Down-Syndrom noch früher erkennbar – wo kommen wir hin?

Eine neue Kombination von Tests im Mutterleib ermöglicht die Erkennung des Down-Syndroms in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass mongoloide Föten abgetrieben werden.

Eine Studie in den USA umfasste zwei Bluttests und eine Ultraschall-Untersuchung an 8’200 Schwangeren in zwölf medizinischen Zentren; sie ermöglichte, sechs von sieben Down-Babies schon um die zwölfte Woche zu identifizieren, das ist acht Wochen früher als bisher.

Den Hauptorteil der Testkombination (die in England, Israel und weiteren Ländern bereits angewandt wird) sieht Ronald Wapner, der Chefgynäkologe des Drexel University College of Medicine in Philadelphia, in der Chance für Frauen, die Abtreibung „ganz privat“ zu wählen – bevor andere sehen, dass sie schwanger sind.

‚Ungeborene Kinder nicht zum Selektionieren, sondern zum Hegen gegeben’

Der Bioethiker Ben Mitchell wertet dies gar nicht als Vorteil. Mit der Früherkennung dürften Mütter und die Gesellschaft insgesamt Kinder noch mehr nach ihrer genetischen Qualität beurteilen, „statt dass wir sie sehen als Gabe, die uns zum Hegen und zur Fürsorge gegeben ist“. Die Tests zielen zudem, argumentiert Mitchell, auf die Vernichtung von Embryonen, die genetisch den Qualitätsstandard nicht erfüllen.

Der Bioethiker, der an der evangelischen Trinity Divinity School in Chicago lehrt, unterstreicht: „Ungeborene Kinder sind uns nicht zum Auswählen, sondern zum Annehmen gegeben. Sie sind nicht da, dass wir selektionieren, sondern sie hegen.“

Nicht wenige Falschdiagnosen

Wie das New England Journal of Medicine berichtete, ist die neue Kombination keineswegs sicher: In neun Prozent der Fälle wurde das Down-Syndrom irrtümlich diagnostiziert. Wenn die Tests es mit hoher Wahrscheinlichkeit anzeigen, können Frauen Zellen aus der Gebärmutter oder Flüssigkeit aus der Fruchtblase entnehmen lassen, um Gewissheit zu erhalten. Diese invasiven Eingriffe sind aber riskanter als die Tests.

Laut dem Nachrichtendienst Baptist Press hat weltweit eines von 800 lebendgeborenen Kindern das Down-Syndrom. In den USA kommen jährlich 1'600 zur Welt. Der grösste Teil der Down-Babies wird abgetrieben: Eine Studie für die Jahre 1972-94 ergab, dass 86 Prozent der Paare diesen Weg beschritten, wenn der genetische Defekt bekannt wurde. Die älteren Tests – ein Viertel der Down-Babies blieb dabei unentdeckt – ergaben ein Resultat erst in der Mitte der Schwangerschaft.

Datum: 24.10.2003
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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