Hugo Stamm

Falsche Argumente zum Thema Christentum

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Hugo Stamm (Bild: Facebook)
Der Tages-Anzeiger hat Kardinal Kurt Koch zur Corona-Plage als mögliche Geissel Gottes befragt. Die Antworten haben den Journalisten und Watson-Blogger Hugo Stamm bewogen, mit dem christlichen Glauben abzurechnen. Wir melden Widerspruch an.

Der Sekten- und Religionskritiker, Hugo Stamm, der sich selbst als Agnostiker bezeichnet, hat im «höchsten Katholiken der Schweiz», Kardinal Kurt Koch, ein willkommenes Objekt gefunden, an dem der seine Grundsatzkritik am Christentum exemplarisch anbringen konnte. 

Keine Antwort auf die Corona-Epidemie

Er hält Koch konkret vor, dass er in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger keine befriedigende christliche Antwort auf die Corona-Epidemie liefert. Koch hatte dort geäussert, Gott stelle er sich nicht als ein Wesen vor, das Krankheiten und Seuchen erfindet, um Menschen zu strafen. Zudem habe er erklärt, die Armen, die besonders von der Seuche betroffen sind, seien «die Lieblingskinder Gottes».

Das Problem mit dem christlichen Gott

Für Hugo Stamm geht das nicht zusammen. Stamm repliziert: «Wo denn, Herr Koch, trägt Gott den Ärmsten besonders Sorge? Wenn wir davon ausgehen, dass Gott das Virus nicht selbst in die Welt gebracht hat, so könnte er in seiner sprichwörtlichen Barmherzigkeit wenigstens das Leiden der Ärmsten lindern, die ihm angeblich so am Herzen liegen.» Und der Religionskritiker schliesst daraus ganz logisch: «Wozu braucht es dann noch den Glauben, wenn es auf die entscheidenden Fragen keine Antworten gibt?» Der Grund sei einfach, so Stamm: «Bei allen möglichen konkreten Antworten würden Gott und der christliche Glaube eine schlechte Falle machen und Koch sich in Widersprüche zur reinen christlichen Lehre verstricken.»

Warum lässt Gott Leid zu?

Dazu ist zweierlei zu sagen: Stamm berührt ein Thema, das die christliche Kirche durch die Jahrhunderte begleitet: die Theodizee. Sie beschäftigt sich mit der Frage, weshalb es in der Welt so viel Leid und Not gibt angesichts eines Gottes der Liebe, wie ihn die Bibel bezeugt. Und sie liefert dazu keine simplen Antworten. Zum andern ist es gerade heute besonders anspruchsvoll, einer Generation, die nur den «lieben Gott» kennt, der niemandem ein Haar krümmt, die Ursache für Kriege und Plagen zu erklären. Wer noch an Gott glaubt, hat meistens ein verkürztes Gottesbild. Für viele ist er zu einem Kuschelgott verkommen.

Auch hohe Geistliche wagen es kaum noch, an diesem Gottesbild zu rütteln. Und die Seelsorge in schwierigen Lebenssituationen ist auch nicht gerade der Moment, wo unsere Vorstellung der Liebe Gottes erschüttert werden sollte. Zum Beispiel mit dem Hinweis darauf, dass wir es nicht nur mit einem «lieben», sondern auch mit einem heiligen Gott zu tun haben, dem menschliches Fehlverhalten (Sünde) nicht einfach egal ist.

Die Freiheit der Schöpfung

Gute Antworten auf die Frage des Leidens in der Welt erfordern ein vertieftes Nachdenken und eine gewisse Reife. Vor zwei Jahren hat das Theologische Seminar St. Chrischona im Rahmen der «Kommunikativen Theologie» eine Tagung zu diesem Thema durchgeführt, an der auch ein bekannter Atheist seine Argumente präsentieren konnte (Livenet berichtete). Aus den Antworten darauf sei hier ein Kernsatz des Theologen Andreas Loos zitiert: «Um seiner Liebe willen geht Gott das Risiko ein, dass die Freiheit der Schöpfung und besonders der Menschen in einer Weise vollzogen wird, dass dabei Leiden und Übel verursacht werden.»

Wer gehört jetzt auf die Anklagebank?

Das führt zur Frage, ob denn die Corona-Pandemie etwas mit dem Missbrauch der Freiheit zu tun habe, mit der die Menschheit sich die Plage quasi selbst zuzog. Eindeutig ist jedenfalls die Ursache für die schnelle weltweite Verbreitung: Es ist die hohe Mobilität, insbesondere durch die Luftfahrt, die das Virus innerhalb von Wochen weltweit streute. Es ist die moderne, schrankenlose Mobilität, die uns eine grosse Freiheit, billige Produkte und damit Wohlstand beschert, aber auch das Klima hochgradig gefährdet.

Ein Schuss vor den Bug?

Die Pandemie kann insofern als Schuss vor den Bug der Wohlstandsgesellschaft gesehen werden, die es sich nicht leisten will, der allmählichen Zerstörung der Schöpfung energisch zu wehren. Sie sollte sich somit nicht beklagen, dass dieses Verhalten Konsequenzen hat. Sie sollte sich vielmehr auch fragen, wie sie damit umgeht, dass die Pandemie einmal mehr besonders die Armen trifft, statt Gott dafür anzuklagen. Wer es mit Gott ernst meint, wird sich Gedanken über sein zukünftiges Verhalten machen. Dient es der Schöpfung und dem Wohl der Menschen – und ehrt es Gott?

Zum Thema:
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Datum: 12.01.2021
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

Kommentare

Ich sehe es so: Gott ist gerecht. Wenn es heute (noch) nicht der Fall ist, wird Er später (spätestens beim Jüngsten Gericht) Gerechtigkeit wiederherstellen. Unser Handeln hat Konsequenzen (Saat-Ernte) und wir sind aufgerufen, uns als Gotteskinder zu erweisen in unserem Verhalten (Güte und Gerechtigkeit tun und fördern). Dabei steht die Beziehung zu den anderen Menschen im Vordergrund (nicht das Klima oder die Tiere), es hat aber Auswirkungen auf die ganze Schöpfung. Wer die Existenz einer geistlichen, nicht-materiellen Welt grundsätzlich ausschliesst, wie es die meisten Agnostiker, Atheisten tun, wird immer ein Problem mit Gott haben. Offene Menschen, wie zB Antony Flew, kommen weiter.

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