Zu Weihnachten bei den Indianern

Lagerfeuer-Romantik und Realität gehen diametral auseinander. Weihnachten bei den Indianern ist ganz anders als man sich das vorstellt.

Ein paar Dutzend Tipis, edle Pferde am Grasen, ein knisterndes Lagerfeuer und zu Weihnachten unter dem einnachtenden Sternenhimmel ein spezieller Freudentanz – so mag man sich Weihnachten bei den Indianern vorstellen. Das Kriegsbeil wird begraben, und im Akkord werden Lebkuchen-Herzen verspeist.

Urs Trummer sah bei den Indianern anderes. Dreizehn Jahre lebte der Missionsleiter von «Indicamino»* unter ihnen in Peru. Und diese wohnen dort nicht in Tipi-Zelten. «Es sind Häuser mit einer Palmenblätterdecke. Viele haben keine Wände. Manche Gruppen schlafen auf dem Boden, andere auf einer erhöhten Fläche.»

Sind das Menschen?

Natur pur – diese Indianer-Verklärung stimmt schon eher. «Sie leben sehr abgelegen an Flussläufen im schwer zugänglichen Urwald.» Auch die Indicamino-Mitarbeiter hätten gestaunt, wie die Menschen das schaffen. «Viele leben von der Jagd, vom Fischen und begrenzt auch vom Ackerbau.» Sie seien nur wenig technisiert. Da und dort gebe es Dinge wie einen Bootsmotor oder eine Motorsäge im Dorf.

Urs Trummer: «Sie leben am Rande der peruanischen Gesellschaft. Manchmal gelten sie fast nicht als Menschen. Es ist schwierig.» Sogar die evangelischen Peruaner tun sich schwer, die Indianer als ihre Landsleute zu verstehen. «Sie haben eine andere Sprache und fremde Lebensweise.»

Man betrachtet sie als völlig unzivilisierte Menschen. Der Analphabetismus ist dort so verbreitet wie bei uns der Duden. Dank den emsigen Bibelübersetzern von Wycliff haben aber die meisten Gruppen eine geschriebene Sprache. Und viele seien offen für den christlichen Glauben.

So wird gefeiert

Weihnachten feiern die evangelischen Christen unter den Indianern anders als die allgemeine Bevölkerung. Nämlich fast gar nicht. «Weihnachten, Ostern, Pfingsten und andere Feiertage werden von den indianischen Christen kaum begangen», berichtet Trummer. Und zwar ganz absichtlich.

Die katholischen Gläubigen würden an diesen Tagen irgendwelche Götzen durch die Strassen tragen; viel Unbiblisches sei dabei. «Gefeiert wird dafür das Geburtsdatum der eigenen christlichen Gemeinde.» Darum, so Trummer, grenzen sich die gläubigen Indianer bewusst ab. Die traditionellen Feste werden nicht durchgeführt. «Als Mission erklären wir ihnen den biblischen Hintergrund und dass diese Feiertage keine katholische Erfindung sind.»

Umfassende Aufbauarbeit

Im Tiefland Perus unterstützt «Indicamino» beispielsweise das Ausbildungszentrum «Cashibo». Zukünftige Prediger werden dort vier Jahre lang geschult. Die Frauen der Studenten erhalten Lese- und Schreibunterricht und erlernen Handarbeiten und Nähen. Auf diese Weise sollen die Absolventen zu Multiplikatoren für ihren Stamm werden. Daneben werden auch Stammesbibelschulen gefördert und Sonntagsschulhelfer ausgebildet.

Das Einzugsgebiet von «Cashibo» umfasst die ganze peruanische Amazonasregion, also rund zehnmal die Fläche der Schweiz. Von den drei Millionen Menschen sind rund 300.000 Indianer aus rund 55 verschiedenen Stammesgruppen.

Webseite: www.indicamino.org

* «Indicamino» ist der neue Name der «Schweizer Indianer-Mission». „Indianer“ sei in diesen Gegenden zu einem Schimpfwort geworden, erklärt Missionsleiter Trummer. Darum spreche man heute von „indigenen Völkern“.

Datum: 20.12.2005
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Information

Anzeige