Luzern

Mehr "nichtkonfessionelle Seelsorge" in den Spitälern?

Soll in den Spitälern generell eine "nichtkonfessionelle Seelsorge" eingeführt werden? Der Spitalseelsorger und Pastoralpsychologe Rudolf Albisser äussert sich diesbezüglich zurückhaltend. Katholischerseits befürchte man, dass dabei "die heilsame Kraft der Symbole und Sakramente" für die Patienten verloren gehen könnte.

Das Modell einer "nichtkonfessionellen Seelsorge" gilt bereits in mehreren Schweizer Spitälern. Derzeit wird dessen Einführung in verschiedenen weiteren Krankenhäusern diskutiert. Die Grundzüge des Modells: Jede Spitalstation wird von nur einer Seelsorge-Person betreut, einer reformierten oder einer katholischen; wünschen Kranke eine Seelsorge in ihrer eigenen Konfession oder Religion, so wird der entsprechende Kontakt vermittelt.

Auf den ersten Blick sei dieses Modell bestechend, meint Rudolf. So habe etwa die institutionelle Bindung an eine Kirche oder Konfession heute für viele Menschen stark an Bedeutung verloren. Dennoch müsse die Einführung einer "nichtkonfessionellen Seelsorge" im Interesse optimaler seelsorgerlicher Betreuung der Patienten sorgfältig überlegt werden, mahnt Albisser: "Die Begleitung durch die Seelsorge der eigenen Konfession kann dem an Leib und Leben bedrohten Menschen in der fremden Welt des Spitals ein Gefühl der Beheimatung geben, besonders in einem weit entfernt liegenden Zentrumsspital."

Das Modell "nichtkonfessionelle Seelsorge" sei jedenfalls anforderungsreich hinsichtlich der Toleranz und Sensibilität der je anderen Konfession gegenüber. Albisser: "Es hängt vom Fingerspitzengefühl des einzelnen Seelsorgers ab, ob er es spürt, wenn ein Patient die Seelsorge durch die eigene Konfession bevorzugen würde."

Erst gründlich diskutieren

Derzeit wird nach Beobachtungen Albissers die Einführung einer "nichtkonfessionellen Seelsorge" mehrheitlich von reformierter Seite gewünscht, während die Mehrheit der katholischen Seelsorgenden sich zurückhaltend dazu äussere. Albisser: "Sie befürchten, das Spezifische ihrer Tradition, insbesondere die heilsame Kraft der Symbole und Sakramente, könnte durch diese 'Fusionierung' für die Patienten verloren gehen."

Bevor das Modell "nichtkonfessionelle Seelsorge" weiter auf pragmatischem Weg eingeführt werde, müsse es zuerst gründlich diskutiert sowie mit den zuständigen kirchlichen und staatlichen Stellen abgesprochen werden, zumal es auch der heute gültigen Rechtsgrundlage der Spitalseelsorge widerspreche, fordert der Spitalseelsorger.

Als Kontrast dazu ein Beitrag des ERF über Spitalseelsorge: Krankheit kann jeden treffen.
Bereits seit 25 Jahren begleitet Klaus Dörig als Spitalseelsorger Patientinnen und Patienten. Diese Aufgabe hat ihn schon immer gefesselt und reizt ihn noch heute. Was ist so spannend an der Arbeit der Begleitung von kranken Menschen?

Schon seit 25 Jahren begleitet Klaus Dörig Patientinnen und Patienten auf ihrer letzten Wegstrecke. Die Aufgabe als Spitalseelsorger hat ihn schon immer gefesselt.

Audio-Beitrag

Quellen: Kipa/ERF

Datum: 09.05.2003

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