Ron Sider

Mit dem Evangelium in die Politik

Der in den USA lehrende evangelische Theologe Ron Sider erörterte an einem Vortrag in Biel, weshalb sich überzeugte evangelische Christen in die Politik einzumischen hätten - und wie sie dies jenseits von Parteipolitik tun können.

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Ron Sider.
Wie kommt es, dass Staatsmänner und Politiker sich klar als evangelisch gläubige Christen bezeichnen und dennoch in ihren politischen Entscheidungen den christlichen Werten in so vielem nicht zu folgen scheinen? Diese Frage stellt sich der kanadische Theologe Ron Sider schon seit Jahren. Und darüber referierte er an der Delegiertenversammlung der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA ) / Réseau évangélique suisse (RES) am 7. Mai 2011 in Biel. Über diese Delegiertenversammlung hinaus richtet er sich mit seinen Fragen an alle, die beim Thema «Politik und christlicher Glaube» nach überzeugenden Antworten suchen.

Widersprüchliches Verhalten

Präsidenten wie George W. Bush oder Abgeordnete wie Jesse Helms (früherer Senator von North Carolina) bekannten sich in ihrem Amt zu einem bibeltreuen Christentum. Aber wenn man dann hinsehe, wie sie sich politisch äusserten, finde man gerade bei ihnen absurde, der christlichen Lehre widersprechende Ideen oder korrupte Verhaltensweisen, sagte Sider. Für den Theologen mit mennonitischen Wurzeln hat dies vor allem einen wichtigen Grund. Solchen Politikern fehlt eine theologisch-biblisch begründete politische Philosophie, ist Sider überzeugt.

Methodisches Vorgehen

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Ron Sider
In seinen Ausführungen zeigte Sider auf, wie diese politische Philosophie methodisch sorgfältig aufgebaut werden müsse. Ein erster Schritt sei die Begründung eines normativen Rahmens, der mit einer umfassenden biblischen Exegese erarbeitet werden müsse. Wer dies nicht tue, würde sich rasch im üblichen links-rechts-Schema finden. Zweitens brauche es auch eine soziologische Studie der Gesellschaft. Es gelte, die vielen Themen zu beschreiben, welche hier relevant seien und für welche die Bibel eine nicht offensichtliche Antwort habe.

Verteilung der Macht

Die Entwicklung einer christlich politischen Philosophie könne den Rahmen geben, in welchem sich eine christlich verstandene Politik bewege und sei somit beim Finden von Lösungen und Antworten in konkreten Fragen eine wichtige Grundlage. Als Grundwerte in der politischen Philosophie sieht Sider etwa den umfassenden Schutz des Menschenlebens (auch des vorgeburtlichen) und der Menschenwürde. Zu den Grundwerten gehörten auch die Suche nach einer ökonomischen Gerechtigkeit, die besondere Berücksichtigung der Bedürfnisse der Armen und der Schutz der Schöpfung. Dieses Ziel werde in unserer Gesellschaft politisch am besten erreicht durch Dezentralisation und Beschränkung der Macht durch demokratische Systeme und durch eine starke Zivilgesellschaft.

Während vor 30-40 Jahren viele überzeugte Christen sich von der Politik gänzlich ferngehalten hätten, sei das politische Engagement heute salonfähig geworden. Dabei sei es nicht Auftrag der Kirche, von der Kanzel her zu politisieren oder Wahlempfehlungen zu geben, sondern den normativen Rahmen im Lichte biblischer Lehre zu erarbeiten, präzisierte Sider. In diesem Sinne sei die Politik ein wichtiger Teil des christlichen Glaubens.

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Autor: Thomas Hanimann
Quelle: SEA

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