Auferstehung contra Reinkarnation

Zu den erstaunlichsten Phänomenen am Ende des 20. Jahrhundert zählt die unerwartete Popularität von Reinkarnationsvorstellungen.

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Immer mehr Menschen glauben inzwischen an ein Weiterleben nach dem Tode; vor allem glauben sie daran, dass sie in anderer Gestalt noch einmal auf die Erde zurückkehren werden. Wesentlich für diese keineswegs religiös motivierte Zukunftshoffnung sind Bücher und Berichte über Nahtod - Erfahrungen von Menschen bzw. von Schilderungen, in denen sich Menschen an ihre frühere Existenz - etwa vermittelt durch Hypnose - zurückerinnern. Patienten, die bereits klinisch tot waren, berichten von euphorischen Erfahrungen an der Todesgrenze. Im Zeitraffertempo sehen sie ihr ganzes Leben an sich vorüberziehen.

Das Sterben verliert für sie seine Schrecken: Statt in ein schwarzes Loch zu fallen, erleben sie, wie sie durch einen dunklen Tunnel hindurch in ein helles, strahlendes Licht kommen. Um so enttäuschter empfinden sie anschließend die Rückkehr in ihr irdisches Leben. So wenig die Echtheit solcher Erlebnisse angezweifelt werden kann, so muss andererseits festgestellt werden: Es geht um Sterbe- und Todesnähe - Erfahrungen. Alle diese Patienten wurden erfolgreich ins Leben zurückgeholt, d.h. keiner hatte wirklich schon die Grenze zum Tod überschritten. Daher sind diese Berichte und Zeugnisse nicht geeignet, um etwa die Frage "Was kommt nach dem Tode?" zuverlässig zu beantworten. Abgesehen davon, dass andere Patienten an der Todesgrenze völlig entgegengesetzte, nämlich angsteinflössende Erfahrungen machen.

Ähnlich boomt gegenwärtig der Glaube an die Wiederverkörperung, bei dem zwar Vorstellungen der Reinkarnation aus den asiatischen Religionen Pate stehen, aber gleichzeitig völlig in ihr Gegenteil verkehrt werden. Denn noch einmal oder mehrmals wiederverkörpert zu werden, ist für den Buddhisten z.B. alles andere als ein erstrebenswertes Ziel oder gar Anlass zur Hoffnung: Es ist eher Fluch bzw. Last, weil das "Karma", d.h. die Wirkungsgeschichte der eigenen Taten im jetzigen Leben die künftige Wiederverkörperung erzwingt und so immer wieder das Rad der Geburten antreibt - bis der Mensch endlich von allem Begehren frei ins selige "Nirwana" eingehen kann.

Der westliche Reinkarnationsglaube ist bestimmt von einem idealistischen Persönlichkeitskult, in dem der einzelne von sich überzeugt ist, den eigenen Tod überdauern zu können. Letztlich findet der klassische Selbsterlösungsglaube darin seinen Ausdruck. Die Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit menschlichen Lebens, wie sie der christliche Glaube bezeugt, wird im Reinkarnationsglauben eingetauscht gegen eine Vielzahl unterschiedlicher, aufeinanderfolgender Biographien. Statt für das eigene Leben und die Geschichte dieser Welt, um ein klares Ziel zu wissen, verliert sich der einzelne und die Welt in einem ständig wiederkehrenden Kreislauf. Ich kann nicht sehen, wie Menschen auf diese Weise zu einer begründeten Hoffnung auf ein Leben jenseits der Todesgrenze finden können.

Die Auferstehung und die Hoffnung der Christen

Die biblische Überlieferung lässt keinen Zweifel daran: Christliche Hoffnung auf eine künftige Totenauferstehung ist unauflöslich an die Person Jesus Christus gebunden. Seine Auferstehung allein ist Gewähr für eine umfassende Auferstehung der Menschheit am Ende der Zeiten. Mehr noch: In das künftige Auferstehungsleben, für das Jesus schon jetzt den "Prototyp" abbildet - Paulus schreibt von Christus als Erstling 1. Kor. 15,23 - wird die gesamte Schöpfung mit einbezogen (Römer 8,21 ff). Christen glauben eben nicht nur an ihre eigene Auferstehung; sie erwarten zugleich die umfassende Neuwerdung der gesamten Schöpfung. Doch wie haben wir uns diese neue Wirklichkeit der Auferstehung vorzustellen? Paulus selbst tut sich mit der Antwort auf diese Frage schwer. Zwar hält er an der Vorstellung vom Leib bzw. Körper für die Existenz nach der Auferstehung fest, um sie zugleich zu relativieren: Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib (1. Korinther 15,44). Doch was ist ein geistlicher Leib?

Die Berichte der Evangelien über die Begegnungen mit dem Auferstandenen sind in dieser Hinsicht erhellend: Bei unterschiedlichen Begegnungen wird Jesus nach seiner Auferstehung nicht sogleich wiedererkannt. Maria hält ihn zunächst für einen Gärtner; den Emmausjüngern erscheint er auf dem Weg als ein fremder Wanderer. Offensichtlich ist Jesus nach seiner Auferstehung nicht einfach dinghaft-materiell in diese Welt zurückgekehrt. Auferstehung meint darum etwas anderes als die Wiederbelebung eines Leichnams. Der Auferstandene unterliegt nun nicht mehr den Bedingungen von Raum und Zeit. Zwischen dem irdischen und auferstandenen Jesus besteht eine eigentümliche Beziehung der Diskontinuität einerseits und der Identität andererseits. Ist der Auferstandene den Jüngern zunächst fremd, so wird er plötzlich an seiner Stimme oder an der Geste des Brotbrechens wiedererkannt. Der ungläubige Thomas darf sogar mit seinen Händen die Nägelmale des Gekreuzigten nach seiner Auferstehung berühren.

Natürlich sind alle diese neutestamentlichen Berichte über die Begegnungen mit dem Auferstandenen Zeugnisse persönlicher Erfahrung, die damit den eigenen Glauben keineswegs überflüssig machen. Wer diese Berichte liest, steht bis heute vor der Entscheidung, ob er sie für glaubwürdig und zuverlässig hält - oder eben nicht. Damit ein Mensch an Jesus als den Auferstandenen glauben und mit der Hoffnung auf das ewige Leben erfüllt werden kann, muss sich Jesus schon selbst als der Lebendige zu erkennen geben und durchsetzen.

Datum: 26.03.2002
Autor: Bruno Graber
Quelle: Jesus.ch

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