Ein treuer Freund

Kaffeetrinken mit Jesus

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Beten ist Reden mit Gott. Für manch einen ist der Dialog mit dem Schöpfer allerdings einfacher gesagt als getan. Der Österreicher Hans-Peter Royer kennt das Problem. Er sagt: «Beten erinnert uns daran, dass wir nicht alleine durch die Banalitäten des Lebens gehen.» Wie Kaffeepausen mit Jesus Ihr Gebetsleben verändern können, beschreibt er im folgenden Beitrag.

Jeder Mensch kann beten – ob reich oder arm, berühmt oder unbekannt, aus guten oder schlechten Verhältnissen stammend. Persönlich habe ich mich mit Gebet immer schwer getan und kann bis heute nicht behaupten, dass es mir leicht fällt.

Obwohl es für mich als Christ das Normalste sein sollte, mit Gott zu reden, ist es oft das Letzte, was ich im Alltag praktiziere. Stattdessen sitze ich im Auto oder im Büro und mache mir Sorgen um die Finanzen der nächsten Monate. Oder ich gerate ins Schwitzen darüber, wie ich den Streit mit meiner Frau ausbaden werde. Aber ich bete nicht darüber. Oft scheint es das Letzte zu sein, was mir in den Sinn kommt, nach dem Motto: «Wenn sonst gar nichts mehr hilft, dann bete eben!»

Warum sind wir Menschen so verhalten, was das Beten angeht? Im Grunde ist die Kommunikation mit Gott doch höchst einfach. Es muss uns dabei nur eins bewusst sein: Gott wohnt nicht geografisch irgendwo ausserhalb, sondern in jedem Menschen, der an ihn glaubt. Er ist uns «nahe» .

Viele Menschen sprechen aber mit Gott in einer Weise, als wäre Gott weit weg, irgendwo im Himmel. Ein Mädchen erzählte mir einmal verzweifelt: «Wenn ich bete, dann geht mein Gebet nur bis an die Decke!» Ich wusste genau, was sie damit meinte. Aber ich konnte sie auch ermutigen, indem ich ihr versicherte, dass Gott unterhalb der Decke wohnt und sie mit ihrem Gebet nicht erst bis ins Weltall durchdringen muss.

Vom «Er» zum «Du»

Vielleicht gehören auch Sie zu denjenigen, denen es schwer fällt, ein Gebet zu sprechen und persönlich mit Gott zu reden. Sei es, dass Sie es noch nie probiert haben oder es Ihnen schon immer schwer gefallen ist.

Eine erste Hilfe können da die Psalmen aus der Bibel sein, denn durch sie kann man lernen, persönliche Gespräche mit Gott zu führen. Zwar sind diese Gebete nicht immer für unser modernes Ohr «schön» formuliert ­- sie stecken manchmal voll Zorn, Misstrauen oder sogar Fluchen –, aber gerade das macht sie real. Es sind Worte, die sich mitten aus dem Alltag an Gott wenden. Manche Christen glauben ja, dass Gott nur an den «grossen» Dingen, den wichtigen Entscheidungen des Lebens, interessiert sei. Aber wenn wir Gott nicht in unsere täglichen Banalitäten einbeziehen, dann schliessen wir ihn vom Grossteil unseres Lebens aus, denn unser Leben besteht zu 90 Prozent aus Banalitäten.

Vor kurzem habe ich wieder einmal Psalm 23 gelesen und ihn sogar auswendig gelernt. David beginnt diesen Psalm, indem er über Gott in der dritten Person spricht. Er führt quasi ein Selbstgespräch, in dem er sich an die Versprechen Gottes erinnert: «Der Herr, er weidet mich, er erquicket mich, er führet mich.» Aber dann, als er in Bedrängnis gerät und im finsteren Tal wandert, wendet sich David direkt an Gott: «Du bist bei mir!» – Das ist es, was wir als Menschen im Leben, in der Beziehung und im Gespräch mit Gott neu lernen müssen. Wir müssen vom «Er» zum «Du» kommen – vom Selbstgespräch zum Gebet. Denn das erinnert uns daran, dass wir nicht alleine sind, sondern mindestens zu zweit durchs Leben gehen.

Kaffeezeit mit Jesus

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Vor einiger Zeit predigte ich einmal in Kanada auf einer Konferenz. Der Rückflug verzögerte sich etwas und so verpasste ich meinen Anschluss nach Salzburg. Die nächste Maschine flog erst sieben Stunden später. Was sollte ich bloss mit dieser verlorenen Zeit anfangen? Früher haben mich solche Verspätungen genervt, weil man in dieser Zeit eigentlich wenig Produktives tun kann. Aber diesmal war es anders. Ich habe mich daran erinnert, dass Gott gerne mit seinen Kindern Zeit verbringt. Und so kam es, dass mich die sieben Stunden Wartezeit kein bisschen genervt haben und ich sogar eine grosse Freude darüber verspüren konnte, endlich sieben Stunden lang mit Jesus spazieren zu gehen, Kaffee zu trinken und eine ungestörte Zeit mit ihm zu haben - ohne etwas anderes tun zu müssen. In diesen so genannten «Kaffeezeiten» sage ich Gott all meine Herzensanliegen, lese in der Bibel und denke an ihn.

Gottes Gegenwart in uns

Die innigste Form von Gemeinschaft, die wir als Menschen kennen, erleben wir im Einswerden mit einer anderen Person. Und zu dieser Einheit mit sich selbst hat Gott den Menschen letztlich geschaffen (Die Bibel, Johannes, Kapitel 17, Verse 20–23). Aber zwei Persönlichkeiten sind in letzter Perfektion erst dann wirklich «eins» geworden, wenn Worte wie «mein» und «dein» nicht mehr im Vordergrund stehen. Die Betonung liegt dann eher auf «wir» und «uns».

Die Bibel spricht davon, dass in dem Augenblick, wo ein Mensch zu Gott kommt, seine Schuld bekennt und Busse tut, Gott der Vater und sein Sohn Jesus Christus durch den Heiligen Geist in dieses Leben kommen und Wohnung in dem Gläubigen nehmen (Johannes 14, 23). Christsein bedeutet also im Grunde, dass Menschen zu Teilhabern der göttlichen Natur – zu Kindern Gottes werden, die eins sind mit ihm. Wer das versteht, erkennt, dass seine Zukunft nicht mehr abhängig ist von seinen eigenen Gaben, Talenten, seinem Können oder seiner Intelligenz, sondern allein von Gottes Gegenwart in ihm.

Das Leben im «Wir»

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Lassen Sie uns doch mal einen kurzen Test durchführen: Versuchen Sie einmal ganz praktisch zuerst im «Ich» und danach im «Wir» folgenden Satz zu denken und zu reden: «Das schaffe ich nicht, ich werde versagen, ich gehe dabei zugrunde!» – Und nun versuchen Sie dasselbe zu sprechen, jedoch gemeinsam mit dem allmächtigen Gott in Ihnen und in der Wir-Form:

«Das schaffen wir nicht.» Und Gott fragt zurück: «Warum denn nicht?» – «Wir werden versagen.» Und Gott sagt: «Nein, ich habe noch nie versagt.» – «Wir werden dabei zugrunde gehen.» Und Christus antwortet: «Wir werden nicht zugrunde gehen, denn ich bin auferstanden!»"

Merken Sie es? Der Unterschied ist enorm! – Solange Sie nur im Ich, Mein und Mir denken, werden Sie keine Wunder erleben. Denn dabei konzentrieren Sie sich nur auf Ihre eigenen Möglichkeiten und nicht auf Gottes. Übrigens: Falls Sie nach diesem Artikel eine Pause einlegen oder einen Kaffee trinken, nehmen Sie Gott direkt mit hinein und machen Sie eine «Wir-Zeit» daraus.

Wissen, wem man glaubt

Viele Menschen, mit denen ich über den Glauben rede, behaupten, an einen Gott zu glauben und sagen sogar, dass sie ab und zu mal beten. Wenn ich sie dann aber frage, mit wem sie reden, antworten sie: «Ja, mit Gott eben!» Wenn ich dann weiter nachfrage, wer denn dieser Gott sei, müssen die meisten zugeben, dass sie keine Ahnung haben.

Wie kann man an einen Gott glauben und mit ihm reden, wenn man gar nicht weiss, wer dieser Gott ist, welchen Charakter er hat, und ob er gut oder böse ist? – Wenn man sein Gegenüber nicht kennt, kann auch kein vernünftiges Gespräch stattfinden. Das gilt für uns Menschen wie auch für Gott. Und eben darum ist Gott in Jesus Christus Mensch geworden, damit Menschen erkennen können, wer Gott ist. Glaube allein hilft also niemandem, Glaube braucht immer ein Objekt. Ohne Objekt ist es unmöglich, zu glauben.

Schon oft bin ich in Schweden über einen zugefrorenen See spaziert. Dort ist das Eis dick genug, um darauf zu laufen. Als tiefgläubiger Mensch könnte ich auch vor einem Bergsee in Österreich stehen und zu mir selbst sagen: «Ich weiss, dass das Eis nicht sehr dick ist, aber ich habe grossen Glauben, und ich glaube, dass ich von dieser Seite des Sees auf die andere komme.» Nun, sehr wahrscheinlich werde ich mit meinem grossen Glauben auf dem Eis einbrechen, erfrieren und tot sein. Warum? – Weil das Objekt meines Glaubens nicht stark genug war.

Andererseits kann ich in Schweden zitternd und kleingläubig auf das Eis treten und vorsichtig Schritt für Schritt über den See balancieren. Und zu meiner Überraschung gelange ich mit all meinen Zweifeln an die andere Seite des Sees. Warum? – Weil das Objekt meines kleinen Glaubens gehalten hat.

Ein treuer Freund

So verhält es sich auch mit dem Glauben an Gott. Persönlich respektiere ich jeden Menschen, der irgendwie gläubig ist. Ich werde niemals einem Hindu, Moslem oder Buddhisten den Glauben absprechen, denn ich bin überzeugt, dass viele von ihnen einen wesentlich grösseren Glauben haben als ich. Aber ich werde jeden Hindu, Buddhisten oder Moslem herausfordern und fragen: «Was ist das Objekt deines Glaubens? Und ist dein Objekt tragfähig?» Denn nicht der Glaube allein rettet einen Menschen, sondern der Glauben an das richtige, tragfähige Objekt. Darum bekennt der Apostel Paulus in der Bibel in 2. Timotheus 1, 12: «Ich weiss, wem ich geglaubt habe!» Und ich tue es ihm gleich: Denn all die Jahre, seitdem ich mit Gott unterwegs bin, erweist er sich immer wieder als derjenige, der mich liebt und um mich besorgt ist. Ein treuer Freund, mit dem ich nicht nur beim Kaffeetrinken gerne rede.

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Autor: Hans-Peter Royer

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