Simson Junior und der rätselhafte Pharao – Teil 6

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Die Soldaten hören nicht auf Margalit. Das Mädchen macht sich alleine auf in die nächtliche Savanne. (Foto: pdphoto.com
"Simson Junior und der rätselhafte Pharao" ist eine Fantasy-Geschichte, die sich an die biblische Person Simson anlehnt (nachzulesen in der Bibel, Richter, Kapitel 13-16). Lesen Sie hier den sechsten Teil der Geschichte.

Die weiteren Teile der Geschichte finden Sie hier.

Verärgert rappelte sich Margalit wieder auf. Sie hatte es eilig. So schnell wie möglich wollte sie in Eschtaol ankommen und die Soldaten vor der Gefahr warnen. Die würde dann schon wissen, was zu tun sei. Vielleicht würden sie Meldeläufer in alle Himmelsrichtungen losschicken. Im Nu dann wären die hebräischen Truppen in der Lage, dem Feind zu trotzen. Der Überraschungsangriff wäre vereitelt und die Revolte im Keim erstickt.

Mara, der Liebling der Götter

"Mara", säuselte plötzlich eine Stimme hinter hier in verführerischem Singsang. Das Mädchen fuhr herum. Die Schlange war wieder da. Und auch diesmal gab sich das unheimliche Tier völlig redselig. "Margalit, du bist doch selbst Ägypterin nach deiner Abstammung. Du wirst doch jetzt dein Volk nicht verraten wollen? Durch deine Adern fliesst der Nil, und die Götter der Pharaonen haben dich auserwählt. Du bist ihr Liebling. Erweis dich dieser Ehre würdig und vertraue ihnen. Sie werden dann deine Geschicke lenken. Ich kann bei ihnen für dich einsetzen und dir einen hervorragenden Platz im kommenden ägyptischen Reich reservieren ... "

Margalit hatte genug gehört. Sie nahm allen neugetankten Mut zusammen und hielt der Bestie entgegen: "Nein, hau ab! Der Gott der Hebräer ist mir erschienen. Er will nicht, dass sein Volk wieder versklavt wird. Und ich auch nicht. Sein Volk ist mein Volk. Lass mich in Ruhe!"
"Wie du meinst", züngelte die Schlange. "Wie du meinst. Aber bedenke: Simson hat sich auf meine Seite gestellt."
"Aber natürlich", äffte Margalit, machte auf der Stelle kehrt und rannte in Richtung Eschtaol. Der Bestie glaubte sie kein Wort mehr.

Einer schaut bis ins Herz

Lichtblitze zuckten, und schon war das Lager der Aufständischen hinter einer gleissenden Wand verborgen. Aber ausser Simson konnte niemand die grosse Gestalt sehen, die mit diesem himmlischen Feuerwerk plötzlich erschien. Sie stand genau vor den jungen Hebräer, der noch immer an den Baum gefesselt war. Simson erschrak, fand die Fassung aber rasch wieder. "Du?" fragte er völlig erstaunt.

"Ja, ich bin es; der Engel des Herrn", antwortete die Stimme "Der Engel, der schon deine Geburt angekündig hatte. Ich bin gekommen, um dir beizustehen."
"Aber du weisst doch sicher, was ich der Schlange gesagt habe: dass ich die Idee nicht übel finde, zu Rahmos überzutreten?"

Verständnisvoll und überraschend milde antwortete der Engel: "Simson, natürlich habe ich das gehört. Aber ich sehe ins Herz hinein und habe erkannt, dass du das nur zum Vorwand gesagt hast. Du wolltest, dass sie dich dann losbinden und du zu deinem Volk zurück kannst, um es zu warnen. Du hast Mut bewiesen. Aber sie lassen dich nicht einfach so frei; das wäre ihnen viel zu gefährlich. Sie werden dich prüfen."
"Wer ist eigentlich diese Schlange?" fragte Simson nun.
"Die treibt ihr Unwesen schon lange. Im Garten Eden verführte sie einst Eva."
"Warum bindest du mich nicht los?"
Simson hatte die Frage noch nicht beendet, da war der Engel schon wieder verschwunden.

Endlich in Eschtaol

Margalits Beine zitterten vor Erschöpfung, als sie endlich den Armeeposten erreichte. Er lag etwas ausserhalb von Eschtaol auf einer leichten Anhöhe. Man hatte ihn zu eine kleinen Festung mit massiven Mauern ausgebaut. Mehrere kräftige Männer standen am Eingang und hielten Wache. Fackeln beleuchteten das massive Eingangstor, das verschlossen schien.

Das Mädchen stürzte auf die erste Gruppe von Soldaten zu, die sich unmittelbar hinter der Mauer um ein Feuer geschart hatten. Die nächtliche Kälte setzte ihnen zu. Margalit schien ihnen kaum einen Blick wert zu sein, obwohl sie ganz ausser sich war. Mit dem ersten Atem, den sie fassen konnte, brach ihre Erzählung los. Das Geschehen der vergangenen Stunden sprudelte nur so ihr heraus; die Wachen hörten nun aufmerksam zu. Zuletzt bemerkte einer: "Da müssen wir schleunigst das Hauptquartier in Jerusalem benachrichtigen, oder was meint ihr?" Die anderen nickten: "Ja, unverzüglich", pflichteten die bei, während Mara ein schwerer Stein vom Herzen fiel. Doch den Boden sollte der nicht erreichen.

Die perfekte Unterhaltung

Denn nun brachen die wackeren Soldaten in schallendes Gelächter aus. "Mädchen, das war wirklich gut. Ausgezeichnet sogar. Selten hat man uns zu so später Stunde so gut unterhalten! Ein Lausebengel, der hier Pharao werden will, und mit einer Schlange als Sekretärin. Dann wartet an der Landesgrenze noch eine ganze Armee -die weder unsere Spähern noch der Geheimdienst entdeckt haben ... Kompliment, junge Frau; du bist wirklich gut!"

"Ihr müsst mir glauben. Wir sind in allergrösster Gefahr!" Doch Mara sah ihre Felle davonschwimmen. "Prüft es doch selbst nach! Was habt ihr dabei zu verlieren?" Ein Soldat erhob sich nun, stellte sich neben Mara und legte seine schwere Hand auf ihre Schulter: "Weisst du", meinte er mit eindringlicher Stimme, "weisst du, wie viele Kinder im ganzen Land abend auf die Soldaten zugehen und sie mit irgendwelchen Geschichten unterhalten, nur weil es ihnen und uns langweilig ist? Das haben wir doch selber auch gemacht, als wir klein waren und der grosse Bruder schon in der Armee war. Hör mal: Ich glaube dir. Aber erst dann, wenn dieser Möchtegern-Pharao persönlich vorbeikommt und noch dazu deine Lichtgestalt, und zwar mit ihrem Dienstausweis von der Engelarmee."

Die Enttäuschung ist gross

Die Wehrmänner glucksten vor Vergnügen. Einzelne hatten etwas Mitleid mit dem Mädchen. Ob sie es zu derb angefasst hatten? Aber man musste dem Nachwuchs klar machen, dass die Armee Besseres zu tun hatte, als im Dunkeln Leib und Leben aufs Spiel zu setzen, nur weil sich Kinder irgendwelche zusammengereimt hatten.

"Hört mal!" Verzweifelt setzte Margalit noch einmal an. "Bei allem, was mir heilig ist, bei allem Respekt, ... " Sie hatte Mühe, die richtigen Worte zu finden. Tränen der Wut und der Enttäuschung rollten aus ihren Augen und liefen ihre zorngeröteten Wangen hinab. "Was muss ich tun, damit ihr mir glaubt?"

Der Wortführer dieser Gruppe hob die Augenbrauen: "Ich würde sagen: nichts. Eine Verschwörung, von der halben Grösse wie die, die du uns geschildert hast, hätten wir schon längst entdeckt und aufgerieben." Wenn sie jetzt nicht gehen würde, würden die Streiter nur noch vollends die Geduld verlieren. Glauben schenken würde man ihr nicht in dieser Rund. Das war ihr klar. Margalit ging.

Lesen Sie am Dienstag Teil 7 des Simson-Junior-Abenteuers.

Datum: 21.10.2007
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Jesus.ch

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