Glückspiele und Internet: Neues Suchtpotenzial für Spieler

Die Gefahren der traditionellen Methoden des Spielens werden von Online-Diensten vervielfacht. Die von Lotterien, Spielautomaten und Kasinos verursachten Probleme sind wohl bekannt. Heute jedoch kann jeder Haushalt in ein Spielkasino verwandelt werden, wenn man sich einfach in das Internet einklickt. Und viele fallen den angebotenen Versuchungen zum Opfer.

Die australische Regierung war davon beunruhigt, weil die australischen Betreiber Millionen von Dollars durch Internetwetten vom Computerbildschirm aus einnahmen. Die Regierung erwirkte ein Moratorium, das verhindert, dass solche Firmen neue Onlinedienste einrichten. Senator Richard Alston, räumte ein, dass Australier, die Online-Glücksspiele spielen wollten, nicht ganz davon abhalten würde. Aber er würde sie zwingen, überseeische Internetseiten anzuwählen.

Die Ausbreitung von Internet-Spielen

Die üppig wuchernde Beliebtheit von Glücksspielen im Internet zieht in vielen Ländern die Aufmerksamkeit auf sich. "The Wall Street Journal" brachte einen Kommentar über die grosse Zahl von angebotenen Internetseiten in Grossbritannien, die Wetten über fast jedes vorstellbare Thema erlauben. Wettfreudige können eine Internetseite anklicken und ihren Einsatz auf die Frage setzen, welche Seifenopernkönigin zuerst heiraten wird. Eine andere Internetseite bietet zum Beispiel Wetten auf dem Gebiet der Musik an, etwa darauf, was die nächste Single Schallplatte Nummer eins sein wird und sogar über Weltnachrichten, etwa darüber, ob "The London Times" in der nächsten Woche über den Tod eines Mitglieds der königlichen Familie auf ihrer Titelseite berichten wird.

Andere Internetseiten konzentrieren sich auf Sport. Wie "Merrill Lynch & Co." berichten, belaufen sich die jährlichen staatlichen Einkünfte aus Sportwetten auf 152,7 Milliarden britische Pfund. Da die Verbraucher einen grösseren Teil ihrer Ausgaben auf elektronischem Wege zahlen, schätzt Merrill, dass bis zum Jahr 2015 Staatseinnahmen in Höhe von einhundert Milliarden Pfund aus Online-Sportwetten eingehen werden. Andrew Burnett, Vizepräsident des Glücksspielforschungsinstituts, schätzt, dass derzeit die Online-Sportwetten ungefähr 40 Prozent der zwei bis vier Milliarden Pfund jährlicher Staatseinkünfte aus Onlinewetten ausmachen.

Und die englische Regierung tut alles, um noch mehr Glücksspiel-Internetseiten anzulocken, in der Hoffnung, noch mehr Steuereinnahmen zu erzielen. Das "Wall Street Journal" berichtet, dass die britische Regierung die Wettsteuer gesenkt hat. Damit versucht sie Unternehmer der Wettbranche dazu zu bewegen, nach England zurückzukommen.

In Hongkong lässt die wachsende Beliebtheit des Wettens über das Internet den Umsatz der Wettbüros zurückgehen, meldete die "New York Times". Mehr als eine Million Einwohner Hongkongs wetten regelmässig auf Pferderennsport und lassen jedes Jahr beinahe elf Milliarden US-Dollar in die Truhen des Hongkonger Jockeyklubs fliessen.

Aber das explosive Wachstum des Online-Glücksspiels bewirkte, dass die Einkünfte des Jockeyklubs um 10 Prozent seiner Spitzeneinkünfte gesunken sind. Die "NetValue Ltd.", eine Forschungsfirma, schätzt, dass 41 Prozent der Internetbenutzer in Hongkong, das sind 442.590 Personen, mindestens eine Glücksspielseite im Internet benutzt haben.

Auch die Vereinigten Staaten hat diese Begeisterung für das Glücksspiel über das Internet gepackt. In einem Bericht der "Washington Post" heisst es dazu, die Explosion der Zahl von Internetseiten für Glücksspiele habe den Zugang zu Wetten viel leichter gemacht, als er je war. Dadurch werden mehr Leute anfällig dafür, sich beim Spielen in Schulden zu verstricken und sogar spielsüchtig zu werden.

Jugendliche besonders gefährdet

Junge Leute scheinen besonders anfällig zu sein. Die heutigen Jugendlichen sind die erste Online-Generation. Für sie ist es so bequem, ins Internet zu gehen, wie für ihre Eltern, sich vor den Fernseher zu setzen. Sind sie dann auf der Hochschule, werden sie von Kreditkartenfirmen belagert, die darauf aus sind, sie als Kunden einzutragen.

Die vom amerikanischen Kongress eingesetzte Nationale Studienkommission für Auswirkungen des Glücksspiels schätzt, dass es im Jahr 1997 6,9 Millionen potenzielle Internet-Spieler gab und staatliche Einnahmen in Höhe von rund 300 Millionen Dollar. Ein Jahr später war die Gemeinschaft der potenziellen Benutzer auf 14,5 Millionen gewachsen und die Einkünfte betrugen 651 Millionen.

Hier handelt es sich um die wohl gefährlichste Art des Glücksspiels: "Vom psychiatrischen Standpunkt ist es so ähnlich wie alleine zu trinken statt in einer Bar", sagte Sheila Blume, die Vorsitzende des APA ('Addicted Patients Committee', des Komitees für Süchtige). "Hier sitzt ein Mensch an einem Rechner, seine Tür ist geschlossen, und die Familie hat keine Ahnung, was er tut. Sitzt er dagegen in einer Bar, erfährt er zumindest eine gewisse Rückmeldung."

Abhängigkeit vieler Staaten von Einnahmen durch Glücksspiel

Das Problem liegt darin, dass viele Staaten zu sehr von den Einkünften aus dem Glücksspiel abhängig sind, um auf die Versuchungen zu achten, die von ihrer Verbreitung im Internet ausgehen. Keith Whyte, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Nationalen Rates für die Gefahren des Glücksspiels, wies darauf hin, dass im Jahre 2000 die Staatseinkünfte aus legalen Glücksspielen insgesamt etwa 60 Milliarden Dollar erreichten. "Ich glaube, dass viele Staaten sehr ungern ein wachsames Auge auf problematische Glücksspielformen werfen", sagte Whyte.

Wie "The Sunday Times" schrieb, schätzt man, dass eine Million Amerikaner täglich im Internet um Geld spielen. Vor fünf Jahren gab es nur ein halbes Dutzend solcher Internetseiten; heute dürften es mehr als tausend sein mit plötzlich auftauchenden Anzeigen, die suggerieren: "Zum Gewinnen, hier klicken", oder: "Gewinner zu sein, hat noch niemals so viel Spass gemacht".

Viele Anbieter haben ihren Sitz in küstennahen Steueroasen wie Belize, Antigua, Grenada und Curacao. Zum Entsetzen von Kinderschutzgruppen sind einige der Internetseiten an solche für Kinder angekoppelt. Sie bieten freie Spiele als Einführung in Glücksspiel-Internetseiten im Kasinostil an. Auf denen wird dann um detaillierte Angaben zur Kreditkarte gebeten.

Die rasche Ausbreitung von online Wetten stellt ein potenzielles Problem für viele Einzelpersonen und ganze Familien dar. Man kann nur hoffen, dass die Verlockung hoher Steueraufkommen die Regierungen nicht für die Notwendigkeit blind macht, diesen Sektor gesetzlich zu regeln.

Datum: 03.05.2003
Quelle: Zenit

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