Glaube und Ethik – gibt es Unterschiede?

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Ethisch handeln aus der Gemeinschaft mit Gott.
Immer wieder wird die Redewendung von der "christlich abendländischen Kultur" gebraucht. Oft geschieht dies im Zusammenhang mit Menschenrechten, oder beispielsweise auch in Fragen der Gentechnik. In welchem Verhältnis stehen christlicher Glaube und Ethik zueinander?

Oft wird dabei betont, dass bei uns die gesetzlichen Auflagen aufgrund der christlichen Tradition strenger sind als beispielsweise in Japan. Auch stellt man sich auch oft die Frage, ob ein Vorgehen "ethisch verantwortbar" sei. Scheinbar sind Glaube und Ethik etwas sehr ähnliches. Geht man aber ins Detail, so sieht man erhebliche Unterschiede.

In den “Zehn Geboten“ in der Bibel steht beispielsweise: "Du sollst nicht töten", "Du sollst nicht stehlen", "Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten" und so weiter. Die Gebote der Bibel sind im Prinzip seit Jahrtausenden unverändert geblieben. "Du sollst nicht stehlen" verstehen wir heute genauso wie die Menschen damals. Doch wie ist es mit der Ethik?


Ethik verschiebt Grenzen

Bei jeder neuen Entwicklung, sei es nun Kernenergie, Gentechnik, Klonen, Sterbehilfe wird die Frage nach der "ethischen Verantwortbarkeit" gestellt. Eine Sache, die gestern noch undenkbar war, ist heute wissenschaftlich möglich, darf aber "niemals" Realität werden, morgen macht man erste Versuche und übermorgen ist sie völlig normal. Ein Beispiel sind Wissenschaftler, die ernsthaft daran forschen, das menschliche Leben durch einen Eingriff in die Gene auf 400 Jahre zu verlängern.

Sind die biblischen Gebote im Prinzip unveränderlich, so verschiebt die Ethik immer wieder die Grenzen. Zunächst wird eine neue Entwicklung nahezu einstimmig abgelehnt ("Den geklonten Menschen darf es nie geben"), dann werden Nischen entdeckt, wo eine Anwendung angeblich ethisch in Frage kommt (therapeutisches Klonen, also das Züchten und Verwenden von Embryos zur Behandlung von Krankheiten anderer), dann wird in irgendeinem Land mit laxeren Bestimmungen das Verfahren das erste Mal angewendet und zuletzt zieht man selber nach, um den Anschluss nicht zu verlieren. Die Normen der Ethik werden also laufend angepasst.

Handeln aus der Gemeinschaft mit Gott

In welchem Verhältnis stehen christlicher Glaube und Ethik zueinander? Man könnte es vereinfacht so formulieren: Nicht die Früchte machen den Baum gut, sondern nur ein guter Baum bringt gute Früchte. Richtig handeln kann man zwar auch ohne Glauben. Wenn jemand im Selbstbedienungsladen nicht stiehlt, sondern die Ware bezahlt, weil er befürchten muss, erwischt zu werden, dann hat er nichts Böses getan, auch ethisch richtig gehandelt. Aber zur ethischen Gutheit gehört mehr, nämlich dass man nicht nur faktisch, sondern prinzipiell ethisch richtig handeln würde. Dazu ist aber notwendig, nicht nur aus Angst nicht zu stehlen, sondern aus einem Vertrauen zu Gott zu handeln. Die Bibel lehrt, dass nur solche Werke vor Gott gut sind, die aus der Gemeinschaft mit ihm hervorgehen, also nicht aus der Angst des Menschen um sich selber stammen. Die christliche Botschaft behauptet, dass alle wahre Liebe und Hingabe von Menschen füreinander nur als Gnade verstanden werden kann: „Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind“.

Datum: 01.06.2005
Autor: Bruno Graber
Quelle: Livenet.ch

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