M-A-R-T-E-R: „The Passion of the Christ“

Seit Donnerstag läuft der Film „The Passion of the Christ“ in Schweizer Kinos. Wer ihn sieht und hört, wer sich ihm aussetzt, buchstabiert fast hundert Minuten lang ein Wort, das uns (wenn überhaupt) zu glatt über die Zunge geht: Marter.

Marter, Folter: Der Film zeigt sie drastisch, mit brutaler Gewalt. Da wird ein Mensch, der Frieden gepredigt hat, erniedrigt, gequält und in den Tod geschunden. Der Hass der erregten jüdischen Tempelwächter und die vergnügte Grausamkeit der römischen Soldaten ergeben eine Orgie des Schlagens und Peitschens, der kein Hohn zu wüst, kein Blut zuviel ist.

Die eingestreuten, ganz kurzen Rückblenden zeigen die Fülle des Lebens, die Jesus seinen Freunden weitergegeben, den Zuhörern verkündigt hat. Er, der diese Fülle in sich trägt und verkörpert, wird ohne Erbarmen hingerichtet.

In der Konzentration auf sein Thema ist der Film von Mel Gibson grandios. Eindrücklich (gut katholisch gefilmt) die fassungslos Mitleidenden: Maria, Maria Magdalena und Johannes. Befremdlich die Gestalt Satans, einer Frau, die, auf Jesu Versagen wartend, durch die Gaffer huscht. Bewegend Simon von Kyrene, der erst gezwungen, dann mit tiefer Sympathie das Kreuz mitträgt.

Mit gemischten Gefühlen habe ich mich in den Kinosessel gesetzt; sehr betroffen, irgendwie zerschlagen, bin ich aus dem Saal gegangen. Der Film zerschlägt oberflächliches Reden vom Kreuz, auch eine süssliche Verehrung des Gekreuzigten – was der Mann aus Nazareth erlitt, war schrecklich.

Was soll soviel Grausamkeit am Anfang der christlichen Geschichte? In der westlichen Kultur wird diese Frage seit langem gestellt – und auf Gott zurückgeworfen: Was ist das für ein Gott, der nicht vom Himmel her eingreift? Der seinen Gesandten die totale Verlassenheit verzweifelt hinausschreien lässt?

Die Passion hat zahllose Künstler bewegt. Johann Sebastian Bach hat sie in seinen Passionen verarbeitet. Zehn Generationen später wird sie mit der Wucht des Actionfilms aufgeladen. Kann eine von medialen Gewaltbildern gesättigte Kultur nur noch mit einem derart drastischen Film das Leiden von Jesus als etwas Aufrüttelndes wahrnehmen?

Ich habe noch keine Antwort auf diese Frage. Klar ist nur: Der Film, der mit den aramäisch und lateinisch sprechenden Schauspielern so strikt das erste Jahrhundert zeigen will, sagt auch viel über unsere Zeit aus. Und trifft uns, weil wir uns im Christentum so komfortabel eingerichtet haben. Als ginge es nicht um Tod und ewiges Leben.

Nach all den roten Szenen, dem Sturm und dem Erdbeben, wirken die abschliessenden Bilder Gibsons vom Ostermorgen schwach. Erst jene Oster-Action aber, welche allein die Handschrift Gottes trug, würde den Film in die Balance bringen. Denn da stellte sich der Herr des Himmels zu seinem Knecht und gab ihm die Herrlichkeit des ewigen Lebens. – Doch wer will Auferstehung filmen?

Datum: 20.03.2004
Autor: Peter Schmid
Quelle: Jesus.ch

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