"Und alle sind willkommen …": Die Kundenweihnacht in Basel

Der CVJM/F Basel organisierte auch dieses Jahr wieder im Quartierzentrum Union im tiefsten Kleinbasel die "Kundenweihnacht". Ein Fest für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Als nach fünf Uhr die Pforte der Kundenweihnacht sich ans Schliessen machte und das Fest seinen Anfang nahm, der Saal war mit über 250 Leuten zum bersten voll, standen doch noch zwei vor der Tür. "Wir müssen unbedingt herein, er schläft schon seit drei Tagen auf der Strasse", so der eine der beiden, auf den andern deutend. Wie Maria und Josef dazumal, vor überfüllten Herbergen standen. Noch zwei Gedecke hervorgeholt und zwischen die restlichen gedrängt, fanden auch die Zwei noch einen Platz. Und alle waren bereit für die Geburt Jesu, für das Fest der Freude.

Heisser Schinken und Kartoffelsalat

Wie schon seit 109 Jahren fand auch dieses Jahr wieder die Kundenweihnacht statt. Organisiert vom CVJM/F Basel, im Quartierzentrum Union im tiefsten Kleinbasel. Ein Fest für die Menschen, "die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen", so Hans Eberhart. Er ist der langjährige Leiter der Kundi, wie das Fest im Basler Volksmund liebevoll genannt wird. Von den Gästen sind viele altbekannte, für die Weihnachten ohne Kundi gar nicht mehr denkbar wäre. Und auch unter den 60 Helfern sieht man nur wenige neue Gesichter- ein eingespieltes Team.

Auf der Bühne spielt nun der Posaunenchor des CVJM Riehen die ersten Stücke und nach der Begrüssung durch Eberhart holen sie nochmals richtig tief Luft, um der Alltagsstimmung den Marsch zu blasen. Das Fest hat begonnen und das Mahl wird serviert, heisser Schinken mit Kartoffelsalat, dazu Tee und alkoholfreies Bier. "Darf ich noch eine Portion?", hört man bald von überall und es wird serviert, alle Helfer laufen auf Hochtouren. Einheitlich in Weiss gekleidet fliegen sie zwischen den Tischen hin und her, wünschen hier ein "en Guete" und dort ein "kommt gerade". Zum Beispiel Tabea ist bereits zum vierten Mal als Helferin dabei, auch ihren Verlobten Matthias hat sie schon zum zweiten Mal mitgebracht. "Es ist immer wieder schön diese fröhlichen Gesichter zu sehen, diese Dankbarkeit", meint sie. Und schon ist sie wieder davon, mit zwei gefüllten Tellern in den Händen.

Bunte "Kunden"

Das Publikum ist so verschieden wie auf der Strasse: Alte, Junge, Bekannte und Fremde mischen sich an den Tischen. Menschen, vor allem ältere, AHV- und IV-Bezüger ohne soziales Umfeld, Obdachlose, Einsame und Arme, die kommen, um ein Weihnachtsfest der besonderen Art zu geniessen.

Nach dem Essen werden zwei altbekannte Weihnachtslieder gesungen, "Oh du Fröhliche" und "Stille Nacht" tönt es aus hundert Kehlen und ein Glanz geht über manche Gesichter, Erinnerungen an vergangene Weihnachten machen sich breit. Passend dazu liest Edith die Weihnachtsgeschichte auf Basledytsch vor. Anschliessend wird das Dessert serviert, Christstollen und Kaffee. Auch das Gehörte wird verdaut, hier und dort Stimmen dazu.

Mister Swiss Country mit lockeren Sprüchen

Dann tritt ein Mann auf die Bühne, der schon zum zweiten Mal für die Kundi gewonnen werden konnte, Mister Swiss Country, John Brack. Mit seinen Liedern bringt er die Leute zum Klatschen und Mitsingen, er hat den Draht zum Publikum voll und ganz. Seine lockeren Sprüche mischen die Stimmung auf, "wir sind eine Minute zu spät, aber das holen wir locker wieder auf, wir spielen einfach schneller!", und er legt los auf seiner Gitarre. Jingle Bells und schon hat er die Leute für sich gewonnen.

Nach seinem Abgang folgt etwas, worauf die meisten fast nicht mehr warten können: Die Guggenverteilung. Goldene Tragtaschen werden den Leuten gereicht, gefüllt mit Honig, Salami, Lindorkugeln, Shampoo und Weihnachtsgebäck, dazu noch ein Paar handgestrickte Wollsocken. Und schon ist die Kundi 04 wieder vorbei, die Helfer machen sich ans Aufräumen und Putzen. Die Pforten werden geschlossen und an Weihnachten 2005 wieder unter demselben Motto geöffnet: "An der Kundi sind alle willkommen!"


Autor: David Meier


Quelle: Livenet.ch

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