Kinder

Belastung oder Kitt für die Ehe?

Glückliche Ehen sind heute Mangelware. Kinder belasten eine angeknackste Partnerschaft zusätzlich – lautet jedenfalls die gängige Meinung.

Beat Tanner, Paar- und Familientherapeut aus Aarau, will dieser These so nicht zustimmen. Vielmehr könnten Kinder eine Ehe sogar zusammenhalten. Trotzdem meint Tanner: „An erster Stelle steht die Partnerschaft. Dann erst kommen die Kinder.“

Livenet: Herr Tanner, wie stark kann eine falsche Erziehung der Kinder eine Partnerschaft belasten?
Erstmal möchte ich betonen, dass alle Eltern die Absicht haben, ihre Kinder richtig zu erziehen. Alle meinen es gut. Nur: die Frage ist, ob das auch gelingt. Ich erlebe, dass Eltern es mehr und mehr vermeiden, ihre Kinder mit Unangenehmem zu konfrontieren. Sie haben Angst vor deren Wutausbrüchen, Lärm, Geschrei, Aggression, und geben darum schnell nach. Das bringt eine ungute Beziehungsdynamik. Die Kinder gewinnen die Oberhand über die Eltern. Sie nehmen nur noch und geben von sich selber nichts mehr.

Ja, eine falsche Erziehung belastet eine Partnerschaft sehr stark. Am besten verhindert man das mit einem Vertrauen auf Gott. Ich muss mich dann nicht ängstlich um meine Kinder sorgen, sondern darf ihnen auch etwas zutrauen. Gott gibt uns Struktur, und so lebe ich dem Kind gewisse Strukturen vor, auf die es bauen kann.

Weshalb braucht ein Mensch Strukturen?
Die Neurobiologie und die Bibel lehren uns das. Ohne Strukturen würde der Mensch absolut grenzenlos; ich denke zum Beispiel an die Geschichte von Eli und seinen Söhnen.* Deshalb sind Rahmen, Rituale und Strukturen sehr wichtig für Kinder.

Wir sprechen über die Belastung einer Ehe durch Kinder. Können Kinder eine Ehe auch kitten?
Die Statistik zeigt jedenfalls, dass Ehen mit Kindern länger halten. Dabei scheint die Anzahl der Kinder eine Rolle zu spielen. Familien mit mehr als zwei Kindern halten besser als solche mit wenigen oder keinen Kindern. Man hat einfach grössere Vorbehalte, sich zu trennen. Aber ob die Ehe selber auch gut ist, das ist eine andere Frage.

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Beat Tanner

Wie kann ich mein Kind richtig erziehen?
Fördern Sie die Selbständigkeit des Kindes. Kinder sind Teil der Familie und sollen im Haushalt mithelfen, natürlich dem Alter entsprechend. Ämtli, aufräumen, Teller vom Tisch tragen, Schuhe verräumen usw. Kinder fühlen sich ernst genommen, wenn man ihnen etwas zutraut und sie ihren Teil beitragen können. Stellen Sie klare Regeln auf. Es ist wichtig, dass sich Kinder an Vorgaben orientieren können.

Welches sind die wichtigsten Punkte einer Erziehung?
1. An erster Stelle steht die Ehe, das ist ganz wichtig.
2. Dann kommen die Kinder mit ihren Anliegen.
3. Wichtig ist auch, dass ich meinen Kinder Schwierigkeiten zumute und ihnen nicht alles abnehme. Sie müssen lernen, selber zu knorzen. Das stärkt sie fürs Leben.
4. Kinder sollen Verantwortung tragen. Wenn ein Kind die Schultasche vergisst, muss nicht die Mutter in die Schule laufen, sondern das Kind soll sich die Tasche zu Hause holen kommen.
5. Wichtig ist, dass Eltern konsequent sind. Sie müssen angedrohte Konsequenzen wie Fernsehverbot oder Wiedergutmachungen durchziehen, sonst sind sie nicht glaubwürdig. Eltern sind keine „Mamageien“ oder „Papageien“, die alles hundertmal wiederholen. Wenn sie etwas sagen, soll es auch gelten!
6. Es gibt Eltern, die den Kindern alle Wünsche von den Augen ablesen. Die müssen oft nicht mal mit dem Finger schnippen und kriegen gleich alles. Das kann verheerende Folgen haben. Depressionen, aggressives oder zwanghaftes Verhalten und das Scheitern einer späteren Beziehung sind vorprogrammiert, wenn ein Kind nicht lernt, dass das Leben nicht nur aus Nehmen, sondern auch aus Geben besteht.
7. Kinder müssen vor Tatsachen gestellt werden. Wenn sie sich eine Suppe einbrocken, müssen sie die auch auslöffeln. Schliesslich wollen ja auch sie selber ernst genommen werden.
8. Missverständnisse und Streit müssen geklärt werden. Vergebung und Versöhnung dürfen nicht wortlos geschehen; es muss zu einer Aussprache kommen. Wie soll ein Kind denn sonst wissen, ob’s nun wirklich wieder gut ist zwischen ihm und den Eltern? In christlichen Kreisen vergibt man einander sehr schnell. Aber es ist wichtig, ein Problem auch wirklich zu klären. Erst dann ist das Gewissen der Kinder entlastet, und sie können das Ganze einordnen.
9. Eine Vergebung muss von beiden Seiten kommen. Ich erlebe oft, dass sich nur die Eltern bei den Kindern entschuldigen. Das verstärkt aber die Gewaltspirale. Das Kind bekommt den Eindruck, dass nur die Eltern danebenliegen.

* 1. Samuel 2,12-17. Die Söhne des Priesters Eli nahmen das beste Opferfleisch für sich selber statt es vorschriftsgemäss zu verbrennen.

Kontaktadresse Beat Tanner:
Christliche Fachstelle für Ehe, Familie, Erziehung und Lebensberatung
Bleichemattstrasse 15
5000 Aarau
Tel. 062 823 90 77
E-Mail: ab.tanner@gmx.ch

Datum: 03.05.2006
Autor: Iris Muhl
Quelle: Livenet.ch

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