenet.ch/www/index.php/D/article/493/21137/

Homepages der beteiligten Organisationen
CSI: www.csi-schweiz.ch
Frontiers: www.frontiers.ch

Vision Africa: www.visionafrica.ch

Datum: 31.03.2005
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

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