War der Sohn Gottes ein Miesepeter?

Mit Gott auf einer Feier — das haben die Anhänger von Jesus Christus, seine Jünger, mehr als einmal erlebt. Jesus war alles andere als ein Spielverderber. Im Gegenteil: Auf einer Hochzeit verwandelte er sogar Wasser in Wein. Denn entgegen der Meinung alter und moderner Gesetzeslehrer hat er nicht nur gepredigt, geheilt und grosse Probleme gelöst. Er genoss es auch, mit seinen Menschen zusammen zu sein —„einfach mal so". Und bei allem nötigen Ernst: Gott freut sich, wenn wir uns freuen.


Der Sohn Gottes freut sich, wenn wir uns freuen.

Dass ganz normale Leute in einer kleinen Stadt gerne mit Jesus zusammen waren, dürfte schon bezeichnend sein. Dass der Sohn Gottes nicht anmassend oder arrogant war, halte ich für sehr be­merkenswert. Jesus war nicht selbstherrlich. Er, der alles kannte und wusste, war kein Besserwisser. Er, dem alles auf dieser Welt gehört, hat nie damit geprahlt.

Aufkreuzen statt aufschneiden

Nie. Er hätte es tun können. Und wie! Als Sohn Gottes war er an keine menschlichen und irdischen Gesetze gebunden. Er hätte ein Angeber sein kön­nen: „He, soll ich euch mal kurz ins zwanzigste Jahrhundert beamen?” Er hätte ein Klugschnacker sein können: „Ich weiss, was du gerade denkst. Beweis gefällig?” Er hätte den dicken Max markie­ren können: „Ich hab ein Stück Land auf dem Jupiter.” Doch Jesus war und tat nichts von alldem. Seine Sache war nicht das Aufschneiden, sondern das Aufkreu­zen. Er gab sich alle Mühe, genauso menschlich zu sein wie der Typ von nebenan.

Niemals unnahbar

Folge davon war, dass die Leute ihn mochten. Gut, es gab auch jene, die sich über seine Behauptungen är­gerten. Sie nannten ihn Gotteslästerer, niemals aber bezeichneten sie ihn als Grosskotz. Sie bezichtigten ihn der Ketzerei, nicht aber der Arroganz. Er wurde als Radikaler gebrandmarkt, nie aber unnahbar genannt.

Es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass er je seine himmlische Stellung für seinen persönlichen Vorteil benutzt hätte. Niemals. Man hat einfach nie das Gefühl, seine Nachbarn wären irgendwann seinen Hochmut leid gewesen und hätten ihn gefragt: „Was glaubst du eigentlich, wer dich zu Gott gemacht hat?” Sein Glaube machte ihn liebenswert, nicht verab­scheuungswürdig. Schön wär's, wenn es sich hier bei uns auch so verhalten würde!

Nur ein Grund: Spass

Was hat uns bloss auf die Idee gebracht, dass ein guter Christ ein ernster Christ ist? Wodurch ist nur das Gerücht aufgekommen, dass man einen Nachfolger von Jesus Christus an seinem langen Ge­sicht erkennt? Woher kommt die Vorstellung, dass Trauerklösse die wahrlich Begna­deten sind? Darf ich vielleicht etwas sagen, das Stirnrunzeln verursachen wird? Darf ich Ihnen verraten, warum sich Jesus laut der Bibel die Zeit nahm, neunzig Meilen von Jericho nach Kana zu laufen, um dort auf eine Hochzeit zu gehen, obwohl auf seinen Schultern die Aufgabe lastete, die Welt zu erlösen? Ich glaube, er ging auf die Hochzeit, um sich zu amüsieren.

Nicht Wasser in Wein zu ver­wandeln war sein Ziel. Das war nur ein Gefallen, den er seinen Freunden tat. Es war auch nicht sein Ziel, seine Macht zu zeigen. Der Gastgeber bekam nicht mal was davon mit. Sein Ziel war auch nicht zu predigen. Es gibt keinerlei Aufzeichnungen über eine Predigt. Bleibt eigentlich nur ein Grund. Spass. Jesus ging auf die Hochzeit, weil er die Leute mochte und das Essen; und – grosser Gott! – vielleicht wollte er sogar mal mit der Braut eine Sohle aufs Parkett legen.


Auch Jesus feierte – weil er die Leute mochte und mit ihnen Spass haben wollte.

Steif von den Kirchenbänken

Verzeiht mir also bitte, Pastor Nieselpriem und Schwester Drögeseel. Tut mir Leid, wenn ich euch die Petersilie verhagele, aber Jesus war ein sympathischer Bursche. Und das Gleiche dürfte auch auf seine Jünger zutreffen. Ich spreche hier nicht von Völlerei, Trunkenheit, Ehebruch, Derbheit und Vulgarität. Ich mache mich lediglich stark für die Freiheit, sich über einen guten Witz zu amüsieren, Schwung in eine langweilige Party zu bringen, einen lustigen Abend zu schätzen zu wis­sen.

Vielleicht überraschen diese Ge­danken Sie. Mich jedenfalls tun sie’s. Es liegt länger zurück, dass ich Jesus als Freund von Partys bezeichnet habe. Es stimmt aber. Seine Wider­sacher beschuldigten ihn, zu viel zu essen, zu viel zu trinken und sich mit den falschen Leuten herumzutreiben (siehe die Bibel, Matthäus, Kapitel 11, Vers 19)! Ich muss gestehen: Es ist schon eine ganze Weile her, dass mich jemand beschuldigt hätte, ich würde mich zu gut amüsieren. Sind wir so steif vom vielen Sitzen in Kirchenbänken? Könnten wir nicht lernen, wieder Kinder zu sein?


Autor: Max Lucado
Quelle: Neues Leben

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