Hat das “liebe Geld” dem “lieben Gott” den Rang abgelaufen?

Hat das “liebe Geld” dem “lieben Gott” den Rang abgelaufen? Geld hat nicht nur eine materielle und wirtschaftliche Dimension, sondern auch eine kulturelle und religiöse. Darauf macht der Bonner Theologe und Sozialethiker Prof. Martin Honecker aufmerksam. Er verweist in der “Zeitschrift für medizinische Ethik” (Freiburg) auf die entscheidende Rolle des Geldes für fast alle Lebensbereiche – von der Globalisierung über die Finanzierung des Gesundheitswesens bis zu den Kirchenfinanzen.

Gefährlich werde es, wenn sich alles nur noch nach dem Geld richte: “Die Globalisierung der Weltgesellschaft allein mit ökonomischen Mitteln führt zum Verlust von Zivilisation und Kulturen, ja kann sogar lokale Kulturen zerstören.” Die ausschliessliche Ausrichtung des Gesundheitswesens am wirtschaftlichen Ertrag schade sowohl der menschlichen Kommunikation zwischen Patient und Arzt, als auch dem Heilauftrag der Medizin. Welche Folgen die “Kommerzialisierung des Heils” haben könne, sei beispielsweise am Ablasshandel zu sehen, der im 16. Jahrhundert die Reformation auslöste. Laut Honecker warnt die Bibel einerseits vor der Vergötzung des Geldes, des Mammons, rät aber andererseits zu einem verantwortlichen Umgang. Wenn Menschen ihr Zutrauen allein auf Geld setzten, werde es zum “sichtbaren Gott”. Dagegen wende sich die Kritik der Bibel am Mammon in der Bergpredigt oder die Warnung vor dem Tanz um das Goldene Kalb.

Monopolanspruch der Ökonomie in Frage stellen

Die Tugend des richtigen Umgangs mit Geld vermeide zwei Extreme, nämlich Geiz und Verschwendung, und zeichne sich durch Sparsamkeit und Freigebigkeit aus. Mehr denn je sei in einer Überflussgesellschaft die verantwortliche Verwendung von Geld und solidarisches Teilen notwendig, so Honecker. Die Bibel nenne dies gute Haushalterschaft. Es sei erforderlich, “den Monopolanspruch der Ökonomie kritisch in Frage zu stellen und die Grenzen der Monetarisierung des menschlichen Zusammenlebens zu bedenken”. Das gelte für die Globalisierung ebenso wie für das Gesundheitswesen oder die Kirchenfinanzen. Man dürfe nicht immer nur nach dem Preis fragen, sondern müsse Ziele und Wertvorstellungen bedenken. Honecker plädiert für eine “Entmythologisierung und Entmystifizierung” des Geldes.

Datum: 08.06.2002
Quelle: idea Deutschland

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