Signale wahrnehmen

«Ich habe keinen Schwung mehr»

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Oft überhören wir Warnsignale, denn Erschöpfungsgefühle lassen sich meist plausibel begründen.
«Seit fast zehn Jahren engagiere ich mich in unserer Kirchgemeinde in der Kinderarbeit. Als Mutter von Teenagern und gelernter Kindergärtnerin war es mir immer wichtig, dass wir spannende Angebote für Kinder haben. Vor zwei Jahren wurde neu ein Mitarbeiter für die Kinder- und Jugendarbeit angestellt. Seither ist es nicht mehr dasselbe.»

«Früher haben wir als Team bei den Vorbereitungen die grossen Linien festgelegt und dann die Aufgaben aufgeteilt. Jetzt will er in alles einbezogen werden, weil er ja die Verantwortung habe. Andererseits kann er dann ein verabredetes Programm wieder auf den Kopf stellen. Dazu kommt, dass insgesamt immer mehr Kinder aus schwierigen Familienhintergründen dabei sind, die viel Aufmerksamkeit beanspruchen. Ich betrachte die Kinderarbeit nach wie vor als wichtig, aber irgendwie kann ich nicht mehr. Ich habe fast den Eindruck, als hätte ich allen Schwung verloren!»

Aus Ihren Zeilen spricht leise Trauer und Enttäuschung über die Entwicklung, die Sie im Bereich der Kinderarbeit erleben. Es fehlt Ihnen zunehmend an Motivation, sich in einem Bereich einzusetzen, den Sie eigentlich als wichtig erachten. Sie sehen die Ursache dafür in erster Linie beim neuen Mitarbeiter und der veränderten Dynamik im Team. Dies trägt sicher dazu bei. Doch muss Ihr Erleben vermutlich noch vor einem breiteren Hintergrund verstanden werden.

1. Ein Signal zunehmender Ermüdung

Oft überhören wir das Warnsignal, denn Erschöpfungsgefühle lassen sich meist plausibel mit der Momentansituation begründen. Erschöpfungssignale sind vielfältig und ändern sich im Verlauf fortschreitender Entwicklung: Aufgaben, die einst mit Elan und Engagement begonnen wurden, werden plötzlich weitgehend von dem Gefühl geprägt, nie mehr richtig Zeit zu haben. Und so stellt sich schnell eine schleichende Verleugnung der eigenen Bedürfnisse ein. Denn was liegt näher, als sich persönlich weiter einzuschränken, auf Kontakte mit Freunden, kulturelle Anlässe und die restlichen Hobbys zu verzichten, um die Aufgaben erfüllen zu können? Parallel dazu drohen verminderte Belastbarkeit, Stimmungslabilität und eine bisher nicht gekannte Erholungsunfähigkeit: nach innen unruhig und gereizt, nach aussen matt und kraftlos. Ist das emotionale Erleben so stark betroffen, ist der Prozess schon weit fortgeschritten. Im Extremfall können solche Entwicklungen bis zu einem Burnout führen.

2. Überprüfen Sie Ihre Aufgaben

Sie stehen seit zehn Jahren in der Kinderarbeit und spüren, dass manche Ideale, mit denen man schwungvoll begonnen hat, durch gemachte Erfahrungen korrigiert wurden. Solche Prozesse benötigen Kraft. Zudem übersehen gerade engagierte Menschen gerne, dass sich im Verlauf von einigen Jahren auch in anderen Lebensbereichen Aufgaben ansammeln! So hat sich Ihre Familiensituation grundlegend geändert: Damals waren ihre Kinder klein, heute sind sie Teenager, die Sie als Mutter stark fordern. Wenn Menschen durch die vielfältigen alltäglichen Aufgaben bereits ausgelastet sind, fehlt der Seele vielleicht die notwendige Elastizität, um sich an eine Veränderung, wie Sie sie im Team erleben, anpassen zu können.

3. Gestehen Sie sich Veränderungswünsche zu

Der Motivationsverlust, den Sie spüren, ist nicht Ausdruck von Versagen, sondern lädt zur Neuorientierung ein. Unser Gott ist kein statischer Gott, sondern er nimmt uns mit auf neue Wege. Indem wir eine Aufgabe, die wir für eine bestimmte Zeit ausgefüllt haben, zurückgeben, werden wir frei, uns in einer neuen Form Gott zur Verfügung zu stellen. Eine solche Neuorientierung fällt womöglich schwer und das Wahrnehmen eigener Bedürfnisse («Was will ich eigentlich?») muss vielleicht neu erlernt werden. Wagen Sie diesen Weg dennoch mit Jesus Christus. Er stellt Ihre Füsse auf weiten Raum (lesen Sie dazu doch auch mal Psalm 31,9 in der Bibel).

Info: Burnout

Chronische Erschöpfung und Burnout sind Endzustände einer längeren Entwicklung. Warnzeichen wie schwindende Motivation, Stimmungsschwankungen bis hin zu nie gekannter Erholungsunfähigkeit werden oft ignoriert. Betroffenen werden anfällig für banale Infekte, was die allgemeine Frustration erhöht. Das Ganze mündet schliesslich in einen Zustand verringerter Frustrationstoleranz, Niedergeschlagenheit und Versagensgefühlen. Die Folgen dieser Entwicklung für Familie, Beruf und Glaubensleben sind leicht auszumalen. Burnout trifft meist engagierte Menschen mit hoher Leistungsbereitschaft und Verantwortungsgefühl sowie Sensibilität für ihre Mitmenschen. Besonders Christen sollten sorgfältig darauf achten, ein solches Überengagement nicht mit Glaubenstreue zu verwechseln.


Autor: Monika Riwar
Quelle: Neues Leben

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